Übung macht den Meister. Das beweist „Camp Blood 2“, das Sequel eines Amateurslashers, der sich vor allem durch einen gehörigen Diebesstreifzug im Slashergenre ausgezeichnet hat und nun in seiner allgegenwärtigen Stupidität einen dümmlichen Eigencharme ausstrahlt.
Die Fortsetzung ist spannender, ideenreicher und technisch ausgereifter. Brad Sykes hat eindeutig aus seinen Fehlern gelernt und vermutlich zudem ein höheres Budget zur Verfügung gehabt. Zwar wurde die Heimvideooptik beibehalten, aber alleine schon die deutlich besseren Splattereffekte machen einiges wett.
Was die Story betrifft, erleben wir eine logische Weiterführung des ersten Teils. Demzufolge ist Patricia als einzige Überlebende des ursprünglichen Camp Blood-Massakers der alleinige Restbestand des Casts aus „Camp Blood“; ansonsten dürfen ganz neue Gesichter abgemetzelt werden. Patricia-Darstellerin Jennifer Ritchkoff mausert sich dabei langsam zur Scream-Queen des Undergrounds, denn hat sie schon beim ersten Auftritt in unvergesslichem Watschelgang schreiend die Flucht ergriffen, dürfen auch hier wieder zahlreiche kraftvolle Schreie ihre Kehle verlassen.
Zunächst sieht man sie aber in „Final Destination 2“-Manier im Irrenhaus, wo sie als Verdächtige der Morde an ihren Freunden festgehalten wird. Die Cops im Camp Blood-Universum haben also offensichtlich Officer Barbrady- oder Chief Wiggum-Qualität. Sollte man zumindest meinen, wenn man bedenkt, dass die Killerin in Teil 1 mit einer Puppe ihren eigenen Tod vorgetäuscht hat und man auf dem Polizeirevier diese Puppe wohl als Leiche betrachtet. Nun ja. Zu allem Überfluss darf Patricia dann sogar als Beraterin zu einem Filmteam stoßen, das ihre Geschichte mit dem Clown verfilmen will. Es fragt sich erstens, wieso man sie auf Anfrage eines Amateur-Filmteams einfach so entlässt, zweitens, wieso sie mitgeht und sich dem Horror freiwillig ein zweites Mal aussetzt.
Und schon sind wir beim Film-im-Film-Konzept, welches Wes Craven schon in „Scream 3“ und „Freddys New Nightmare“ verwendete. Das ist immer ein einfaches Mittel, um Struktur zu erzeugen, allerdings auch ein bisschen billig. Aber was soll's, ist ja nur ein C-Movie.
Als der Regisseur versucht, Patricia zur Mitarbeit zu überreden, ergibt sich für Regisseur Brad Sykes die Chance zum Eigenlob, das dann gleich unverschämt dick aufgetragen wird. Der Regisseur im Film redet vom Clown als potentieller Nachfolger Freddy Kruegers, von dem Film als zweites „Blair Witch Project“. Da das Filmteam eine Meta-Ebene für das eigene Team darstellt, lobt man sich in dieser Szene ganz dreist und vor allem in der Form unberechtigterweise selbst. Na ja, wenn's sonst keiner tut...
Dann wird's richtig geil. Beim Vorsprechen für den Film im Film müssen die Rollenbewerber absichtlich schlecht spielen. Wenn man bedenkt, dass in dem Film schon von Natur aus Acting aus der letzten Schublade geboten wird, kann man sich ja vorstellen, wie abgrundtief mies das Schauspiel in dieser Szene ausfällt. Ein Brüller!
Es dauert eine gute halbe Stunde, bis das Team im Wald ankommt; noch ein paar Minuten, bis der Clown erstmals zuschlägt. Die Maske wurde getauscht und ist nun vielleicht ein bisschen „furchteinflößender“ als im Original, dafür ist der Maskenträger noch so blöd wie zuvor.
Diesmal orientieren sich seine Verhaltensweisen ziemlich offensichtlich einerseits am Killer von „Scream“ und andererseits vor allem an dem von „Cut“. Soll heißen, er spielt damit, dass seine Opfer glauben, er sei einfach der Schauspieler aus dem Team, der den Clown spielt, steht also erst einmal rum, lässt sein Gegenüber reden, neigt den Kopf zur Seite, und irgendwann, wenn er genug hat, sticht er zu. Die Originalität des Killers hat dabei auch zugenommen: offenbar angetrieben durch die qualitative Verbesserung der Special Effects darf der Clown die Machete diesmal durch den kopf rammen, durch den Bauch stoßen, die Kehle durchschneiden, ja sogar mit einem zerbrochenen Flaschenhals die Augen herausstechen. Das sieht alles weitaus besser aus als im Vorgänger, obwohl z.B. die nackte Frau im Apartment nach einer mehrfachen Stichattacke keinerlei Wunden aufweist, sondern nur etwas Blut.
Erneut hat das Ende einen Plottwist zu bieten, der für die Verhältnisse gar nicht mal so übel ist. Wenn man ein bisschen aufpasst, ist es trotzdem keine Überraschung, da die Indizien schon sehr früh im Film eingestreut werden.
Insgesamt war „Camp Blood“ weitaus stereotyper. Obgleich auch hier schon markante Einfälle wie die Verfolgungsjagd über die Steinklippen oder die auch hier wieder verwendete unter dem Gesicht befestigte Kamera zum Zuge kamen, sind die Neuerungen hier doch noch einmal um einiges bunter und interessanter. Als da wären der Traum Patricias, inklusive Clown mit aufwändiger Maske (also nicht die Maske, die über dem Gesicht getragen wird, sondern das Gesicht selbst) und Nebel, oder auch die im Vorspann verwendete Ego-Perspektive aus Sicht des Clowns, oder die viel individuelleren Charaktere. Der stets besoffene und geile Kameramann, der exzentrische Regisseur, der moppelige Hilfsarbeiter, der immer stoned ist... Patricias Freunde waren dagegen ziemlich austauschbar.
Fazit: „Camp Blood 2“ ist für Freunde des schlechten Geschmacks ein echter Leckerbissen. Die aufgeworfenen Motive könnten zwar abgedroschener nicht sein, aber in der C-Movie-Skala werden überdurchschnittlich innovative Spielereien verwendet sowie deutlich aufgemotzte Splattereinlagen. Logikfehler en masse seien verziehen, genauso die trübe Heimwerkeroptik, welche durch den Spaß an der Sache egalisiert wird. Hauptdarstellerin Jenny Ritchkoff mutiert nach ihrer ziemlich blassen Leistung im Vorgänger zur Scream-Queen der Unterwelt und tritt langsam in die Fußstapfen von Jamie Lee Curtis... na ja, vielleicht auch eher in die Fotokopie der Fußstapfen von Jamie Lee.
Immer noch schwach und billig, aber schon weitaus besser als der erste Ausflug ins „Camp Blood“ und vor allem, wie Fred Feuerstein sagen würde, „wahnwitzig witzig“.