Da haben wir ihn also - den Film, der den einst so coolen, sexy und bedrohlichen Vampiren den letzten Rest Leben aussaugte (der Pun ist raus, jetzt haben wir es hinter uns). "Twilight" ist zweifellos ein Film, über den man nach dem Abspann erst einmal eine Weile eingehend nachdenken muss. Nicht etwa, weil sich der Film in all seinen Facetten dem Zuschauer erst nach sachlicher Analyse erschließt (sowas wie "Facetten" haben weder der Film selbst noch die Leute darin, doch dazu später mehr), sondern weil man wirklich erst einmal gedanklich sortieren muss, was man da gerade erlebt hat.
Man kann sich lebhaft vorstellen, warum der Film so erfolgreich war, und das Sequel "Newmoon" sogar "The Dark Knight" an den Kinokassen abgehängt hat: Es ist ein Film, der aus jeder Pore atmet, dass ihn jedes poesiealbumkritzelnde, auf den "großen, dunklen Unbekannten" oder den "Außenseiter" fliegende Mädchen zwischen 12 und 20 Lenzen einfach gesehen haben muss, wenn ihr dröges Leben je wieder Sinn ergeben soll – und derer sind viele. Außerdem bekomme ich das Bild eines still leidenden Freundes, der zum Ausgleich für "immer diese blöden Actionfilme" (ja, hier gibt es heute fade Klischees im Dutzend billiger) gezwungen ist, für sich gleich mit das Ticket zur Hölle zu stempeln. So kommen beachtliche Einnahmen zusammen – für einen Film, der im Grunde jegliche Dramaturgie, Figurenzeichnung, Spannung und sogar Handlung vermissen lässt.
Die Charaktere sind ein einziges Tal der Tränen. Von Bella, die ja immerhin die Hauptfigur ist, erfahren wir im Grunde...nichts, außer dass sie ein Scheidungskind ist, das seit neuestem in einem heruntergekommenen Kaff bei ihrem Vater lebt. So weit, so schon zig mal da gewesen, aber Leben haucht das der Figur nun nicht gerade ein. Wenn man es recht betrachtet, ist Bella sterbenslangweilig – "unkoordiniert" ist die einzige Eigenschaft, die das Skript ihr zugesteht, was sich darin äußert, dass sie nicht tanzen will und zweimal unvermittelt auf dem Arsch landet. Und das war es auch schon, mehr Substanz ist zumindest von Seiten des Films nicht vorhanden. Dass Bella eine typisch dämliche Klischeetussi ist, kommt dann eher aus der Richtung des nüchternen Betrachters, da sie sich natürlich postwendend in den mysteriösen, gutaussehenden (ärchh!) Außenseiter verguckt, der eines Tages zur Schulkantinentür hereingeschleiereult kommt und diesem nur noch heftiger hinterhergeilt, je mehr er ihr zu verstehen gibt, dass sie sich bitte von ihm fern halten soll. Weiber...
Fairerweise muss ich allerdings dazu sagen, dass ich auch arge Probleme damit hätte, jemandem zu glauben, dass er nichts mit mir zu tun haben will, wenn derjenige mir pausenlos auflauert, um mir genau das mitzuteilen. Aber das ist nur einer der vielen kleinen Verstauchungen des Drehbuchs, die zusammen einen ausgewachsenen Trümmerbruch ergeben. Alles in allem ist Bella nicht mehr als eine leere Hülle, vollkommen uninteressant, noch nicht einmal "schlecht" geschrieben (denn ich würde etwas wie "Name: Bella; stolpert oft" nicht als "geschrieben" bezeichnen wollen) und – was den Film angeht und das, was er für eine "Beziehung" hält – ein echtes "Mädchen" im schlimmsten, klischeetriefendsten Sinne des Wortes. Selbstverständlich brodeln ihre Säfte, nachdem sie auch nur einen einzigen Blick auf die geleckte Kalkleiste geworfen hat, die aussieht wie sämtliche existierenden Boybands in einem einzigen käsigen Körper vereint. Selbstverständlich findet sie ihn umso interessanter und begehrenswerter, je mehr er sie abweist. Selbstverständlich ist sie mehr geschmeichelt als abgestoßen, als er ihr erzählt, dass er ihr heimlich nachstellt und sogar in ihr Haus einbricht, um sie beim Schlafen zu beobachten. Selbstverständlich ist ihr sogar sein Geständnis, dass er bereits Menschen getötet hat und auch bei ihr wenigstens darüber nachgedacht hat, scheißegal, denn sie "vertraut" ihm...oh, Mama. Erste Hauptfigur: treudoofe, bekloppte, kotzlangweilige Planschkuh. Jetzt kann es eigentlich nur besser werden...
