Bruhaha...
Angeregt durch die Aufnahme des Films in die Baddie-Ecke der Zeitschrift „Splatting Image“ sollte man sich die Gelegenheit wirklich geben, da „Invasion der Blutfarmer“ jetzt mal wieder in Videotheken erhältlich ist.
Diesen grotesken Schnellschuß (aus der untersten Schublade des drei Meilen unter dem Kellergeschoß in der Kanalisation nahe dem Erdkern gelagerten IKEA-Schränkchens), dessen Budget von angeblichen 40.000 Dollar man ihm in keiner Szene ansieht (sieht nach 400,- aus) kann man natürlich im Zustand absoluter Volltrunkenheit am besten genießen, wirkt aber auch nüchtern ganz lustig.
Hier stimmt gar nichts und One-and-only-Regisseur Ed Adlum hat damit ein echtes Meisterwerk für Schundfreunde abgeliefert, daß man so auch erst mal hinkriegen muß.
First at all: in diesem Film ist keine Einstellung wiederholt worden. Stattdessen wurden offenbar alle Szenen mit den Schauspielern an Einzeltagen abgearbeitet, wobei abgesehen von den drei Hauptdarstellern (wuhaha...) also jeder Kleinmime nur an seinem Set bleibt.
Es geht ab mit einem dröhnend gebölkten Off-Kommentar, der uns über die „Sangruiden“-Sekte informiert, während unscharfe Gestalten über ein paar Felsen taumeln und ein rauchiger Rotfilter über die obere Hälfte des Bildes gelegt wurde. Die Szene sehen wir dann zum Showdown wieder. Dann gleich mal ein Schockeffekt erster Güte: Jim Carrey, pardon, Jim Carry wankt blutüberströmt in seine Stammkneipe Huddle II, die irgendwo backwoods im Rektum des Planeten liegt. Hier sitzt, neben anderen nulltalentierten Säufern auch der Hilfssheriff, da sein Chef auf Dienstreise ist und verbringt dort als Büroersatz seine Tage. Und zwar den ganzen Film über. Alle sind irre überrascht, tarnen sich aber wunderbar mit Emotionslosigkeit, wenn sie über die vielen kürzlich verschwundenen Nachbarn der letzten Zeit sprechen.
Hier werden schon die totalen technischen Finessen präsentiert, die den Film so unverwechselbar machen: vollkommen unmotivierte blitzschnelle Zwischenschnitte auf Darstellergesichter, die den Anschluß komplett verpassen.
Nachdem wir einen latzhosentragenden Butzemann mit schwarzer Zipfelmaske gesehen haben, der Kirschlimo aus einem Schlauch abpumpt, den man einer Blondine an den Arm geklebt und in den Ärmel geschoben hat, kommen dann die Protagonisten an die Reihe, denn irgendwo an diesem Arsch der Welt forscht Dr.Roy Anderson in seiner erweiterten Gartenlaube zum Wohle der Welt mit seinem Assistenten Don Tucker, der immer todschicke Hemden und Pullis trägt und Andersons Töchterlein Jenny knattert.
Verantwortlich für die Abpumperei ist aber die Druidensekte der Sangruiden, die ihre Königin Onhorrid im Wachkoma in Schneewittchens Sarg geparkt haben und für sie dringend ein Blutopfer brauchen. Dazu lassen sie die Opfer alle aus einem Müslischälchen saufen und wer nicht der Erwählte ist, wird zum Opfer für eine beispiellose Blutvermehrung, woraufhin die Kirschlimo (samt Schaum) aus allen Körperöffnungen läuft. Genug zum Naschen also für die Jungs.
Die Sekte an sich ist schon ein Fest für die Augen. Der Anführer heißt Kretin, pardon, Creton und steht stets in schwarzer Robe in einem saumäßig tapezierten Aufbahrraum in einer Waldhütte rum und rollt mit den Augen. Sein Erfüllungsgehilfe heißt Sonntag, wurde also vermutlich von Robinson adoptiert und fungiert im Rest der Welt als Dr.Kinski (joho!) und als Andersons Kollege.
