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Gerade ein Jahr zuvor drehten Anthony Hickox (Waxwork, Hellraiser III) und Dolph Lundgren (Dark Angel, Showdown in Little Tokyo) noch den soliden "Storm Catcher", bevor es mit "Jill Rips" gar runter auf TV-Niveau geht. Lundgren stand nun ein dickes Tief bevor, welches dieser langweilige Ausflug in die SM-Szene quasi einläutete.
Ohne jegliche Akzente zu setzen mimt der Schwede den versoffenen Ex-Cop Matt Sorenson, dessen Bruder bestialisch ermordet aufgefunden wird. Für Matt Ehrensache da mal Nachforschungen anzustellen, die Spur führt zum Baulöwen Jim Conway (Cahrles Seixas) und dem brutalen Zuhälter Joe Jujavia (Victor Pedtrchenko).
Das Ganze spielt sich in Boston im Jahr 1977 ab, doch um Atmosphäre war Hickox nicht unbedingt bemüht, besser gesagt es standen ihm die nötigen Mittel nicht zur Verfügung. Der ganze Film ist ein einem kühlen Blauton gehalten, gedreht wurde in schmierigen Bars, kargen Hinterhöfen oder sonstigen ausdruckslosen Bauten, lediglich im noch nicht fertig gestellten U-Bahn Tunnel will ein wenig Atmosphäre aufkommen, leider fährt auch der Score nur auf Sparflamme.

Doch ganz dick kommt es für den Zuschauer bei der Story, da Matts Fortschritte bei den Ermittlungen nur aus Zufällen zu bestehen scheinen. Auch seine Vorgehensweise darf kritisiert werden, denn um voran zu kommen wendet er stets Gewalt an und wird dafür von der Polizei nicht mal bestraft. Aber auch die Gegenseite schläft nicht und so bekommt Matt in regelmäßigen Abständen auch auf die Moppe, besonders Zuhälter Joe hat es auf ihn abgesehen.
Die eigentliche Mordgeschichte ist nicht mal solide Krimikost, sondern aufgrund der zahlreichen Charaktere nur verwirrend. Wer gut aufpasst (was einem teilweise wirklich schwer fällt) hat den Mörder von Matts Bruder nach einer gewissen Zeit entlarvt, das Eintauchen in die SM-Szene ist nur ein Aufhänger, um dem Zuschauer wenigstens in einem Punkt etwas anderes bieten zu können. Doch spätestens wenn sich Dolph selbst fesseln und knechten lässt, driftet "Jill Rips" eher in die unfreiwillige Komik ab. Was den Film letztenendes vor dem totalen Aus rettet, sind Dolphs brachiale Auftritte, die meist mit kleineren Keilereien verbunden sind. Der läuft hier nicht nur rum wie ein Penner, säuft wie ein Loch, sondern besitzt dann auch noch die Frechheit die Witwe seines Bruders durchs Bett zu scheuchen.

So bleibt "Jill Rips" nur eine langatmige Abgraserei von gewissen Stationen, die der gewaltsamen Informationsbeschaffung dienen, Hickox kann nicht einen Höhepunkt setzen und Lundgren hat auch schnell auf Autopilot geschaltet. Hofft man noch auf einen brauchbaren Showdown, so wird man selbst hier enttäuscht, denn der beherbergt die schwächste und kürzeste Actionszene des ganzen Films und besteht lediglich aus einem Schlag mit der Eisenstange und aus einem Schuss. Matts Haltung am Ende, wenn er den Mörder seines Bruders entlarvt hat, ist auch völlig unverständlich, den Mann scheint nichts zu erschüttern, auch als Kollege und Kumpel Eddie (Richard Fitzpatrick) bei einem gemeinsamen Einsatz ausversehen eine Domina erschießen, wird darüber sogar noch gelacht und die ganze Sache sofort vertuscht. Mit solchen Charakteren kann man sich nur schwer einlassen. Aber egal, Lundgren und die restliche Riege sieht man die Lustlosigkeit förmlich an.

Einfach nur langweilig und belanglos, hier bleibt keine Szene haften, jede TV-Krimiserie hat mehr Format. Auch die Einblicke in die SM-Szene verfehlen ihre Wirkung völlig, die Geschichte hat man schnell durchschaut und außer ein paar kleinen Keilereien hat "Jill Rips" so gut wie nichts zu bieten. Wenn der Film schon in den 70er Jahren spielt, hätte man sich diesbezüglich etwas Mühe geben können, doch hier scheint man irgendwas auf die Leinwand bringen zu wollen, ohne Rücksicht auf den Zuschauer.

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