Nun ja, wie mans nimmt. Die andere Hälfte der Knallchargen-Combo, die man uns als Main Cast unterjubeln will, ist nicht minder langweilig. Edward ist im Grunde der perfekte Mann für Bella: Nicht der kleinste Funken Ausstrahlung (außer für die typischen Herzcheninpoesiealbenkritzlerinnen und BRAVO Girl-Abonnentinnen, aber ich bin ohnehin der Meinung, dass ich bessere Gespräche mit meinem Mittagessen zustande brächte), keine auch nur entfernt interessanten charakterlichen Eigenschaften. Was sein Vampir-Dasein anbelangt, ist er der Typ "Oh Gott, ich bin ein Monster!", was einen der beiden offiziellen Vampirbausätze darstellt und sich darin äußert, dass er Bella pausenlos vorheult, was für ein im Grunde schreckliches Dasein er fristet und sogar schon gezwungen war, Menschen zu töten, was diese ungelogen mit einem "Das macht nichts." vom Tisch fegt. Hach ja, die Liebe...
Den anderen Typus, nämlich "Yeah, ich bin ein Monster!", in diesem Fall wie üblich von der Gewerkschaft hirnloser Antagonisten, bekommt man in "Twilight" auch präsentiert, wenn man gegen Ende des Films nicht im falschen Moment aufs Klo geht und so die Handlung in seiner Gänze versäumt. Nein, wirklich – irgendwo um die 90 Minuten-Marke herum stolpert plötzlich der Plot, der davor nur zweimal zaghaft den Kopf zur Tür reingestreckt und sich beide Male entschieden hat, lieber doch draußen zu bleiben, während einer Partie Vampir-Baseball (nicht fragen...einfach hinnehmen) in Form von drei BÖSEN Vampiren in den Film, die Bella an die Ader wollen, wobei einer von ihnen unerklärlicher- und uninteressanterweise fast augenblicklich die Seiten wechselt, der nächste sich einfach denkt "Scheiß drauf." und nur der letzte konsequent genug ist, halbwegs in der Spur zu bleiben, Jagd auf Bella zu machen und schlussendlich von Edward, dem Emo in strahlender Rüstung und seiner uninteressanten Sippschaft abgemurkst zu werden. Das Ganze dauert etwa zwanzig Minuten – was davor mangels brauchbarer Alternativen als Handlung herhalten muss, ist ein ewiges Hin und Her zwischen zwei Leuten, die jeder für sich schon kacklangweilig sind, aber diesbezüglich wahre Rekorde aufstellen, wenn sie aufeinander treffen. Die Zeitlupen, in die der Film anfangs ständig schaltet, sobald Bella Edward erblickt, kann ich mir wirklich nur so erklären, dass der Film selbst von bleierner Trägheit erfasst wird und erst einmal ein paar Momente braucht, um wieder auf Normalgeschwindigkeit zu kommen.
Und das ist auch das größte Problem, mit dem sich "Twilight" rumschlagen muss: Der Film ist unheimlich zäh und für den mageren Fliegenschiss an Handlung mindestens eine halbe, wenn nicht eine ganze Stunde zu lang. Man wünscht sich förmlich, dass es endlich vorbei sein möge, denn was man zu sehen bekommt, ist einfach in keinster Weise interessant. Die Geschichte gibt nichts her, Sachverhalte werden, wenn überhaupt, nur angerissen und gleich wieder fallen gelassen (woher kommt Edward und warum hat sein "Vater" ihn zum Vampir machen müssen...und wer oder was sind die Vampire hier überhaupt? Ein bisschen mehr als eine hingeschissene Internetrecherche-Montage, gipfelnd in einer unglaublich bescheuerten "Bella liegt im Abendkleid auf einer Samtcouch und lässt sich von einem besmokingten Edward anknabbern"-Vision hätte ich schon ganz gern gehabt) oder gleich komplett verschwiegen (Edwards Familie hat samt und sonders nicht den geringsten Hintergrund - sie sind ebenso wie die kurz vor Schluss in den Film schlingernden Antagonisten einfach nur "da"), die Figuren entwickeln sich nicht - alles und jeder ist nur fader Hintergrund für nahezu zwei Stunden schüchtern-geile Blickwechsel, Dialoge, für die sich sogar die "Dawsons Creek"-Autoren schämen würden, selbstverständlich einem zuckrig-kitschigen Happy End und grausamer Vergewaltigung von allem, was an Vampiren einmal cool gewesen ist.
Ewig lang ausgelatscht, voll mit beleidigend platten Charakteren (bis hin zur reinen Lebendrequisite) und frei von jeglicher Handlung verdient sich "Twilight" redlich
2/10
für die audiovisuelle Inszenierung, die zumindest dem zufällig ins Fernsehzimmer Schauenden erfolgreich vorlügen kann, dass es sich bei "Twilight" um einen halbwegs brauchbaren Film handelt.