Review

"Wie lange bist du schon 17?" ... "Eine Weile."

"Twilight - Biss zum Morgengrauen" ist die Verfilmung des ersten Jugendromans der "Biss"-Reihe von Stephenie Meyer. Die Vampir-Romanze legte einen erfolgreicheren Start in den Kinos als der parallel laufende "Ein Quantum Trost" hin.

Bella Swan (Kirsten Stewart) ist ein hübsches aber zurückhaltendes 17-jähriges Mädchen. Nachdem ihre Mutter erneut heiratet zieht sie zu ihrem Vater Charlie (Billy Burke) nach Forks, einer kleinen, stets von dichten Wolken verhangenen Stadt im amerikanischen Nordwesten. In ihrer neuen Schule findet sie durch ihre Schlagfertigkeit schnell Anschluss. Einige freche Jungs beginnen sogar mit ihr zu flirten. Bella hegt allerdings Interesse an dem bleichen und gleichfalls attraktiven Edward Cullen (Robert Pattinson), zu dem sie sich magisch hingezogen fühlt. Die Cullen-Familie wird als Außenseiter in der Schule angesehen, die niemanden in ihre Gruppe hinein lässt. Allerdings reagiert Edward nach einer panischen Flucht im Biologieunterricht offenherzig auf Bellas Anwesenheit. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Romanze die nur von einem Problem erheblich beeinträchtigt wird: Edward ist ein Vampir der seinem Verlangen nach Blut nur beschwerlich widerstehen kann.

Der Erfolg eines Filmes der auf ein jugendliches Publikum zielt und sich ausschließlich mit einer Randgruppe beschäftigt ist sicherlich merkwürdig und erscheint mit den ersten Blicken unerklärlich. Dabei ist die Lösung ganz einfach. In Zeiten von "High School Musical" bestimmt nicht mehr länger ein erwachsenens Publikum was "in" ist. Und so wie Joanne K. Rowling ist es auch Stephenie Meyer gelungen, ein größeres Zielpublikum für ein Randgruppen-Genre zu interessieren. "Harry Potter“ zeigte, dass Geschichten von einem Zauberlehrling nicht nur etwas für Kinder, sondern auch für Erwachsene sind. Meyer wiederum ist es mit der "Biss“-Reihe gelungen, nicht Grufties und Horrorfans, sondern Romantikfreunde für Vampire zu begeistern. Und gerade Heranwachsende lassen sich mit der Thematik um geheimnisvolle Verheißung von Stärke und Schönheit schnell ködern.

"Twilight - Biss zum Morgengrauen" ist allerdings kein verheißungsvoller Trip durch die blutige Welt der Vampire, sondern eine sehr konstruierte Geschichte um die Romanze zwischen einem Menschen und einem Vampir. Diese ist entsetzlich übertrieben und mit jedem möglichen Hollywood Klischee beladen. Für den konservativen Genrefan ist die Darstellung der Vampire hart an der Schmerzgrenze, da diese von einem völlig anderen Aspekt beleuchtet werden. Nämlich dem romantischen.
Penibel wurde auf eine keusche, unberührte Jungfräulichkeit des Kontexts geachtet. Denn obwohl der Drang eines Vampirs nach Blut besteht, wird dieser nie visualisiert. Ein wenig verloren scheint dabei die Bedrohlichkeit dieser normalerweise nur zur Nacht aktiven Wesen. Normalerweise ist hier das Stichwort, denn Stephenie Meyer's Vampire folgen anderen Regeln als den herkömmlichen. Im Sonnenlicht zerfallen sie nicht zu Staub, sondern glitzern golden was sie für andere als anders markiert. Somit lassen sie sich also trotzdem nicht in der Sonne blicken.
Übernatürlich bleiben sie. Denn neben der Unsterblichkeit sind sie übermenschlich stark, schnell und haben besondere Gaben, wie die Fähigkeit in die Zukunft zu sehen oder Gedanken der Menschen zu lesen.

