Bei 8mm geht es um Snuff. Es geht darum Menschen zu foltern, schlussendlich zu töten, und alles auf Film festzuhalten. Auf 8mm Film, genauer gesagt. Tom Welles (Nicolas Cage) muss sich so einen Super8 Film ansehen. Er muss es aus beruflichen Gründen, denn Tom ist Privatdetektiv. Er wurde von einer reichen Witwe beauftragt, nach genau diesem Film zu recherchieren. Der Film stammt aus den Nachlass ihres geliebten Mannes, der eine einflussreiche und bedeutende Person des öffentlichen Lebens war. Der Film zeigt die Folterung und Tötung einer jungen Frau.
Toms Aufgabe ist es herauszufinden, ob es sich um ein reales Verbrechen handelt, oder ob es sich nur um ein schlechtes Machwerk perverser Filmproduzenten handelt.
Tom kommt schnell hinter der Identität der im Film ermordeten jungen Frau, die seitdem als vermisst gilt, und lernt dann auch bald ihre Mutter kennen. Die Gründe seiner Recherchen verrät Tom der Mutter nicht, dennoch zeigt Sie sich sehr kooperativ, denn sie ist davon überzeugt, dass ihre Tochter noch lebt. Ich verrate nicht zuviel: Die Mutter hofft vergebens.
Der überdrehte Max California (Joaquin Phoenix), Insider im Pornomilieu und Verkäufer von Hardcore Filmen führt dann Tom näher ins Pornomilieu ein, bis auch er relativ bald seinen Löffel abgeben muss. Trotzdem gelingt es Tom nach und nach immer näher an die Produzenten heranzukommen, bis er endlich vor ihnen steht. Am Ende schwindet jede Hoffnung, dass das Mädchen noch lebt. Die Perversion, die Tom hier erlebt scheint er jedoch nicht mehr gewachsen zu sein. Tom Welles vergisst nun alle Eigenschaften, die ihn bisher zu einem guten Staatsbürger machten und erklärt sich selbst zum Richter und Henker.
Das alles klingt für gewaltverliebte Actionfans, wie ich es nun mal bin, natürlich verlockend. Regisseur Joel Schumacher, der mit Filmen wie „Falling Down“ und „Nicht Auflegen“ seine Klasse bewiesen hat und Drehbuchautor Andrew Kevin Walker, der immerhin das Drehbuch zu „Sieben“ und „Sleepy Hollow“ schrieb, sollten doch um die sehr brisante Thematik Snuff, einen harten Thriller erschaffen können. Da der Film von der FSK ab 18 eingestuft wurde, sollte es denn ja auch wirklich hart zur Sache gehen. Das zumindest waren meine Vorstellungen, bevor ich mir den Film ansah. Ich hatte jedoch die falschen Vorstellungen!
Das was ich sah war alles andere als hart. Genauer gesagt, war es eine gefühlsduselige Seifenoper.
Nicolas Cage als weinerlicher Privatdetektiv Tom Welles. Oje, der Mann schien ja völlig zu zerbrechen. Andauernd weint er. Nein dieses Geflenne hat mit Schauspielkunst nichts zu tun und es dient auch nicht dazu der Figur Tom Welles so was wie Glaubwürdigkeit oder gar Tiefe einzuhauchen. Es war schlichtweg peinlich. Die Wandlung des Tom Welles vom ehrbaren, rechtschaffenen Bürger zum Racheengel, verpatzte Schumacher dann auf der ganzen Linie:
Vielleicht verrate ich hier entgegen meiner bisherigen Gewohnheiten zu viel zum Ausgang des Films, deshalb vorsichtshalber:
Spoiler !
Tom kam dem Produzenten der Filme also natürlich auf die Schliche und überwältigte ihn dann nach kurzem Kampf.
Was kommt nun? Nein er holt nicht die Polizei. Nein er erschlägt Ihn nicht und nein er erschießt ihn nicht. Stattdessen lässt er sich minutenlang von der schmierigen Gestalt verhöhnen und beleidigen, natürlich immer bittere Tränen vergießend. Er fasst dann allen Mut und ruft die Mutter des Opfers an. Was er bisher geheim hielt sagt er nun. Er sagt der Mutter, dass ihre Tochter bestialisch ermordet wurde und als quasi „Legitimation“ soll sie ihn dann sagen, dass sie ihre Tochter denn auch wirklich geliebt hat. Sie sagt es und unserem Racheengel Tom Welles hält nun Nichts mehr. Tom wird nun richtig böse. Tja und was kommt dann? Nein, man sieht nichts. Klar, Tom erschlägt diesen Produzenten mit seiner Pistole. Er benutzt dazu offenbar den Griff, wobei er den Lauf quasi als Griff umfunktioniert. Ihn einfach zu erschießen war wohl nicht stilvoll oder heroisch genug. Von diesem Akt der Selbstjustiz bleibt der geschonte Filmfreund wie gesagt unbehelligt. Man sieht ausschließlich einen zitternden Nicolas Cage, der den Lauf seiner Pistole in der Hand hält.
Der Griff ist blutverschmiert. Die Hauptfigur hat hier Jemanden erschlagen, aber der geneigte Filmfreund war nicht eingeladen, dem Spektakel beizuwohnen. Gut für seine Nerven, jedoch ungut für einen Film, der der Thematik nach ja ein echter Reißer sein sollte. Der Film möchte offenbar nicht wehtun. Er möchte von Gewalt zwar erzählen, traut sich diese aber nicht darzustellen. Das Resultat ist ein trauriges filmisches Missverständnis, bei dem Drehbuch und Regie so gar nicht miteinander harmonieren. Hauptdarsteller Nicolas Cage wirkt dann auch bei der Darstellung des Privatdetektiven Tom Welles entsprechend deplaziert. Die Schmierenkomödie, die er uns darbot war aber nur das Resultat eines überforderten Regisseurs. Cage selbst die Schuld für das Desaster in die Schuhe zu schieben würde zu weit führen. An seinem Agieren selbst war nichts auszusetzen.
Das Positive am Film ist schnell gesagt: Abgesehen von den Schlüsselszenen ist der Film allgemein recht kurzweilig, spannend und im richtigem Tempo erzählt.
In den entscheidenden Augenblicken versagt der Film. Der Versuch einen Film zu drehen, der von bestialischen Morden handelt, ohne dabei den Zuschauer zu erschrecken scheitert hier kläglich. Ich sag’s ungern, aber der Film wirkt zerschnitten, da entscheidende Szenen zu fehlen scheinen, bzw. nicht gedreht oder einfach weggelassen wurden.
8mm fehlt es an Härte, die ein solcher Film nun mal braucht, und es fehlt ihn an Glaubwürdigkeit. Insgesamt nicht langweilig, weil man beim ersten Sehen denken muss: “Da kommt noch was“. Nichts kommt.