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Anfang der 90er konnte Paul Verhoeven mit „Basic Instinct“ einen Erfolg verbuchen und produzierte dabei auch einen guten Film. Danach kamen aus Hollywood und diversen B-Schmieden mehr oder minder vergessenwerte Nachahmer, darunter auch dieses Debakel.
Zeit und Ort der Handlung: Boston, 1977. Die zeitliche Angabe hat hier an sich keine Bedeutung, der Film könnte auch heutzutage spielen. Dürfte wohl daran liegen, dass es sich bei „Jill Rips“ (angesichts des dämlichen Plots kaum zu glauben) um eine Romanverfilmung handelt. Es geht mal wieder um Morde im Rotlichtmilieu, die Opfer sind Fans abartiger Praktiken, die man wie die Weihnachtspakete verschnürt vorfindet. Todesursache: Derbe Zerhäckselung mittels Messer. Ist dann auch genauso unoriginell, wie es sich anhört.
Das erste Mordopfer der Serie ist jedoch der Bruder von Matt Sorenson (Dolph Lundgren), einem knallharten Ex-Cop (natürlich inzwischen versoffen). Der forscht nach, wer da Brüderchen zu Hackfleisch verarbeitet hat, stößt auf kriminelle Bauunternehmer, für die sein Bruder arbeitete, und steigt dabei in den Sumpf der Rotlichtviertel ab…

„Storm Catcher“, die vorige Zusammenarbeit von Dolph Lundgren und Regisseur Anthony Hickox, zeichnete sich nicht durch einen besonders dollen Plot, aber durch derbe Shoot-Outs und tolle Stunts aus. Hier ist Action bis auf ein paar nette gemachte Prügeleien nicht vorhanden und die paar Schlägereien bleiben dann traurigerweise das Beste am Film. Vor allem Hickox enttäuscht hier inszenatorisch, wenn man „Jill Rips“ mal mit „Submerged“ oder „Full Eclipse“ vergleicht: Einfallslose, öde Optik in den Außenszenen, die aussieht, als sei der Film hastig im nächsten Hinterhof gedreht. Aber das ist noch immer besser als beim Innendreh, denn bei einigen Szenen im Gebäudeinnern hat man das Gefühl, dass die Deko beim nächsten Windhauch zusammenkracht und man die Studiowände sieht.
Wäre alles halb so schlimm, wenn „Jill Rips“ wenigstens von der Story her überzeugen könnte, aber Pustekuchen: Die Anzahl der Charaktere ist so klein, dass man schon frühzeitig die wahre Identität des weiblichen Rippers erkennen kann (der Name Jill fällt im Film übrigens kein einziges Mal und wurde wohl nur in den Titel genommen, weil Jill das weibliche Gegenstück zum Namen Jack wie in Jack the Ripper ist). Wenn dann die ersten Infos über den schmierigen Zuhälter, der hier auch noch mitmischt, eintrudeln, kann man sich bereits den Großteil der Story zusammenreimen. Dazu kommen noch übelste Klischees: Matt begehrt natürlich beim ersten Ansehen die Witwe seines Bruders und darf dann im Laufe der Ermittlungen auch mal drüberhoppeln.

Um dem Ganzen dann aber noch einen Todesstoß zu verpassen, wirkt „Jill Rips“ stellenweise so trashig, dass man beinahe an eine Parodie glauben könnte. Vor allem die Szenen in Clubs und Freudenhäusern, in denen nur die Leute bloß mehr oder weniger durchgeknallten Praktiken frönen, fühlt man sich eher zum Lachen animiert.
Dolph Lundgren scheint auch zu wissen, wie dämlich das Script ist und rennt deshalb hier ständig mit der gleichen brummelig-angepissten Miene durch die Gegend, während er die Dialoge vor sich hin murmelt. Der Rest der Darsteller ist da auch nicht wesentlich besser; vor allem die Horde aus Zuhältern und Gangster sind Knallchargen allererster Güte.

Alles in allem ist „Jill Rips“ ein total langweiliger Abklatsch von Filmen wie „Basic Instinct“ und „8 MM“ mit komplett vorhersehbarer Story. Da helfen auch die zwei bis drei zünftigen Schlägereien nicht mehr viel.

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