Review

Inhalt:
Zwei junge und blinde Damen, die in einem Waisenhaus unterkommen, haben ein Geheimnis. In der Nacht können sie (blau) sehen und verbringen ihre Zeit auf Friedhöfen, suchen nach ihrer Identität und stillen ihren Blutdurst. Auch als sie von einem Doktor adoptiert werden, gehen sie diesen Beschäftigungen nach, doch es lauern auch Gefahren auf sie...


Kritik:
Dies ist der erste Film von Jean Rollin, dem "legendären französischen Filmemacher", den ich mir zu Gemüte geführt habe. Naja, "Sumpf der lebenden Toten" habe ich gesehen, aber bei dem ist sich ja irgendwie niemand so richtig sicher, ob er jetzt von Rollin ist oder nicht.
Mit dem Namen Jean Rollin habe ich bisher immer schmuddelige Softerotik ala Jess Franco in Verbindung gebracht. Umso mehr wurde ich überrascht, was für ein schönes Filmchen das im folgende besprochene geworden ist.

Die Geschichte unterscheidet sich angenehm von den mir bisher bekannten Vampirstorys. Irgendwie wirkt der Film wie eine Art Märchen auf mich, welches mit tragisch-romantischen Elementen versehen wurde. Sehr gut gefällt mir die Abwandlung des Vampirthemas, wobei die beiden Mädchen nicht tagsüber vor der Sonne geschützt Unterschlupf in Särgen suchen, sondern als blinde Waisen in einem Heim hausen.
Unsere beiden Mädels fügen sich ihrem Schicksal, versuchen jedoch ihrer Vergangenheit auf den Grund zu gehen und wandern so durch die Weltgeschichte. Auf ihrer Reise treffen sie ebenfalls phantastische Kreaturen, wie die Werwölfin (zumindest so eine Art), die sogenannte Mitternachtsdame, welche eine Mischung aus Fledermaus und Frau darstellt oder den weiblichen Ghoul. Wie die beiden Vampirwaisen führen auch diese ein einsames Leben in der Dunkelheit, haben sich aber damit abgefunden.
Aus Büchern über die Azteken finden sie schließlich Figuren, mit denen sie sich identifizieren können und für die sie sich dann halten.
Um bei Kräften zu bleiben, stillen die beiden ihren Blutdurst an Menschen (der Hund auf dem Friedhof stellt eher eine Ausnahme dar), wobei sie aber auch in Gefahr geraten, von Jägern getötet zu werden. Wenn gar nichts mehr hilft, trinken sie zur Not auch mal gegenseitig von sich oder nehmen als Ersatz Alkohol zu sich.
Sehr gut gefällt mir auch sie Szene, in der sie nach der Adoption in das Heim zurückkehren und von einem unschuldigen, naiven Waisenkind trinken wollen, sich dann aber doch lieber für die heimlich rauchenden Mädchen entscheiden.

Da der Großteil des Filmes in der Nacht spielt und unsere beiden Vampirinnen wie gesagt zu dieser Zeit blau sehen können, nehmen die von der Kamera eingefangenen Bilder ebenfalls diese Farbe an, was dem Film eine besondere Atmosphäre verleiht. Auch die zwischen Romantik und Spannung wechselnde Musik hat mich überzeugt.

Die beiden Hauptdarstellerinnen liefern ausgezeichnete Leistungen ab und sie schaffen es perfekt, ihre Freude aber auch den empfundenen Schmerz zu zeigen. Außerdem versprühen sie eine angenehme Erotik.

Wer hier auf blutige Gewaltexzesse hofft, der wird enttäuscht, denn es gibt keine Effekthaschereien. Ab und an eine blutige Bisswunde und ein harmloses Messerchen im Rücken, das wars. Splattereinlagen braucht dieser Film nicht, denn er erzählt eine märchenhafte, poetische Geschichte, die von den Bildern und den handelnden Figuren lebt.

Insgesamt ist dies ein wunderschöner, wenn auch ungewöhnlicher Film, der sich angenehm von allen anderen Vampirverfilmungen unterscheidet und leider niemals so einen Bekanntheitsgrad erhalten wird, wie ich es ihm gönnen würde.

Details
Ähnliche Filme