Wer vor hat, sich „Camp Blood“ anzutun, sollte starke Nerven mitbringen. Nicht etwa wegen der Spannung oder den Splattereffekten. Nein, die durch und durch in jeder Phase spürbare Billigkeit verlangt einem so einiges ab – in jeder Beziehung.
Zum Hintergrund der Entstehung kann ich so gut wie nichts sagen. Dem Gesehenen zufolge handelt es sich wohl um ein Projekt, das unter vergleichbaren Bedingungen wie Peter Jacksons Amateurwerk „Bad Taste“ entstanden ist. Vermutlich sind die Macher von „Camp Blood“ aufstrebende Cineasten mit dem Anspruch, irgendwann einmal Großes zu vollbringen. Geht man von diesem Film aus, ist sicherlich Potential für ein paar massentaugliche Mainstreamfilmchen da, die aber niemals zum Meilenstein der Filmgeschichte werden dürften. Peter Jackson hat es nach seinem sehr eigenständigen und innovativen Alien-Splatter-Debüt immerhin zur mutmaßlich besten Filmtrilogie aller Zeiten gebracht. Ein ähnlicher Entwicklungsgang dürfte sich Brad Sykes & Co. jedoch wohl kaum öffnen.
Vorbild waren offensichtlich reinrassige Slasherfilme wie die „Freitag der 13.“-Reihe und die „Halloween“-Filme, zusätzlich gibt es noch Einflüsse des Experimentalfilms „Blair Witch Project“ zu sehen. Dabei ist aber eher weniger von Zitierung als vielmehr von Verarbeitung sämtlicher Klischees des Slasher-Genres zu sprechen, welche die Scream-Filme ja bereits intelligent parodiert haben und womit „Camp Blood“ eigentlich unnötig wird. Trotzdem – ein gewisser Eigenstil ist dem Billigwerk nicht abzusprechen, was vor allem auf bestimmte Momentaufnahmen zurückzuführen ist, die im Gedächtnis bleiben.
Sobald das erste Bild auf der Leinwand erscheint, bekommt man ob der gebotenen Qualität erst einmal einen ordentlichen Schock. Der Look bewegt sich nämlich irgendwo zwischen Heimvideo und Schmuddelfilm. Dass es sich hier um ein Amateurwerk handelt, wusste man ja schon vorher, aber dass man derart miese self-made-Aufnahmen zu sehen bekommt, war nicht unbedingt abzusehen; vor allem dann nicht, wenn man bereits Amateurfilme wie das besagte Jackson-Debüt gesehen hat, welches kameratechnisch doch noch eine dicke Stufe höher steht.
Ein erster Doppelmord wird uns zu Beginn im Prolog serviert. Ihm voraus geht ein unfassbar dümmlicher Dialog der Opfer (welcher sich aber nur als die Spitze des Eisberges herausstellt, denn die restlichen Dialoge halten das Niveau weiter unten) sowie eine sehr billige Pseudo-Sexszene, bei der zwar die Hosen anbehalten werden, dafür aber die Glocken der Frau in Großaufnahme durchs Bild hüpfen. Zeitgleich werden wir Zeuge der amateurhaften Schauspielkunst, die uns auch den Rest des Films über begleiten wird und unsere Augen schmerzen lässt. Unterlegt wird das Ganze mit Dudelmusik, die wohl irgendwie romantisch sein soll, und etwas seltsamen Spanner-Blickwinkeln. Ob diese Szene nun wie in „Scream“ als Genreparodie gedacht war oder ernstgemeint ist, kann man nicht eindeutig sagen. Jedenfalls ist es so langweilig und vorhersehbar, dass einem schon die Augen zufallen könnten... wenn man nicht immer noch überlegt, ob man wegen der Filmoptik, der Kameratechnik und den Schauspielleistungen nun lachen oder weinen soll.
