Review

Jetzt, zehn Minuten nachdem der Abspann seinen Weg über den Bildschirm gefunden hat, kann ich immer noch nicht fassen, was sich da vor meinem Augen abgespielt hat. Ich bin nicht wirklich verärgert, zornig erst recht nicht, ich bin eher überrascht über die dermaßen platte Botschaft, die David Zucker uns mit seiner "American Carol" Geschichte auf den Tisch geknallt hat - Amerika ist das beste Land, das es gibt.

Zucker fiel eigentlich immer relativ positiv auf. Teilweise auf sein Konto gingen Kracher wie "Die nackte Kanone" und "Hot Shots", aber auch wenige gute, schon verbrauchte Sequels (Scary Movie 3, 4) hatte der Regisseur zu verbuchen. Dabei ist es erstaunlich, dass mit jedem weiteren Film Zuckers deutlich die Qualität sank, und jetzt scheint der Tiefpunkt erreicht zu sein. Sein neustest (und ich hoffe nun, auch letztes Werk) ist eine unerträgliche Mischung aus humorlosem Slapstick, sinnloser Persiflage und vor allem ungezügelten Patriotismus auf Amerika. Das macht auch der lächerliche deutsche Titel nicht wett.

Hier wird alles breit getreten, was es breitzutreten gibt. Hitler wird als lächerliches, schmollendes Männchen dargestellt, John F. Kennedy persönlich wird zum kriegsliebenden Patrioten ernannt, und an allen Stellen hinterfragt man die Filme von Kult-Regisseur Michael Moore, der zugegeben ziemlich viel über sein Heimatland ablästert, aber nicht ohne Grund, wie es der Film verkaufen will. Moore wird hier durch seine Karikatur Michael Malone als selbstverliebter, arroganter Verräter seines Landes abgestempelt, als Arschloch Güteklasse 1. Seine Dokumentationen werden als Lügereien dahingestellt, Amerika ist überhaupt nicht so schlimm, Amerika ist total toll. Das gerade diese Einstellung Moores Zugpferd für seine Darstellung der Vereinigten Staaten ist, scheint keiner der Angehörigen zu merken.

Die Thematik der "Christmas Carol", in der ein verhasster Mann Besuch von drei Geistern bekommt, die ihn bekehren, wird hier zugunsten Amerikas ausgelegt. Malone bekommt von drei Leuten Besuch, die ihm die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des eigenen Landes zeigen, natürlich immer aus der Sicht des herzensguten Amerikas, das alles richtig gemacht hat. Jeder Krieg war notwendig, pfeifen wir auf die friedliche Lösung! Wenn man das hier so liest, könnte man tatsächlich denken, der Film würde mit einer komplexen Ironie arbeiten, dass man also quasi sich selbst über Umwege veralbert, das ist leider nicht der Fall. Der Film ist tatsächlich so schlimm.

Die Friedensbewegung 1968 ist nun plötzlich eine kindische, lächerliche Sache gewesen, hätte es die amerikanischen Soldaten nicht gegeben, wäre die gesamte Welt im dunklen Chaos versunken. Nebenbei wird auch noch eine Lobeshymne auf das Kriegssystem Amerikas angestimmt, ohne den Marines, der Navy und allen anderen wäre das Leben nur halb so schön. Es ist geradezu abstoßend, dass sich ein Land dermaßen selbst Zucker in den Arsch bläst. Jeder Krieg wird schön geredet, die unzähligen Toten werden nie erwähnt, nur auf amerikanischer Basis wird gelabert, dass sie für ihr Land gestorben seien, von den getöteten, unschuldigen "Feinden" wird nie ein Wort verloren. Interessanterweise wird die große Niederlage in Vietnam fast nie erwähnt - richtig, sie könnte ja die euphorischen Stimmen für die USA trüben!

Während Michael Moore auf so kindische Art und Weise verarscht wird, sieht der Humor sonst auch nicht rosig aus. Zuckers typische Gags sind dabei, nur sind diese nach gefühlten zwanzig Filmen mit deckungsgleichen Witzen langsam abgedroschen. Da gibt es wieder Leute, die permanent möglichst schmerzhaft gegen Gegenstände rennen, während man Wortwitz völlig vergeblich sucht. Schade, dass sich viele Stars für den Film verpflichtet haben, von Leslie Nielsen als Erzähler angefangen, über James Woods kurzen, witzlosen Auftritt, den hirnlosen Cameo von Miss Hohl Paris Hilton bis hin zu Dennis Hopper, der den militanten Richter gibt.

Der traurige Höhepunkt ist leider das Finale. Malone muss sich für seine "verräterischen" Dokumentationen entschuldigen, gibt sogar offen zu, dass er Mist gebaut habe; kurze Zeit später wird dann doch tatsächlich ein Lied gesungen, bei dem wortwörtlich gesagt wird, dass Amerika das beste Land der Welt ist, das amerikanische Bürger die besten Menschen sind, Gott segne uns alle, Gott segne Amerika. Ja, so oft wie ich hier das Wort Amerika sage, kommt es auch im Film vor, nur doppelt so oft. Ich möchte niemanden vor dem Film warnen oder ihn gar verbieten, aber es soll gesagt werden, dass ich selten einen schlechteren, arroganteren Film wie diesen gesehen habe. Wenn ich Michael Moore wäre, würde ich nur verächtlich über diese kraftlose, bemühte Orgie an Selbstüberschätzung lachen.

Fazit

Absolut schleimige Exkursion in die amerikanische Geschichte. Kriegsverherrlichend, beleidigend und süffisant.

1/10

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