Kleinen Natur-Abenteurern wird durch das Sub-Genre des Survival-Horrors ständig die Lust auf Erlebnisse geraubt, - überall Rednecks, Hinterwäldler, Degenerierte Typen, die in einer Waldhütte hausen und auf Zivilisierte warten.
Mit dieser grundsoliden Prämisse lässt sich zwar immer wieder mit simplen Mitteln ein kleiner Reißer entwickeln, doch diesem Beitrag fehlen schlicht das Timing und die Action, vor allem aber eine zündende Idee, um Genre-Freunden überzeugendes Futter zu liefern.
Billy und Matt, zwei Kumpels in den Dreißigern, brechen zum Dismal-Sumpf-Park auf, um für ein Wochenende ohne Frauen Spaß beim Knochen-Hecht-Angeln zu haben, - bis ein Hinterwäldler auftaucht und ihnen die Freude vermiest.
Hier zeigt eine recht minimalistische, weichgespülte Form des Redneck-Terrors, dass ein solides Handwerk allein nicht ausreicht, um den Zuschauer zu fesseln.
Natürlich kann man auch Spannung erzeugen, wenn sich der Fokus die meiste Zeit über auf zwei Personen richtet, doch die Chose entwickelt sich zu ereignisarm, mit zu wenigen Konfrontationen. Um nicht zu sagen: Den Machern gingen gegen Ende offenbar ganz die Einfälle aus.
Für Horror zu unblutig, für einen Thriller zu überraschungsfrei, entwickelt sich die Geschichte zu einem düsteren Drama über einen Einsiedler, der einen offensichtlichen „Eindringling“ gefangen hält, - zumindest innerhalb der zweiten Hälfte.
Bis dahin hat man genügend Zeit mit den beiden Freunden warm zu werden, von denen letztlich nur einer überleben könnte. Auch wenn die Exposition ein wenig lang andauert, fallen Kamera, Farbgebung und Score stimmig aus und diverse Luftaufnahmen unterstreichen gekonnt die Weite der einsamen Wälder.
Als die beiden ihrer Ausrüstung beraubt werden und Huschen durchs Unterholz zu vernehmen ist, kündigt sich der Terror langsam an. Man wird erst nervös, dann zynisch und als Zuschauer, der mit diesen Vorgängen vertraut ist, erwartet man im Folgenden ordentliches Tempo und ein wenig Blutvergießen.
Beides bleibt jedoch völlig aus.
Zwar ist es löblich, den Protagonisten auf beiden Seiten ein wenig Tiefe zu verleihen, doch diese könnte durch energisches Handeln unterstrichen werden, von dem hingegen zu wenig geboten wird.
Im Gegenteil. Redneck als auch der Gefangene versuchen sich gegenseitig von ihren Argumenten zu überzeugen, wobei der eine die meiste Zeit auf einem Stuhl gefesselt verbringt und der Einsiedler lange schweigt und erst später mit seinen eigenartigen Philosophien herausrückt.
Von aggressiven Übergriffen fehlt indes jede Spur, kaum eine Gegenwehr, überhaupt keine Folter und als dann zwischenzeitlich doch einmal ein Fluchtversuch gelingt, kommt dieses ärgerlich naive Verhalten hinzu, dass schon so manchem Verlauf in Sachen Glaubwürdigkeit das Genick gebrochen hat.
Versucht die Handlung zunächst Zweifel zu streuen, an welcher Stelle das Böse zum Vorschein treten könnte, entfaltet sich das Ganze doch sehr eindimensional und räumt, trotz irreführender Flashbacks alle Zweifel aus, es hier mit dem schlichten Spiel zwischen Gut und Böse zu tun zu haben, was am Ende in totaler Ideenlosigkeit gipfelt und sicher den einen oder anderen Betrachter mit Kopfschütteln zurück lassen dürfte.
Inszenatorisch in Ordnung, darstellerisch sogar stellenweise überdurchschnittlich, offenbart „Dismal“ seine größten Schwächen innerhalb des einfältigen Skripts, welches zu keiner Zeit fesseln kann.
Denn bevor es überhaupt losgeht, verkommt die Sache zu einem undankbaren Mix aus
Laberei mit Hobby-Psychologie, dem Erscheinen eines dämonischen Indianermädchens ohne tieferen Kontext und ein paar Suchenden, denen ebenfalls kaum eine Bedeutung beigemessen wird.
Wer hier Spannung oder gar Terror erwartet, sollte auf fiesere Artverwandte setzen.
Knapp
4 von 10