Thomas Manns Jahrhundert- und Nobelpreis-Werk als überlanger und üppig ausgestatteter Kinofilm. In meinen Augen eine gute Idee, bleibt auf diese Weise Deutschlands Vorzeige-Autor nicht in den Hälsen von Deutsch-Leistungskurslern stecken und beweist übertrieben literarisch argumentierenden Kritikern, daß auch der große Mann nur mit Wasser gekocht hat und sein über drei Generationen erzählte Epos einer Kaufmannsfamilie im Kern eine recht simple Geschichte erzählt!
Vom Großerfolg bis zum Niedergang erzählt "Die Buddenbrooks" die Geschichte einer angesehenen Getreidehändlerfamilie - vorrangig aus der Sicht der Tochter Antonia, genannt Toni (Jessica Schwarz). Man erlebt die Kette von Zwietracht unter ihren Brüdern Christian (August Diehl) und Thomas (Mark Waschke), welche sich in völlig unterschiedliche Richtungen entwickeln und schließlich in den privaten als auch beruflichen Niedergang der Firma und der Familie münden.
Soweit die tragische Geschichte - filmisch immer wieder geschickt eingeleitet von Unwettern. Als erhabenes Familienoberhaupt erfüllt Armin Müller-Stahl die Leinwand mit charismatischer Präsenz - seine Szenen sind die besten im ganzen Film. An zweiter Stelle überraschte mich Jessica Schwarz als Toni - welche eine Art Zentralfigur des Films ist. Um sie dreht es sich zu Beginn, im Mittelteil und wieder am Ende.
Schwarz macht aus der Familienzusammenhälterin eine stets sympathische, lebenslustige Frau, die stets natürlich agiert und wohlüberlegte Entscheidungen trifft. Für eine ehemalige Moderatorin finde ich ihre Leistung einfach erstaunlich.
Neben gestandenen Schauspielgrößen wie Müller-Stahl, Iris Berben, Sunny Melles und August Diehl eine so fantastische Vorstellung zu liefern verdient Bewunderung!
Mark Waschke füllt seinen Thomas mit Zurückhaltung par excellence. Zu Beginn eher ein Lebemann, zum Ende hin ein überforderter und unglücklicher gebrochener Mann, der den würdelosesten Tod sterben muss, den eine solche Familiensage zu bieten hat.
August Diehl kommt zwar leicht manisch rüber, ergeht sich jedoch über weite Strecken in Spielereien und der Charakter tritt schließlich auf der Stelle. Über einen Teil des Flms wird seine Entwicklung nicht einmal weiterverfolgt und der Freigeist Christian tritt strukturlos nur dann auf, wenn es die Familiensituation erlaubt und wirkt so eher wie der Geist der vergangenen Weihnacht in Dickens' Weihnachtsgeschichte.
Schauspielerischer Totalausfall und daher ein unverzeihlicher Auftritt wird Iris Berben gegönnt. Die stoische, innerlich stellenweise brodelnde Kunsulin Bethsy ist ein Abziehbild einer feinen Dame der Gesellschaft und Berben bringt nicht einmal auch nur eine Nuance ein, die sich von der einer Newcomerin unterscheiden würde. In jeglicher Hinsicht austauschbar und kalt bleibt ihre Darstellung am wenigsten im Gedächtnis - da hat sich eine so große Dame des deutschen Film und Fernsehens wahrlich kein Ruhmesblatt geschaffen...
Über die Lauflänge von 151 Minuten wird "Die Buddenbrooks" flott erzählt, ist verschwenderisch ausgestattet und richtig gutes Historienkino aus deutschen Landen. Daß die Filmumsetzung dem hochgestochenen Roman natürlich nicht gerecht wird, steht außer Frage aber in meinen Augen war es eine sehr gute Idee, endlich einmal dieses gewaltige Stück Romangeschichte auf die Leinwand zu bringen. Ein Fernsehmehrteiler hätte es auch getan aber im Kino wirkt "Die Buddenbrooks" einfach als schöne Abwechslung zum hirnlosen Actiongeballer zu Weihnachten und dem hunterfünfzigsten Familienfilm der Marke Disney!
Einen großen Minuspunkt gebe ich aber trotzdem, denn so unterhaltsam der Film auch ist, so schafft er es leider zu keiner Zeit, große Dramatik zu erzeugen oder das Publikum mitzureißen. Über weite Strecken wirken die Szenen und Geschehnisse eher als eine Aneinanderreihung von Ereignissen. Hier wäre eine Fernsehlangfassung, später nachgeschoben wie bei "Der Untergang" und "Der Baader-Meinhof-Komplex", sinnvoll!
Fazit: Schwelgerische Familiengeschichte, in opulente Bilder und Ausstattung gepackt, filmisch toll umgesetzt und teilweise von sehr guten Darstellungen getragen - leider zu keiner Zeit mitreißend sondern eher nüchtern inszeniert.