Was ist der Reiz, wenn bei einem Vampirfilm Hammer und Pflock zu Hause bleiben? Aus der Sicht eines vorwiegend weiblichen, pubertären Publikums ist dies sicherlich die Nonstop-Schmachtorgie, die einerseits durchaus glaubwürdig präsentiert wurde, allerdings nie die Tiefe einer Daily-Soap überschreitet. Gerade hier schleppt sich der Film mit Herzschmerz und einer Teenager Love Story über die Runden, ohne wirkliche Höhen zu erreichen. Auch die Problematik um das Vater / Tochter Verhältnis zwischen Bella und Charlie wird nur am Rande thematisiert.
Für die Zielgruppe sind die durchweg hübsch anzusehenden Darsteller, die allesamt einem Modelkatalog entsprungen sein könnten, sicherlich ein weiterer visueller Reiz. Auch wenn hierbei die Glaubwürdigkeit den Rahmen verlässt.
Desweiteren findet die poppige Aufmachung den Zuspruch der Jugend. Songs von Muse, Radiohead, Claire de Lune und Linkin Park bringen den nötigen Schwung in die blutleere Geschichte. Sinnfreie, plumpe Dialoge belasten auch die noch so herunter gedroschene Hirnleistung nicht im geringsten.
Aufwendige Kamerafahrten über Landschaften im Staat Washington sorgen für eine ansprechende Inszenierung und können die süß-schaurige Atmosphäre sogar einem Erwachsenerem Publikum vermitteln.

Das Problem der Dramaturgie löst sich erst im letzten Viertel des Films, wenn eine übersichtliche Anzahl böser Vampire das Städtchen durch Futterbeschaffung heimsucht und auf die "vegetarische" Familie der Cullen trifft. Erst zu diesem Zeitpunkt befreit sich die Vampir-Romanze von seiner linearen Erzählstruktur und bietet etwas mehr Flexibilität. Überaschungen oder emotionale Höhepunkte gibts allerdings trotzdem nicht. Die Gegenspieler erfahren keinerlei Figurenzeichnung und dienen nur dem Zweck einer schnellen, gesichtslosen Spannungssteigerung.

Obwohl "Twilight - Biss zum Morgengrauen" technisch solide ist, sind die Spezial-Effekte bei den übermenschlich schnellen Bewegungen der Vampire und ihren weiten Sprüngen nicht gerade auf aktuellstem Standard. Hier sieht man eindeutig die Zuhilfenahme spezieller Kameratechniken oder künstlicher Tricks. Im Grunde unpassend für einen wissentlich erfolgreichen Film.

Den größten Reiz  des Films stellen wohl die beiden Hauptdarsteller dar. Kirsten Stewart ("Panic Room", "Into the Wild") und Robert Pattinson ("Harry Potter und der Feuerkelch", "Harry Potter und der Orden des Phönix") bieten zwar nicht immer eine Glanzleistung, schaffen es aber ihre Figuren und die Beziehung zueinander glaubwürdig und harmonisch mitzuteilen. Vermutlich liegt hier sogar der ansehliche Erfolg der Romanze zugrunde.
Den gern genannten Edelsupport bieten Billy Burke ("Untraceable", "Das perfekte Verbrechen") und der charismatische Michael Welch ("All The Boys Love Mandy Lane", "An American Crime"), die beide zwar seltener aber durchweg überzeugend spielen.

Wer sich einen gruseligen Vampirfilm erhofft, dürfte schwer enttäuscht sein. "Twilight - Biss zum Morgengrauen" ist eine seichte Gothic-Romanze, die übermäßig auf nichtssagende Klischees setzt. Die poppige Präsentation ist insbesondere für die heranwachsende Zielgruppe gedacht. Der Nonstop-Schmachtfetzen dürfte aber auch im älteren weiblichen Publikum Zuspruch finden. Die ordentlichen Darsteller und visuell ansprechenden Kamerafahrten über die Landschaften machen die Vampir-Romanze zumindest auch für Zuseher anschaubar, die mit der Materie nichts anfangen können. Ein weniger zaghaftes Konzept und mehr inhaltliche Tiefe, so wie es "So finster die Nacht" bietet, wäre allerdings so oder so ansprechender gewesen.

4 / 10

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