Kurz bevor seinem Ruhestand im selben Jahr und damit als letztmalige Möglichkeit des Ausprobens anderweitiger Handhabe sowie der eigenen Manifestation inszenierte sich der taiwanesische Haudegen Au Wai im Jahre 1974, nach einer Dekade Schauspielkarriere erstmalig selber. Natürlich setzte er sich mit dieser Einzelmaßnahme auch gleich in den Mittelpunkt des Geschehens ein, als den tatkräftigen Impuls, der mit profiliertem Gesicht beliehen die Tendenzen und Wallungen des Geschehens einleitet und auch bestimmend begleitet. Dabei in einer Rolle, die als aufrecht dienstbeflissener Gesetzeshüter tagein tagaus die Chance hat, das Böse in all seinen Facetten zu bekämpfen und das Gute bei ebenfalls jeder sich nur bietenden Gelegenheit an den Mann zu bringen. Ob der Gegenüber dies nun will oder erst mit Argumenten beigebracht bekommen muss.
Au nutzt dabei auch nur unmaßgeblich das Genre des reinen Kriminalfilmes, dem er mit dieser Regiearbeit schon zu damaligen Zeiten auch gefühlte zwanzig Jahre hinterher hinkt, und verwendet das Material von einer geplanten Drogenübergabe und dem parallelen Bemühen der Polizei auch bloß als Eventualität für diverse Moralpredigten plus auffällig sinn- oder auch anspannungsfreien Beobachtungen seines alter egos. Der Gewalt in all ihren reißerischen Sensationsspekulationen wird auffällig aus dem Weg und auch die direkte Konfrontation nur verbal und nicht in physisch idealer Potenz angegangen. Zeitweilig wird aufkeimende Tension der Indizien – Geständnisse – Beweise Struktur entweder unbewusst als dramaturgischer Anfängerfehler oder eben aus Desinteresse für die oberflächliche Kollision von Verbrecher und Gendarm mittendrin angehalten, aus- oder übergeblendet und mit nahezu Stillleben einer wenig aufregenden und auch wenig mitteilsamen Momentaufnahme im festgehaltenen Bilde ersetzt. Die Wonne inszenierter Normalität und psychologische Allzumenschlichkeit als intensivste Prägung anstelle dem unerbittlichen Dreschen der „take no prisoners“ - Losung vom Produktionszeitraum und Thematik her vergleichbarer Werke der Marke French Connection oder Dirty Harry:
Mr. Li [ Au Wai ] ist trotz der biederen Baumwollstrickjacke und des gesetzten Alters immerhin noch so gut in Form, dass er nur wenig Mühe hat, den wesentlich jüngeren Kleinkriminellen Small Tiger [ Blacky Ko ] nach einer Hetzjagd über Stock und Stein doch noch zu stellen. Mithilfe dessen rechtschaffener Mutter Miss Tsai [ Foo Bik-Fai }, die ihrem mißratenen, auf die Drogen- und Spielsucht abgekommenen Spross erstmal die Leviten liest und einiger abschreckender Beispiele prominenter Rauschgiftopfer gelingt es Li, aus dem Gefangenen einen willigen Informanten zu machen. Allerdings hält die Undercovertätigkeit keine fünf Sekunden stand, Small Tiger wird nach den ersten dürftigen Mitteilungen von den Mannen des Gangsterbosses Mr. Shih [ Suen Yuet ] beseitigt. Shih plant das große Ding, den letzten imposanten Wurf, der ihm dann auch den geplanten Rückzug aus dem tödlichen Geschäft und die versüßende Altersrente ermöglichen soll; zu dessen Durchführung er auch seinen Neffen Tien Yu [ Kong Ban ], einen eigentlich charakterfesten, aber in persönliches Dilemma gekommenen Krämer und zugleich die Mittelsmänner Ling [ Got Siu-Bo ] und Liu [ Chen Chiu ] benötigt. Angetrieben von seinem Vorgesetzten [ Seung Fung ] und unterstützt von seiner ebenfalls im Investigation Bureau angestellten Verlobten Sun [ Sally Chen ] nimmt Li die Ermittlungen auf.
