Einer der Filme, die einem komplett an den Fähigkeiten Tsui Hark’s zweifeln lassen; zwischen Genie und Wahnsinn ist anscheinend wirklich eine sehr dünne Linie.
Dabei ist es allein des späteren Erfolges von Jet Li und der nächste Zusammenarbeit von Regisseur und Hauptdarsteller bei Once upon a Time in China [ 1991 ] zu verdanken, dass das bereits 1989 abgedrehte Kunstwerk nach drei Jahren Gifthalde überhaupt das Licht der Welt erblickte, in Anlehnung an den vorjährigen Blockbuster natürlich auch mit dem werbeträchtigen Titel Wong Fei Hung 1992 gezeichnet.
Das ist allerdings auch gut, mag der Film auch in gar keinen objektiven Sichtpunkt auch nur annähernd professional sein, so ist er dennoch interessant und dazu ein Trashwerk allererster Güte.
Produziert von Film Workshop, Golden Harvest, Paragon Films und Vast Art Film und mit einem kleinen HK Cast in Los Angeles gedreht erzählt die klischeereiche Geschichte von dem Chinesen Jet [ Jet Li ], der seinen Lehrmeister Chan Hou Tak [ Yuen Wah ] in den Staaten besuchen will, und dort nur dessen zerstörte und geschlossene Po Chi Lam Schule vorfindet. Der Amerikaner Johnny [ Jerry Trimble] fordert jeweils die Inhaber der umliegenden Kampfschulen heraus und lässt sich beim Siegen filmen; als nächstes wendet er sich natürlich an Jet, der sich mittlerweile mit drei Hispanos angefreundet und in der Bankangestellten May [ Crystal Kwok ] einen hilfreichen Führer durch den Großstadtdschungel gefunden hat.
Als eine weitere Freundin entführt wird, treten Lehrmeister und Schüler gemeinsam die Herausforderung an.
Das Drehbuch der Debütanten Lam Kee To und Lau Daai Muk [ schrieben zusammen noch A Chinese Ghost Story 2 und Once Upon A Time In China V ] versucht scheinbar, die bekannte Immigrantengeschichte in einigen Ansätzen neu aufzuwärmen, wobei die kleineren ernsten Anspielungen aber in der hanebüchenen Geschichte untergehen. So gerät die frühere Beziehung von May zu ihren ebenfalls chinesischen Vorgesetzten Paul Lee [ George Cheung ] eher zur Farce anstatt zur durchaus passenden Zeichnung der Probleme, die die gestandene Kultur der Chinesen in der neuen Umgebung haben, wo andere Prioritäten als Tradition und Ehre gesetzt werden. Paul geniert sich nicht, mit amerikanischen Angestellten offen zu flirten, seine chinesische Freundin wird versteckt und blossgestellt. Das Problem der Anpassung gilt stärker für Tak, der ebenso wie sein Schüler kein Englisch beherrscht und allein deswegen mehrmals in die Bredouille kommt, auch hat er seine ruhmreiche Vergangenheit komplett in der Heimat gelassen, in den Staaten läuft für ihn nicht mehr viel.
Die Punkte werden aber nur anskizziert und bringen auch nicht wirklich viel Flair in das ansonsten sehr nach Ami B – Movie riechende Geschehen, dass noch am ehesten als HK Film erscheint, wenn der Jackie Chan Song zu einigen Aufnahmen gespielt wird und alle mal die Klappe halten.
Was den ansonsten recht kurzweiligen Film am meisten reinreitet, ist sowieso das durchweg miserable Schauspiel, von dem auch die HK Chinesen bis auf vielleicht Crystal Kwok nicht ganz ausgenommen sind, in ihren westlichen Mitspielern allerdings immer noch meilenweit überboten werden. Vor allem die drei unerfahrenen Latinos chargieren von der ersten Sekunde an um die Wette und dürften mit ihrer Darstellung wenig Freunde in der Kommune gemacht haben; das durchweg rudimentäre Englisch von ihnen und auch den einheimischen Mitspielern gibt dem Film den letzten Rest. Dialoge wandeln sich in Schüttelreime der Marke „We’re the Latinos and we’d like to say, We’re the meanest gang that there is today“ um, wobei die Aussprache ungefähr so deutlich herüberkommt wie beim Mexikaner Fez aus der That '70s Show und auch für die gleiche Heiterkeit sorgt.
Sowieso ist der Humoranteil sehr hoch, wobei man die Herkunft der Witze nicht immer identifizieren kann. Einige Situationen sind eindeutig auf beabsichtigenden Slapstick ausgerichtet, die Anfangsschwierigkeiten des englischunkundigen Jet im gelobten Land tragen sich in lustig gemeinten Sprachbarrieren mit einem Taxifahrer und einer Oma am Busstand aus und setzen dabei durchweg auf Holzhammerhumor. Diese Szenen wirken fast durch die Bank weg peinlich, spätestens bei der Endabnahme haben das die Mitarbeiter anscheinend auch gemerkt.
Dafür punkten anderen Sequenzen durch Tsui Hark’s vermutlich nebenbei entstandenes Unvermögen, auch nur annähernd so etwas wie einen ernsten Film schaffen zu können, selbst Gewaltszenen geraten durch ihren manchmal grotesken Einsatz von Blut auf die lächerliche Bahn; besonders der Rastaüberfall im Bus gehört zum absurden Anschauungsmaterial.
Auf der Actionseite wird nicht allzu viel gerettet, die meisten Kämpfe wirken irgendwie unangenehm durchsichtig, selbst einige Knochenbrüche und Schnittverletzungen können nie eine gewisse Sanftheit der Choreographie von Brandy Yuen und Yuen Wah überspielen; es sieht einfach nach nichts aus und hat wenig Wirkung. Die meisten Auseinandersetzungen finden im Po Chi Lam statt, dass dann auch dreimal schön auseinandergenommen wird, die Aktion auf dem Parkplatz bleibt nur durch den Cameoauftritt Billy Blanks’ hängen und ist ansonsten sowieso ein grosses Fragezeichen, der Showdown bietet dann wenigstens einige gute Einstelllungen im Einzelkampf Trimble – Li.
Dort stimmt mit dem NRB Building auf dem Wilshire auch endlich mal die Location; als sich der Kampf vom Dach in einen Wartungsraum und nach einer Explosion ausserhalb des Gebäudes verlagert sieht der Film für einige Sekunden schon mal ganz anders, besser aus.
Ob es nun wirklich der schlechteste Jet Li – Film aller Zeiten ist, muss jeder für sich selber entscheiden; angesichts Born 2 Die lässt sich ein abschliessendes Urteil nicht ganz einfach fällen.
Zumindest ein sehr kurioses Werk ist hiermit gegeben, dass allerdings über weite Strecken wirklich grausam aussieht und sich vor allem so anhört.