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Die Dreharbeiten im Schatten von Invisible Target verliefen relativ leise, Ankündigungen und entsprechendes Echo samt Mutmaßungen wurden erst unüberhörbar, als die letzte Klappe im Februar 2008 geschlagen und die Planungen für den Kinostart Ende September anberaumt wurden. Das von Seiten des Produktionsteams um Emperor Motion Pictures, China Film Group, Warner China Film HG Corporation und BNJ Armor Entertainment Limited verlautbarte sogenannte erste Chinesische Remake eines Hollywood Blockbusters [Zweiter Klasse] ließ sich dennoch schnell auf seine eigentliche Bedeutung als marktdröhnende Proklamation mit begrenztem Wahrheitsgehalt enttarnen. Die Nachahmung oder sich bedienende Anregung gerade angesagter oder über die Zeit im Erfolg bestätigter Werke war in HK jahrelang gang und gäbe, bis hin zum 1:1 Plagiat. Richtig ist, dass diesmal von offizieller Partei aus die Rechte an David R. Ellis' Cellular [ 2004 ] bzw. Chris Morgans basierenden Drehbuch erworben wurde und die erneute Umsetzung in legal statthafter Weise statt wie üblich als simple Wiedererzeugung ohne Klärung der Schutzbedingungen von Copyright-Klauseln in Angriff genommen wurde.

Sinn und Zweck des Ganzen unterliegt dabei geteilter Meinung, ist gleichsam reizvoll, widersprüchlich bis unbegreiflich wie die Auswahl gerade auf das spezielle Vorbild jüngeren Datums. Cellular war ein höchst moderater Film mit einem ebensolchen Einspiel und Einfluss, eine solide Durchschnittstat, die Niemanden wehtut und als Zeitvertreib für laue Stunden gleichfalls geeignet wie prompt wieder vergessen ist. Eine leidlich mittelprächtige Guckkastenbühne ohne aus der Masse herausragende Ambitionen, Illustrationen oder Illusionen.
Eventuell ist es gerade die Beliebigkeit und Austauschbarkeit des Originals als stärkstes homogenes Gebilde, die eine erneute Anleihe ohne große Schwierigkeiten so elementar wie nur möglich macht, das eingeschränkte Risiko, der durchaus vorhandene, aber nicht auf den Schemel der Unberührbarkeit befindliche Bekanntheitsgrad. Das Auf Nummer Sicher - Gefühl, dass hier wie dort eine verbindliche Akzentuierung ebenso vermeidet wie Charakter und Motivation. Zu vielfältig in der Erscheinungsform, zu oberflächlich, zu sehr gebunden an den Vordergrund des Interesses:

Design-Ingenieurin Grace Wong [ Barbie Hsu ] wird auf dem Weg zur Arbeit von den Mannen des bei Interpol tätigen Senior Inspector Fok [ Liu Ye ] und seiner rechten Hand Tong [ Fan Siu - wong ] entführt und außerhalb der Stadt in eine abgelegene Scheune gesperrt. Mit Hilfe eines notdürftig reparierten Wandapparats gelingt der verängstigten und um das Leben ihres von den Gangstern gesuchten Bruders Roy [ Carlos Chan ] und ihrer sechsjährigen Tochter Tinker [ Chan Sze - wai ] fürchtenden Frau der Anruf zu dem Schutzgeldeintreiber Bob [ hysterisches Nervenbündel: Louis Koo ]. Nach einiger Überredungskunst zur Überzeugung der akuten Gefahrenlage gebracht, versucht dieser, den von seinem Vorgesetzten Detective Zhang [ Eddie Cheung ] schikanierten traffic cop Fai [ angenehm entkrampft: Nick Cheung ] von der Notsituation zu informieren, ist dann aber schnell selber zum aktiven Eingreifen gezwungen.

Warum der anfangs von den Vorhaben selbst skeptische Regisseur Benny Chan laut eigenen Aussagen zusammen mit den Autoren Alan Yuen und Xu Bing neben der dauernden Vorbereitung zum letztlich viermonatigen Dreh auch ein Jahr lang an dem bereits bezugsfertigen Skript geschrieben und dies auch ganzen fünf Revisionen unterworfen hat, steht im Nachhinein in Ansicht des Gebotenen immer ein wenig offen. "The challenge was not in the action, but in reinterpreting and translating the story to suit the Chinese culture" deutet zwar an, was man sich als signifikante Gewichtung ausgeführt wünscht. Aber die Ursprünge der narrativen Existenz wurden so exakt beibehalten, dass selbst die Veränderungen einiger Personendetails und eine anskizzierte Akklimatisation an die chinesischen Befindlichkeiten und ihre Verhältnisse die Geschichten nur wie eine sinngemäß übersetzte Parallelbiographie fern künstlerischer Qualitätsfragen erscheinen lassen. Die Erweiterungen abseits der Erinnerungseuphorie betreffen vor allem den Retter in der Not, den seine Textzeilen verstotternden Schutzengel wider Willen, der hierbei nicht bloß auf dem Weg zum unbekümmerten Strandvergnügen ist, sondern seine eigenen Sorgen und auch eine persönliche Deadline im Augen zu behalten hat.

