Nicht nur schlechte Filme floppen!
Auch handwerklich gute Ware kommt eben manchmal beim Publikum nicht so richtig an und wird verschmäht, vor allem, wenn die Presse relativ ungnädig mit dem Ergebnis umgeht.
So geschehen im Falle von „Impostor“, einem SF-Film nach der gleichnamigen Kurzgeschichte von Philip K.Dick („Blade Runner“)
Der Film postuliert eine zukünftige Gesellschaft, in der alles auf einen Krieg gegen Aliens von Alpha Centauri ausgerichtet ist, die der Menschheit technisch überlegen sind. Als der Waffeningenieur Spencer Olham gerade eine neue Waffe fertig stellt, wird er verhaftet, weil er auf einer Todesliste der Centauri steht und im Verdacht steht, selbst eine Superbombe der Aliens zu sein, die in durch einen Energieschirm abgeschotteten Städte geschmuggelt wurde, ohne sich seiner Funktion sicher zu sein.
Kurz vor seiner Hinrichtung kann er fliehen und ist von nun an auf der Flucht, um die Wahrheit herauszufinden...
Der Plot ist nicht gerade königlich, wenn man ihn genauer unter die Lupe nimmt, ursprünglich war „Impostor“ auch nur ein dreißigminütiger Kurzfilm, der dann gestreckt wurde. Das Streckmaterial erscheint überdeutlich, es ist die langwierige Flucht Olhams, in deren Verlauf er auch die zerstörten Städte mit den Slums erkundet und einem Bewohner derselben den Zugang zu wichtigen Medikamenten ermöglicht.
Reduziert auf das Gerüst, reicht der Plot dann auch eher für eine gute bis sehr gute „Outer Limits“-Episode, angereichert mit zahlreichen Stars, die sich verstärkt im TV einen Namen gemacht haben.
Neben Gary Sinise (CSI NY) als Olham und Vincent D’Onofrio (Law and Order SVU) als sein fieser Verfolger tauchen noch Tony Shalhoub (Monk), Gary Dourdan (CSI Las Vegas) und Mekhi Pfifer (ER) auf, ergänzt durch eine heutzutage auch sehr rare Madeline Stowe.
Die schauspielerischen Leistungen sind durchweg sehr gut und der knapp 90minütige Film setzt hauptsächlich auf Tempo, ohne dabei ein paar sehr gelungene Trickaufnahmen einer zukünftigen Gesellschaft zu missen. Gesellschaftskritik klingt dabei zwar auch an, aber bleibt hauptsächlich in Ansätzen stecken, ein Spiel mit Arm und Reich und verschiedenen Gesellschaftsklassen.
Ganz offenbar orientierte man sich an „Blade Runner“ und der damals aktuellen Produktion von „Minority Report“, so daß das „Auf der Flucht“-Motiv noch stärker zum Tragen kam.
Auch in der hier vorliegenden Fassung ist die (teilweise nur angedeutete) Härte durchaus ausreichend und „Impostor“ kann voll und ganz unterhalten, wenn er auch nie richtig hochklassig wird.
Die doppelte Schlußpointe, die der Story einen rasanten und knalligen Schluß verleiht, ist zwar auch doppelt absehbar, macht aber dennoch mal wieder so richtig Laune, SF-B-Film-Paranoia vom Feinsten, wie es sich A-Produzenten gar nicht mehr zutrauen.
In den 70ern wäre der Film möglicherweise noch viel wirksamer gewesen, aber wer einen brauchbaren Griff in der Videothek machen möchte, kann sich mit „Impostor“ einen unterhaltsamen Abend gönnen. Hier ist der Film mal kein „Betrüger“! (7/10)