Das unbeirrbare Bewusstsein für ein doch eher schnödes Alltagsleben, dass mit trockenen Begleiterscheinungen wie ewigen Dienstbesprechungen, massig Herumtelefonierei und eben dem flächendeckenden Sermon in Veredelungsrhetorik über eine bessere und vor allem heile Welt aufgeheizt wird, erinnert stattdessen ein bisschen an den Schriftgutbestand des DDR Fernsehens. Eine angenehm entspannte und schon fast als nostalgisch geltende Altertümlichkeit in ideologischer Beruhigung, als harmonische Mischform aus Die Drei von der K, Blaulicht, Täter unbekannt. Eine weitgehend sachliche Schilderung der Problematik, der weit mehr im Reportage- als im nur dosiert eingebrachten Kolportagestil formuliert wird und abseits eines konkret dokumentarischen Hinweises samt aktenfundierter Quellen auch durchaus als Tatsachenbericht mit erläuterndem Kommentar und damit als Hörspiel-Aufbereitung gelten könnte. [Tatsächlich lassen sich manche eh schon knapp gehaltene Actionszenen nur auf der Tonspur und nicht graphisch artikuliert wieder finden; opponierend unorthodox, aber trotzdem eine Idee ohne Einfluss.]
Fern von einer Vielgestaltigkeit und dem Formenreichtum anerkannter Ausdrucksmittel setzt Au viel lieber und selbst dann auch mit sichtlich integerem Understatement, aber leider auch geringem Erkenntniswert auf eine stubenreine, so auch eher phantasielose, da pragmatisch abgeblühte und künstlerisch-ideologische Konstruktion, die sich kaum um reißerische Elemente schert und stattdessen vorgibt, die Angelegenheit bürgerlicher Rechtsfindung, gesellschaftlicher Umstände der Kriminalität und staatlicher Eskorte in beziehungsreicher Verflechtung in Augenschein zu nehmen. Der auf das Äußerste schematisierte Held als Repräsentant behördlicher Macht und so handelnde Figur und allegorische Gestalt und Vor- und Sinnbild in einem geht zwar zuweilen als auch hochstilisierter Einzelgänger seine eigenen Wege außerhalb der im Lehrbuch festgeschriebenen Methodik, würde allerdings nie, nicht einmal im Notfall die reaktionäre Selbstjustiz beschreiten und verlässt sich lieber auf den eifrig arbeitenden Dienstapparat und die Macht der Worte im stillen Kämmerlein.
Ein stoischer Mensch, eine charakterfeste Institution, ein im Verhältnis zu Doyle und Callahan schon gemächlich frommer Ermittler mit reformatorischer Spannkraft, den nicht wirklich etwas aus der gleichmütigen Ruhe oder der Puste bringen kann. Und der Sachverhalte, Schwierigkeiten und weitere Überzeugungsarbeit anstatt mit Fäusten oder Dienstwaffe doch lieber mit dem vorwurfsvollen, wenn nicht noch schlimmer dem mitleidigen, dem verständnisvollen oder dem solidarischen Blick löst. Mit einer Handvoll eigentlich absolut nichtssagender, entbehrlicher und in ihrer dramaturgischen Nutzlosigkeit schon unfreiwillig komischer Szenen, die dem konventionellen Motiv vom Jäger und Gejagten nicht nur vollkommen widersprechen, sondern dieses geradezu ad absurdum führen: Mr. Li möchte von Taipeh nach Tainan, um den Fall abzuschließen. Unterwegs geht Ihm das Benzin aus. Er versucht es per Anhalter, zwecklos. Er schiebt das Motorrad zu einer Tankstelle. Er weckt den Pächter. Er tankt. Er fährt weiter. Er springt über ein quergestelltes Auto inmitten der Landschaft. Wenige Meter weiter stürzt er über einen 20cm hohen Stein. Seine Zigaretten sind alle. Er hebt eine Weggeworfene vom Boden auf. Er raucht, klopft sich ab, macht Aufwärmübungen im Häschenhüpf. Er winkt einen Jungen mit Dumplings zu sich heran und schickt diesen noch einmal für Zigaretten los...