"Sie brauchen einen Helden, Bolt. Jemand, der egal wie schlecht die Chancen stehen, genau das richtige tut."
Seit der Einführung von Animationsfilmen als Massenware ist es um Walt Disney sehr ruhig geworden. Weder "Himmel und Huhn" noch "Triff die Robinsons" bekam die Anerkennung wie es sich Disney gerne gewünscht hätte. Somit ist "Bolt" die bisher erst dritte Animations-Kino-Auswertung von den Disney Animation Studios, diesmal mit Unterschriftskennzeichnung des Pixar Vorsitzenden John Lasseter. Obs hilft?
Superhund Bolt durchbohrt Stahlwände mit seinem Laserblick, löst Erdbeben mit seinem Bellen aus und springt locker 20 Meter weit. Er kennt weder Angst noch physikalische Grenzen, wenn es darum geht, seine Besitzerin Penny aus Gefahrensituationen zu retten. Allerdings weiß er nicht, dass seine Kräfte nur fürs Fernsehen inszeniert sind.
Nach einem weiteren waghalsigen Abenteuer, in dem die Produzenten sein geliebtes Frauchen entführen lassen, hält Bolt diese Entführung für authentisch. Er bricht aus seinem Wohnwagen aus und gelangt außerhalb des Studios. Während Bolt seine nun fehlenden Superkräfte auf einen Sabotageakt schiebt, versucht die streunende Katze Mittens ihn immer wieder darauf aufmerksam zu machen, dass seine Kräfte nur für das Fernsehen inszeniert wurden. Der fernsehsüchtige Hamster Dino ist allerdings ebenso überzeugt von Bolt's Superkräften. Das Trio macht sich auf den Weg zurück zum Studio und Bolt's Erkenntnis zwischen Wahrheit und Fiktion.
"Bolt" beginnt als ein brachiales Werk, das sich gekonnt als ein Actionfilm für Kinder verkauft. Aber auch erwachsene Zuschauer finden hier ein hohes Maß an Unterhaltung. Denn auch dieses Publikum wird deutlich von dem überdramatisierten Geschehen, was nur selten völligst glaubwürdig ist, mitgerissen. Zumindest in den ersten 15 Minuten. Danach verliert die überzogene Heldengeschichte spürbar an Tempo und findet es erst gegen Ende wieder. Dass sich zwischen diesen Blöcken erstaunlich wenig Handlung befindet, ist gleichsam befremdlich wie ärgerlich. Gerade da diese dann auch noch sehr vorhersehbar und linear aufgezogen wurde.
Standardware wie sie bekannter nicht sein könnte liefert Disney ab. Die Handlung wurde aus "Die Truman Show" übernommen und kindgerecht aufbereitet. Zwei weitere Einflussquellen sind eindeutig der Meilenstein "Toy Story" und die relativ bekannte Tierkomödie "Zurück nach Hause". Die zu findenden Parallelen äußern sich für den kindlichen Zuschauer nur auf einer geringen Ebene, aber für einen Erwachsenen erzeugen die zusätzlichen stereotypen Witze relativ schnell Langeweile. In manchen Einstellungen erinnert "Bolt" an typische Cartoons der letzten Jahre, ohne dabei annähernd den gleichen Charme vergangener Tage zu erlangen.
Leider zeichnen sich auch die Charaktere insgesamt durch simple Einseitigkeit aus. Obwohl die Visualisierung der Figuren ansprechend ist, schafft es Disney nicht ihnen trotz des Knuddelfaktors einen vielschichtigen Charakter zu geben. Sie agieren so klischeebeladen wie es das Genre des klassischen Superheldenfilms vorschreibt.
Kritische Themen wie Realitätsverlust durch zu hohen Fernsehkonsum oder die Gefahren des Starkults werden in "Bolt" nur halbherzig angesprochen.
Von der Handlung hätte das "Die Truman Show"-Motiv eines Fernsehstars, der nicht weiß, dass er in einer Illusion lebt, verknüpft mit der erhellenden Reise des tierischen Helden mehr Potential gehabt. Doch die Unterhaltung und der Spaß stehen im Vordergrund. In diesem Bezug schafft es Disney nicht Kinder und Erwachsene zugleich zu begeistern, ganz im Gegensatz zu seinen Pixar-Vorbildern.
Animationstechnisch liegt "Bolt" auf sehr hohem Niveau. Manche Landschaften und Städte wirken fotorealistisch, Gräser und Fellhaare wiegen sich glaubhaft im Wind. Allgemein wirkt die künstlich gezauberte Kulisse lebendiger als manch eine Figur des "Trick"-Films.
Beeindruckend ist dafür die Anatomie der tierischen Figuren. Disney ist schon seit "Der König der Löwen" bekannt, seine animierten "Stargäste" ins Studio einzuladen, um sie zeichnerisch realistischer darstellen zu können. Dies hat sich auch im Animationszeitalter nicht geändert. So lässt Katze Mittens ihren Schwanz verspielt in der Luft kreisen während ein Tauben-Trio ruckartig ihre kleinen Köpfchen verdreht und auffällig blinzelt. Genauso wie es ihre Vorbilder aus Fleisch und Federn auf den Straßen unzähliger Großstädte tun.
Während visuell geprotzt wird, verhält sich das Hörbare sehr zurückhaltend. Die Synchronisation ist angemessen, der Soundtrack dezent im Hintergrund. Ungewöhnlich für eine Disney-Produktion, die früher aus so vielen Songs bekannter Interpreten geschöpft hat und mit Hit-Garanten gleichfalls abschreckte sowie imponieren konnte.
Nach der turbulenten Einleitung verliert "Bolt" schnell an Fahrt. Unterhaltung und Spaß auf anspruchslosem, kindgerechtem Niveau stehen auf dem Programm, was erwachsene Zuschauer trotz den visuellen Reizen dauerhaft langweilen kann. Schade, denn die auf Tempo ausgelegte Handlung verliert schnell an Schwung und bietet weder Anspruch noch Innovation als Ausgleich. So bleibt nur ein netter, sehr durchschnittlicher Animationsfilm übrig, der dauerhaft in der immer größer werdenden Masse vergessen gehen wird.
5 / 10