Review

Ich bin ja wirklich in den letzten Jahren hier auf exotische Filme, die quasi kaum jemand kennt und TV-Movies jeder Couleur runtergekommen (ich hoffe, irgendwer hat sich angefixt an den einen oder anderen rangetraut), also warum dann nicht beides miteinander verbinden und mal richtig Exotik gönnen?

Also verschwende ich jetzt mal ein paar Absätze Review an zwei britische Fernsehspiele, die meiner Ansicht nach einiges an Publikum mehr vertragen könnten, da sie außerhalb der „Insel“ quasi unbekannt sind – aber gerade weil die Briten es so hingebungsvoll mit dem sogenannten „folk horror“ haben, werde ich „Robin Redbreast“ und „Penda’s Fen“ mal etwas Aufmerksamkeit widmen. Beide Fernsehspiele entstammen dem Omnibus-Format „Play for Today“ – also in etwa so etwas wie „Das kleine Fernsehspiel“ des ZDF – welches von 1970 bis 1984 lief.

Fangen wir mit „Robin Redbreast“ an, dem aus heutiger Sicht vermutlich unattraktiveren Format, denn erstens liegt es nur noch in schwarz-weiß vor (obschon damals in Farbe gedreht) und zweitens präsentiert es sich – bis auf die Außenaufnahmen in 16mm-Film – in der gewohnten Shot-on-Video-Optik, die in merry old england leider noch bis Mitte der 80er für gewissen Serien obligatorisch war, heute aber quasi unerträglich wirkt, wie eine Theateraufführung auf einer Studiobühne (und genau das war es).

Das ist natürlich unglücklich, aber „Robin“ ist von beiden Formaten eindeutig das Zugänglichere und verfolgt eine konventionellere Geschichte.

„Robin“ ist klassischer Folk Horror von der Stange, nüchtern serviert: die aufgeklärte Großstadtfrau der Moderne reist bzw. zieht in die dörfliche Abgelegenheit einer ländlichen Gemeinschaft und fühlt sich erst wie ein Fremdkörper und später dann zunehmend bedroht. Als sei das nicht genug ist Norah Palmer auch noch Skripteditorin bei der BBC, viel mehr moderne Kulturbeflissenheit geht kaum, doch als sie von ihrem Lebensgefährten verlassen wird und man das Wochenendhäuschen auf dem Land schon erworben hatte, fährt sie nun für eine kleine Sabbaticalauszeit eben allein hin.

Wobei der Auftakt erstmal hauptsächlich kurios wirkt, die knorrig-knurrige Haushälterin Mrs.Vigo ist so von altem Schrot und Korn, dass man ihre Sympathiewerte gar nicht bemerkt, selbst wenn sie im Bild sind. Ihre No-Nonsense-Attitüde deutet schon früh an, dass Kontrollverlust hier zu keinen Ergebnissen führen wird. Und der seltsame Historiker Mr. Fisher, der unaufdringlich aufdringlich ums Haus herum schleicht und unaufgefordert Informationen absondert, ist schon per se absonderlich. Ach ja, und weil sie ja so allein ist, soll sie es doch mal dem schönen Rob probieren, der im Wald haust, der könnte ihr auch gleich mit dem Ungeziefer helfen. Rob, der eigentlich Edgar heißt, entpuppt sich häufig halb nackt trainierender Karate-Eleve, der es nicht so mit der geschliffenen Kommunikation hat und immer etwas naiv-hinterwäldlerisch wirkt, weswegen ihr erstes Date auch von ihm thematisch richtig schön an die Wand gefahren wird.

Natürlich sehen wir schon, wie im Garten und im Haus seltsame Gegenstände auftauchen, ein Rohr sich scheinbar über Nacht löst und Fragen nicht beantwortet werden, aber die Dinge kommen erst ins Rollen als die beiden doch so verschiedenen Menschen trotz allem in der Kiste landen und – man ahnt es schon – die gute Norah, schon recht zahlreich an Jahren plötzlich schwanger ist. Obwohl sie mit einem Schwangerschaftsabbruch liebäugelt, entscheidet sie sich doch für das Kind, doch noch einmal in ihr Ferienhaus zurückkehren scheint keine gute Entscheidung zu sein…

Wer graphische Horrorbilder haben möchte, ist natürlich in einem kleinen TV-Spiel falsch, aber über „Robin Redbreast“ hängt dermaßen viel „ungutes Gefühl“ bei den so nonchalant ausgetauschten Dialogen in der Luft, dass sich der kleine Film langsam aber sicher wie ein Schraubstock zusammen zieht. Der ganze Film weist scheinbar so wunderbar geradeaus in Richtung Verderben, dass sich jeder quasi spätestens ab Schwangerschaft sein Pferd gesattelt hat. Und denen darf ich dann im Stillen anvertrauen, dass er dann zwar so ist, aber doch ganz anders – vielleicht weil man sich mit den heidnischen Gebräuchen doch nicht so gut auskennt oder einen die Dimension dann doch überrascht.

In der letzten Viertelstunde wird’s dann richtig druckvoll, wenn Norah in ihrem Wochenendhäuschen quasi belagert wird, nachdem sie effektiv davon abgehalten wurde, den Ort zu verlassen, als sie es wollte und der Film kommt mit einem finsteren Dreh um die Ecke, der einem zahmen TV-Publikum anno 1970 vermutlich eiskalt durch die Hose geweht ist.

Ansonsten trägt sich die Story hauptsächlich über die Dialoge, wobei das was nicht gesagt wird, häufig sogar wichtiger zu sein scheint. Anna Cropper ist ein bemerkenswerter „Lead“, denn sie wirkt so gar nicht wie das arme Hascherl, sondern eher robust wie eine junge Judi Dench, die aber nach und nach den Boden unter den Füßen verliert, als sie das Denken anfängt. Drum merket: Erntedank und Kirchenfeste sind im „pagan britain“ dann doch noch mit ein paar ungewöhnlichen Extras unterwegs.

Wer es also mal etwas „stagey“ mag – wie üblich in UK wurden die Innensequenzen im Studio dann entsprechend auf Videoband aufgenommen -obwohl doch gewisse Teile des Spiels im echten „draußen“ auf Film gebannt sind und es so nicht ganz so bühnenhaft wird, der wird mit dieser fiesen Geschichte von hinter den sieben Hügeln sicher gut aufgehoben sein. 76 sehr präzise Minuten, die damals ihrer Zeit und ihren Möglichkeiten deutlich voraus waren. (7/10)











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