Jedenfalls folgt ein „Psycho“-Zitat, das dann als Exposition der vier Hauptcharaktere dient. Zwei Pärchen sind es, von denen eines wohl irgendwelche Probleme in der Vergangenheit hatte (von denen man nichts weiter erfährt) und den Waldtrip mitmacht, um etwas Zeit miteinander zu bringen. Das andere Paar ist da freizügiger, sexbesessener und problemfreier. Der Kerl ist mit einem aufbrausenden Gemüt gesegnet, seine recht gut aussehende Freundin ist der Prototyp des dazugehörigen, blonden, Kaugummi kauenden Blondchens.
Yee-Haa, die Party-Clique ist da! Ab geht's in die Wälder. Man stößt auf ominöse Vorzeichen, wie etwa das Ortsschild, auf das jemand mit roter Farbe „Camp Blood“ geschmiert hat. Und einer der Filmhöhepunkte: irgendein schwachsinniger Einheimischer hampelt herum und erzählt von einem Clown, der im Wald sein Unwesen treiben soll. Echt drollig, wie er eine Herzattacke vortäuscht, mit seiner Grinsefratze sein Horrormärchen erzählt und anschließend von einem Bein auf das andere hüpft. Keine Ahnung, ob damit psychische Störungen aufgezeigt werden sollten. Interessiert ja auch keinen. Hauptsache, es ist witzig.
Wo wir schon beim Clown sind, gehen wir doch mal auf die Ursache allen Übels ein. Der verrückte Killer, der durch die Pampa rennt und scheinbar nichts anderes zu tun hat, als fremde Leute abzuschlachten, maskiert sich mit einer Clownsmaske aus dem Supermarkt und einem blauen Arbeitseinteiler. Äußerlich eher als das verschollene Mitglied der Metal-Combo „Slipknot“ identifizierbar, geht die Idee vom bösen Clown sicherlich auf Stephen Kings Bestseller „ES“ zurück, der ja bekanntlich die Urgestalt des Bösen ist. Klar, dass das für einen zünftigen Slasher eine dolle Idee ist. Carpenter war ja bei seinem Michael schon darauf bedacht, die tiefsten menschlichen Abgründe in einer ausdrucks- und gesichtslosen Killermaschine einzufangen. Warum nicht noch tiefer gehen und das Böse an sich ausbuddeln?
Auch der Soundtrack dürfte von Wallaces TV-Verfilmung von „ES“ inspiriert worden sein. Die Kompositionen erinnern jedenfalls deutlich an die Mini-Serie von 1990 und heben sich damit als einzigstes relativ professionelles Element aus dem Gesamtbild heraus. Allerdings verspielt man hier Potential mit dem schwachen Einsatz der Musik, der viel zu oft wiederholt und damit stereotyp wird.
Und dabei sind wir ja gerade erst im Wald angekommen. Das Quartett stößt hier auf einen Führer, der bestellt wurde, um sie durch den Wald zu geleiten. Unerwartet handelt es sich hier um eine Frau. Eingehüllt in Armeestiefel, Tarnhose und olivgrünem T-Shirt, versucht man, sie besonders tough und hart wie einen Bastard darzustellen. Die jungenhafte Anführerin ist deswegen ein motziges, ungemütliches Weibsbild. Nicht zum ersten Mal setzt hier die Logik aus. Ich bezweifle jedenfalls, dass man eine Führerin (die scheinbar aus dem Nichts engagiert wurde) weiterhin behalten würde, wenn sie beinahe grundlos einen der Camper in den Schwitzkasten nehmen würde. Aber nun ja, die Freunden des in den Schwitzkasten genommenen Jungen grinst ja währenddessen auch noch glücklich, von daher... schwamm drüber.
Das Sexritual, das schon den Tod der ersten Opfer besiegelt hatte, wird dann in der ersten Nacht in beiden Zelten erneut ausgeführt. Und zack, schon haben wir wieder vier neue Todgeweihte. Obwohl die Führerin währenddessen draußen ganz ohne Sex auch umgebracht wurde. Hmm... wie ist das möglich?