Für den Nachschub sorgt Blutfarmer Egon, der zwar ein steifes Bein hat, aber auch einen dollen Strohhut samt Latz-Blaumann und stiert stets bösartig direkt in die Kamera. Egon meuchelt auch Jennys Hund, als der ihm an die Keulen will und hängt den Mottenfiffi dann auf die Veranda. Und der Gehilfe vom Gehilfen ist dann auch noch da, ebenfalls in Farmerverkleidung, aber zum Glück ganz grenzdebil. Die spinnen, die Druiden.
Und unvermittelt sind da noch drei bis vier Jungs, die immer die schwarzen Kochmützen bis zum Kinn runter tragen und unvermittelt die Axt rausholen. Allerdings erweisen sich die Masken später als hinderlich, denn man kann keinen zeremoniellen Trank saufen, wenn die Teile keine Mundöffnungen haben.
Derweil werfen wir einen Blick in Andersons Labor. Schreibtischlampe, ein Mikroskop, ein Chemiebaukasten für Grundschüler, ein paar Reagenzgläser. Der vollgestellte Einbauschrank im Hintergrund tarnt diese Schreibecke nur unzureichend als Hort der Wissenschaft, denn da stehen hauptsächlich diese US-Bauernhoffiedler-Schnapskrüge, die man sich mit einem Finger über die Schulter hieven muß, um daraus zu nuckeln. Zeit also für ein paar Blitzinserts von Reagenzgläsern.
Der Rest der ersten Stunde von insgesamt 75 Minuten füllt sich mit Leichentransporten, Abpumporgien auf dem Fußboden eines Werkzeugverschlags; den Versuchen, das Blut am Sprudeln und Vermehren zu hindern (natürlich schaffen sie es) und ein paar dollen Schmuseszenen. Zwischendurch wird noch ein frischgebackenes Ehepaar von Egon heimgesucht: er will fernsehen, sie will poppen, er geht erst mal duschen und kriegt was vor die Omme, sie pennt derweil oder ist schon im Himmelreich. Das muß man gesehen haben.
Die wirklichen Knaller sind aber auf technischem Gebiet zu verzeichnen. Der Kameramann hatte offenbar Hüftschiefstand, denn nicht selten hält man hier schräg auf alle Ereignisse. Überhaupt war für ein Stativ kein Geld da und deswegen steht die Kamera auch mal im Unterholz oder macht so tolle Sachen wie in dem Laborgespräch zwischen Don und Doc, wo sie den Höhenunterschied zwischen den Schauspielern damit ausgleicht, immer von Kopfhöhe zu Kopfhöhe rauf- und runterzufahren, leider weder synchron im Text, noch darum bemüht, nicht die jeweils anderen Köpfe abzuschneiden.
Knackig auch die Szene, in der Jenny im Kimonokleid und mit umgelegten Strickjäckchen in den Wald geht, um dann mit Jeans und zugeknöpfter Strickjacke von Sonntag abgefangen zu werden. Die Szene mit der Umkleide im Gehölz wurden anscheinend geschnitten.
Aufgenommen wurde das alles offenbar in einer geschmacklosen Kleingartenkolonie, denn Anderson und Gäste sitzen ständig auf einer scheußlich gestreiften Schlafcouch vor zugezogenen Vorhängen, da hat wohl jemand sein Wohnzimmer spendiert.
Absolute Spitze ist auch die Musik, die schon auf nervenzerfetzend macht, wenn nur jemand telefoniert (und niemanden erreicht). Ansonsten plätschert ständig ein alter Hollywoodsound aus den Lautsprechern, der besser in Abenteuerfilme oder beschwingte Komödien gepaßt hätte und wohl auch von dort stammt. Der Schnitt ist abenteuerlich, das Drehbuch ein Flickenteppich und die Regie...seht selbst!
Der Bringer ist natürlich der Showdown, der auf einer Klippe improvsiert wurde und für den man wohl nur fünf Minuten Zeit und einen einzigen Versuch hatte, denn so inkompetent, schundig und schnell wurden die Bösen noch nie platt gemacht. Muß man in Zeitlupe sehen, sonst verpaßt man es.
Ach ja, mit Gore ist es eher essig, aber auch so dürfte man aus dem Lachen kaum rauskommen, denn das ist definitiv weit unter deutschem Amateurniveau und von Dilettanten mit Hingabe zusammengeklebt. Jede Szene ein Fest, vor allem Egon ist den halben Film wert. Wenn der Gesamtwert auch gegen Null tendiert. (1/10)