Review

Selbst wer nur mit minimalsten Erwartungen an einen Film herangeht, freut sich schon über winzige Kleinigkeiten, die er in anderen Streifen als selbstverständlich voraussetzt. Umso größer dann die Enttäuschung, wenn am Ende nichts, aber auch gar nichts übrig bleibt. Camp blood, ein US-Amateurfilm, ist so ein Fall.

Die Story ist der übliche Freitag-der-13.-Abklatsch, was an sich nicht schlimm wäre und in diesem Fall am ganzen Film sogar noch das Beste darstellt. Ein paar durchschnittliche 08/15-Jugendliche wollen irgendwo in einem recht hellen Wald campieren. Am Weg dorthin werden sie von einem angeblichen Einheimischen gewarnt, der von schlimmen Dingen faselt. Dieser Einheimische, vermutlich nach Drehbeginn für einen Sixpack Dosenbier gecastet, gehört zu jener Sorte "Darsteller", den auch der friedlichste Zuseher sofort mit einer Pumpgun umzunieten wünscht. Der böse Schlachter ist in Camp blood ein Typ in einem dunklen Overall, der sich zur Tarnung eine vermutlich in einer Mülltonne gefundene alte Clownsmaske über den Kopf gezogen hat und mit einer Machete die jungen Leute nach Schema F abmurkst. Es muß sicher nicht weiter erwähnt werden, daß sich die Camper völlig unlogisch verhalten, massenweise Stumpfsinn von sich geben und entweder gar nicht oder so langsam davonlaufen, daß der Clown nicht ins Schwitzen kommt. Am Ende bleibt natürlich eine Person übrig, nämlich die die am schönsten heulen kann. Zuvor aber hat der Einheimische ( -> Pumpgun) leider noch einen Auftritt und eine Puppe, an der man den Overall und die Clownsmaske befestigt hat, wird gleich zweimal überfahren. Das heißt sie wird natürlich nur einmal überfahren, aber weils so schön (?) war, steht sie dazwischen wieder auf und dann wird das 1. Überfahren halt nochmal reingeschnitten. Genau dieselbe Einstellung nochmal, nicht etwa aus anderer Perspektive gefilmt. Nennt man das Recycling? Vielleicht. Recycelt wurden jedenfalls auch die eben noch gemeuchelten Camper, nämlich für die Schlußszene, als die Heulsuse in einer psychiatrischen Klinik (= Zimmerecke mit Leintuch am Boden) aufwacht und von Arzt (Camper mit weißem Kittel)  und Officer (Camper mit Sonnenbrille) vernommen wird.

Splattereffekte? Aber sicher doch. Einer der Camper kriegt die Machete (die mit der Aussparung in der Mitte) in den Arm, und das Kunstblut fließt. Gegenschnitt Clown holt nochmal aus. In der nächsten Einstellung hat der Camper die Machete im, naja eigentlich auf dem Kopf und hält sie mit beiden Armen fest (damit sie nicht runterfällt) - der eben noch verletzte Arm ist auf wundersame Weise spontan geheilt und absolut blutfrei. Wirklich überzeugend...

Zu all dem kommt noch die miese Bildqualität, da mangels Budget offenbar der billigste Camcorder benutzt wurde und der Streifen von Anfang bis Ende ziemlich verwaschen und unscharf erscheint. Fast jede schnelle Bewegung verschwimmt geradezu und was ein Farbfilter ist, wußte derjenige, der am Camcorder auf das Record-Knöpfchen gedrückt hat, auch nicht. Immerhin hat er damit manchmal herumgespielt. Wundersame Technik! Und dieser Camcorder hatte auch eine SlowMotion-Funktion, und auch dieses Knöpfchen hat er gefunden und betätigt.

Wer jetzt vielleicht denkt, das alles hört sich wunderbar trashig an und wäre ein geeigneter Partyfilm, dem sei gesagt, daß dieses Machwerk mangels anderer Kategorie wohl in die Sparte "Trash" fällt, dabei aber nicht das Geringste mit Trash der 70/80er-Jahre, der oftmals mit verbissenem Ernst, strohdummer Synchro oder grotesken Ansprüchen für unfreiwilligen Humor sorgt, zu tun hat; Camp blood dagegen ist nichts weiter als grottenlangweiliger, mühsam zusammengestümperter ideenloser Amateurschrott. Auch oder gerade weil dieser Film momentan wieder mitsamt dem kaum besseren 2. Teil als Double-Feature von einem nicht allzu unbekannten Elektronikfachmarkt billigst verramscht wird: Absolute Zeitverschwendung!

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