Review

Der Puppen-Fetisch von Charles Band hat augenscheinlich seinen Tiefpunkt erreicht, denn einen dermaßen minimalen Einsatz an Trickeffekten gab es selten zuvor.
Holte Band bis dato einen Lebkuchenmann, einen Homunkulus oder die markanten Erscheinungen aus „Puppetmaster“ aus seiner Puppenkiste, beschränken sich hier die grotesken Erscheinungen auf einen Totenkopf mit leuchtenden Klüsen, der noch nicht einmal einen Zentimeter groß ist.

Angesiedelt ist die Geschichte in einem Frauengefängnis, welches mehr Klischees als Insassen bietet. Sechs Monate soll Eva hier absitzen, doch sie wird von Beginn an von ihren Mithäftlingen, allen voran der rotzigen Kim drangsaliert. Als Eva Besuch von ihrer kleinen Tochter erhält, bekommt sie von ihr vier kleine Glückspuppen geschenkt, die über die trostlose Zeit hinweg helfen sollen. Doch eines Nachts dringen diese in Evas Kopf ein und lassen die zurückhaltende Frau zu einer furchtlosen Rächerin mutieren…

Knastdrama mit leichtem Exploitationfaktor, - so könnte man das gerade mal eine knappe Stunde Nettolaufzeit andauernde Filmchen wohlwollend umschreiben.
Denn von Bands markanten Puppen fehlt weit und breit jede Spur, lediglich das kleine Männchen hinter Evas Stirn, welches ihr Befehle erteilt, geht halbwegs als eine Art Puppe durch.
Ansonsten heißt es: Eine gegen alle, allerdings erst nachdem die Glückspuppen ihre Gehirnwäsche über Nacht laufen ließen und aus Eva eine tollkühne Bitch gebastelt haben.
Bis dahin natürlich die volle Packung: Mobbing von den Mithäftlingen, Drohungen von der Direktorin und den üblichen Missbrauch durch den Wärter im Keller, der seine Taten natürlich mitfilmt und reihenweise ins Netz stellt.
Dazu zwei Randfiguren wie den jungen moralbehafteten Wärter und die schüchterne Maus, die es unter den Häftlingen stets am härtesten trifft.

So richtig aus dem Quark kommt Band jedoch nicht. Selbst ein gebrochener Arm erscheint nicht im Bild, ganz zu schweigen von einem Prügel im Mund oder den deutlichen Spuren durch ein Elektroschockgerät. Lediglich ein paar abgetrennte Finger liefern eine kleine Blutszene.
Darüber hinaus sind Aspekte zum Mitfiebern kaum gegeben: Die Darsteller sind durchweg mies, die dazugehörige Synchro grauenvoll und die Soundabmischung eine Katastrophe, weil der eingängige Score latent zu laut ist. Zwar gehen Kamera und Schnitt noch in Ordnung, doch bei der schlichten Figurenzeichnung, der minimalen Ausstattung und dem phasenweise behäbigen Erzähltempo fühlt man sich eher wie im Frauenknastfilm aus den Siebzigern, - jedoch ohne entsprechend dreckige Atmosphäre und lediglich einer Nacktszene.

So gestaltet sich das inspirationslose Treiben belanglos bis witzlos, einzig in der Szene, als jemand dort Titten offenbart, wo eigentlich keine hingehören, darf einmal herzlich geschmunzelt werden.
Doch wer bei Charles Band - wie eigentlich immer - mehr oder minder brauchbar animierte Kreaturen mit ordentlichem Trash-Faktor erwartet, dürfte bitter enttäuscht werden, denn es bleibt bei dem Mini-Monsterchen hinter der Stirn der Hauptfigur.

Billig getrickst, übel ausgestattet und dramaturgisch größtenteils schwach aufgebaut, dürften allenfalls knallharte Freunde von Knastdramen ein wenig auf ihre Kosten kommen, alle anderen, die vorzugsweise mordende Puppen erwarten, ersparen sich besser diesen Murks.
Knapp
3 von 10

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