Nun bricht also die Panik aus. Das Freiwild ist von der Leine und der Clown darf jagen gehen. Mit Geheimniskrämerei hat Regisseur Sykes jedenfalls nichts zu tun, denn sämtliche Clown-Angriffe spielen sich im folgenden am Tag ab. „From Dusk Till Dawn“ gehört also schon mal nicht zu den Vorbildern; ich vermute aber, dass es schlichtweg einfacher war, die Actionsequenzen am Tag zu drehen. Nachts hätte man sich um Beleuchtung kümmern müssen, und wie schlecht das klappt, hat man in der Szene am Lagerfeuer gesehen, bei der auf dem Bildschirm fast nur Schatten zu erkennen waren.
Dementsprechend gibt's auch keine Versteckerei des Clowns. Dumm wie Brot läuft er der gesamten Vierergruppe von vorne entgegen und schwingt wie ein Irrer seine Machete. Noch dummer als Brot verfolgt dann der impulsive Camper, von dem anfangs die Rede war, den Clown (den er zuvor mit seinem Taschenmesser in die Flucht schlagen konnte) – alleine! Die Gruppe wird gespalten, der Clown darf sich jetzt jeden einzeln vornehmen.
Dabei sind die Verfolgungen in ihrer dümmlichen Choreographie (die Opfer gehen eher, als dass sie flüchten) relativ interessant und vor allem lustig. Es wird ein steiniges Flussbett hinuntergeklettert, es gibt eine mit extravaganter Kameraeinstellung (starr unter dem Gesicht und sich mit der Laufrichtung der Person drehend) gefilmte Verwirrjagd durch den Wald, schließlich geht's auf die Straße, bevor eine rasante Autofahrt den Hauptteil abschließt. Mein Favorit ist das kreischende Weib mit den dunklen Haaren, wie es fast parodierend über Stock und Stein hüpft. Der Clown muss dabei immer aufpassen, dass er sich ihrem Schneckentempo anpasst und sie nicht plötzlich überholt.
Die Splattereffekte sind aus der allerletzten Schublade. Verwendet werden vor allem die Gummimacheten mit der Einkerbung, die man dann so am Kopf befestigen kann, dass es aussieht, als stecke die Klinge mitten im Kopf. Ansonsten gibt's a büschn rote Farbe, ein paar Messerstechereien (bei denen unübersehbar gerade einmal die Kleidung berührt, aber wohl kaum der Körper durchstochen wird) und das Überfahren von Puppen, die bekleidet sind wie die Darsteller.
Auch ganz witzig ist die Flashbacksequenz, die mitten im Film total unmotiviert eingefügt wird und mit witzig-billigen Übergangseffekten realisiert wurde.
Am Ende bekommt man dann tatsächlich einen Plottwist zu sehen, der einen aufmerksamen Filmegucker an sich zwar kaum überraschen könnte, der aber im Rahmen dieses Filmes durchaus verblüfft. Ich habe jedenfalls gedacht, man würde sich hier wirklich nur auf das Slashen eines Killers ohne Identität beschränken.
Rückblickend ist „Camp Blood“ ziemlich amüsanter Billigschrott, der geradezu in Klischees badet, in einzelnen Sequenzen aber durchaus Innovativität andeutet. Seien es nur Szenen wie die, in der Junge Nr. 2 den Kaugummi von Mädchen Nr. 2 nimmt und seine Zigarette damit ausdrückt (wer's sieht, wird's verstehen), oder auch prägnante Szenen wie die Verfolgungsjagd im Flussbett. „Magic Moments“ wäre zu viel gesagt, aber die ein oder andere Filmminute war doch ganz witzig, wenn auch vielleicht nicht witzig gedacht. Dennoch verlangt einem gerade die Umsetzung – Kamera, Bild, Schnitt, „Schauspieler“ - mächtig viel Toleranz ab. Empfehlenswert – aber nur für beinharte Trash-Fans.