Alleinerziehender Vater mit verachtenswertem Beruf, der bedrängt von seiner Schwester Jeannie [ Flora Chan ] seinen Sohn das letzte Mal vor dem Abflug nach Australien zu einer festen Zeit am Flughafen verabschieden und so Verantwortung und das Einhalten von Versprechen erlernen muss. Der Anruf aus dem Nichts, von einer Person, die er nicht kennt und dessen Aussagen zu absurd klingen, kommt entsprechend zur genau falschen Zeit und eigentlich auch zur komplett falschen Person für Wagemutiges. Diese dramatische Umwandlung und Neuproportionierung des Stoffes incl. geographisch stimmiger Positionierung [kurzzeitig geplante Aussendrehs auf Dalian und Xiamen] ist allerdings nicht bloß zu geringfügig, um einen zweiten Handlungsbogen mit struktureller Spannung und erweitender Sinnstiftung zu erregen – zumal man die optimale Möglichkeit der Einbindung neuer Konflikte vollkommen übersieht: Bobs auf per Du gehaltene Arbeitgeber sind schliesslich die Triaden. Man artet sogar noch zu mehr stereotyper Rhetorik aus und nimmt der eh schon nicht entfesselten Grundlage noch seine letzte archetypische Macht; die der stetig drängenden Konkretisierung, welche hier eher zu einem Katz - und Mausspiel innerhalb einer geschlossenen verkehrsberuhigten Zone reformiert wird.

Denn auch die Action, die zumindest im Budget von 5,8 Millionen USD einen weiträumigen Platz einnahm, ist mit einem erhobenen Mangel an Konsequenz belastet. Sicherlich kommen hier die Stärken einer gesicherten Finanzierung plus dem Einsatz eines gerade auf das technische Handwerk spezialisierten Teams zugute, und die über mehrere Wochenenden im ansonst vollbesetzten Yuen Long angefertigte vehicular destruction Verfolgungsjagd reißt für einen Moment mit viel Schwung pointierter Wirkung aus der beginnenden Lethargie heraus. Dass man dort für Minuten die notwendige Abkürzung vor Stau, Stockung und verengter Fahrbahn durch Abwasseranlagen nimmt, seine Wagen in Schlamm und Modder einsaut, sich notgedrungen in der Einbahnstraße erprobt, Fassadengerüste umsäbelt, blindlings in Baustellen rast, ein Trupp unglücksseliger Strassenarbeiter hinter sich herschleift und durch waghalsige Manöver Massenkarambolagen auslöst, lässt das Herz des Auto-Fetischisten unbedingt höher schlagen und brachte seinem Choreographen Nicky Li nicht gänzlich unverdient, wenn auch überraschend die best action design Auszeichnung bei den 45th Annual Golden Horse Awards. Aber dies bleibt fast die ruhmreiche Ausnahme, der Einzelfall zwischen sonstigem Understatement und Overacting, in dem man sich erst wieder im abweichenden "stop jerking me around" Finale einen legitimen Spielraum ertrotzt.

Ansonsten identisch in der Eigenschaft der Dinge und der Art, wie sie bestehen, aber gut zwanzig Minuten länger gehalten, ohne die Ausdehnung und Proportion auf argumentativer, emotional verständlicher oder syntaktischer Ebene zu rechtfertigen und noch zusätzlich mit dem Wissen um die Abläufe und die folgerichtig verstimmende Vorhersehbarkeit gestraft, gelingt es weder der merkwürdig gedämpft diskreten Regie noch den Darstellern, dieser rekapitulierenden Projektion in Co-Existenz ein nachweisbar selbstständiges Leben einzuhauchen. Chan, der eh schon über Jahre hinaus mit dem berechtigten Vorwurf der Angleichung an westliche Sehgewohnheiten in einzig auf den Mainstream abzielenden Einheitserzeugnissen gestraft und als reduktiv gerügt war, beherrscht hier nur die rein pflichtgetreue visuelle Verrichtung, formt keinerlei eigene Phantasie und ruht sich weitgehend auf dem aus der Quelle übernommenen Gelage aus. Wie in paargereimter Übereinstimmung werden die bekannten Stationen in mechanisch taxierter Aktualisierung abgeklappert, noch ergänzend mit einigen krachledernden Cameos von den Ulknudeln Wong Cho-Nam und Vincent Kok, die dem eh schon kompetent, aber seltsam belanglos verrichteten Korrelat wohl kaum schätzenswerte Schärfe einhauchen.

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