Review

Österreichischer Horrortrip reloaded 

Der Horrorfilm „In drei Tagen bist du tot“ von Andreas Prochaska war nicht nur einer der erfolgreichsten österreichischen Kinofilme der letzten Jahre (mit knapp 85.000 Besuchern in Österreich zweiterfolgreichster heimischer Kinobeitrag 2006) sondern auch der erste wirklich nennenswerte Genrebeiträge (Slasher) der Alpenrepublik. Die perfekte Mischung aus Lokalkolorit, Dialekt und heimischer Punk/Rock Musik führte, in Verbindung mit der spannenden, den Genreregeln folgenden, Story, der unnachahmlichen Atmosphäre und den brutalen Slasherszenen dazu, dass der Film in knapp 30 Länder (darunter auch solche Exoten wie Japan) verkauft wurde. Diese Tatsache ist vor allem im Hinblick darauf bemerkenswert, dass es sich bei „In drei Tagen bist du tot“ um einen österreichischen Low Budget Horrorfilm handelt, dem vor Filmstart niemand auch nur einen Teil des erreichten Erfolgs zugetraut hätte. 

Durch die durchwegs positiven Resonanzen auf seinen Erstling beflügelt machte sich Andreas Prochaska 2007 schließlich auf, eine Fortsetzung zu seinem Horrorhit zu entwickeln. Gemeinsam mit Agnes Pluch fertigte der Regisseur in mehreren Anläufen ein Drehbuch an, dass die Grundstory vom bedrohlichen Ebensee des ersten Teils in die nicht weniger bedrohliche Tiroler Bergwelt verlegt und außer dem Titel und den Hauptdarstellern nur mehr sehr wenig mit Teil Eins gemeinsam hat. Obwohl einige Handlungsstränge aus „In 3 Tagen bist du tot“ zu Beginn der Fortsetzung unaufdringlich in die Story eingeflochten, lose Fäden aufgelöst und ein Logikfehler beziehungsweise eine etwas unrealistische Szene aus Teil Eins bereinigt werden, erlag das Team nicht dem Fehler die Geschichte des Erstlings lediglich zu Wiederholen.
„In drei Tagen bist du tot 2“, den ich im Zuge der Steiermark-Premiere im Beisein des Regisseur und der Hauptdarsteller sichten konnte, war geboren. 

Nina, die nach den Ereignissen vor knapp eineinhalb Jahren nach Wien geflüchtet ist und nie mehr in ihre Heimatstadt zurückkehren wollte, erhält einen mysteriösen Anruf ihrer Freundin Mona, einer weiteren Überlebenden des Ebensee-Massakers. Die verzweifelte Bitte „Hilf mir Nina“ reicht aus alte Wunden wieder aufzureißen und Nina dazu zu bewegen Nachforschungen anzustellen, die sie via Traunsee direkt nach Tirol führen. Dort angekommen trifft sie auf eine Wand des Schweigens und stößt im wahrsten Sinne des Wortes auf Leichen im Keller der eigenbrötlerischen Dorfbewohner.
Bis zum erstklassigen Höhepunkt auf einer komplett verschneiten Alm ist es für Nina (und den geneigten Zuschauer) jedoch noch ein langer Weg durch etliche Finten des Drehbuchs und unglaublich spannende und atmosphärische knapp 100 Minuten Film. 

„Auf der Alm da gibt’s ka Sünd“. Dieser alte österreichische Spruch scheint Prochaska im Kopf herumgeschwirrt zu sein als er sich an die Erstfassung des Drehbuchs herangewagt hat. Die malerische und tiefverschneite Bergkulisse kreiert in Zusammenhang mit der bedrückenden Stille und den eintönigen Farben eine bedrohliche Atmosphäre, die schon in Kinobeiträgen wie „Cold Prey“, „Fargo“ und „Ein einfacher Plan“ sehr zum Flair des jeweiligen Films beigetragen hat.  

Die Hauptdarstellerin Sabrina Reiter bietet eine beachtliche One-Woman-Show, die nicht vermuten lässt, dass sie vor „In drei Tagen bist du tot“ noch nie vor der Kamera gestanden ist. Durchwegs glaubhaft quält sie sich von einem Martyrium zum nächsten, begeht überaus menschliche Fehler, reagiert auf einige Situationen geschickter als auf andere und darf auch mit etlichen guten und naheliegenden Ideen scheitern. Somit ist es auch ihre Performance, die dem Zuschauer nach dem Abspann am klarsten im Gedächtnis bleibt.  

Besonders hervorzuheben sind weiters die sensationelle Kameraarbeit von David Slama und die ruhigen Schnitte von Karin Hartusch. In Zeiten in denen James Bond mittels Schnitt-Stakkato und maschinengewehrartigen Kamerawechseln auf modern getrimmt wird und Filme wie „Saw“ einen (alle Reize überflutenden) Geschwindigkeitshorror salonfähig gemacht haben, mutet der geruhsame und auf Spannungsaufbau konzentrierte Stil von „In drei Tagen bist du tot 2“ fast antiquiert an. Das ist an dieser Stelle im positivsten Sinne des Wortes gemeint. Mittels eindringlicher und ruhiger Kameraarbeit wird eine Atmosphäre des Wartens erzeugt, die für den Zuschauer nahezu unerträglich ist. Slama bindet den Kinobesucher durch die eigenartigen Close-Ups, Winkel und Perspektiven, die er wählt, in die Handlung mit ein und erzeugt durch die elegischen Panoramaaufnahmen endloser, menschenleerer Bergkulissen und verschneiter, verlassener Straßen eine permanente Anspannung beziehungsweise Beunruhigung.  

Bis kurz vor Filmende lädt sich diese Spannung auf, ohne dass für sie ein geeignetes Ventil präsentiert wird. Im Finale bietet „In drei Tagen bist du tot 2“ schlussendlich (überraschenderweise) auch nicht die übliche Befriedigung, die solchen Streifen sonst eigen ist. Es wird nicht schön und ästhetisch gerächt und gestorben, sondern hart und realistisch im Affekt getötet. Die Kamera hält immer direkt auf die betreffende Szene ohne voyeuristisch zu wirken und fängt somit jedes Detail der, trotz des ruhigen und angespannten Grundtons, sehr plastischen, drastischen und blutigen Mordszenen ein. 

Das eigentliche Ende des Films ist, um es gelinde auszudrücken, vor allem für einen Billigstreifen sehr überraschend. Ich will hier niemandem mittels eines Spoilers das Finale verderben, da man dem Film damit einen Großteil seines Reizes nehmen würde. Nur so viel vorweg. Das Ende ist wirklich beachtlich, lädt zu Diskussionen ein und gibt dem Film einen gewissen Mysterietouch. Ganz im Allgemeinen ist der Film im Gegensatz zum Erstling weniger Slasher-typisch geworden und geht meiner Meinung nach eher in Richtung Thriller-Klassik-Horror-Mix, der bis auf einige wenige, etwas lange Minuten am Ende des ersten Drittels durchgehend zu überzeugen weiß.  

Die (fehlende) Filmmusik ist, auch wenn die teilweise Score-Losigkeit ebenso perfekt zur ruhigen Bergkulisse passt wie die eingestreuten Soundeffekte mein einziger wirklicher Kritikpunkt am Film. Es fehlt in „In drei Tagen bist du tot 2“ doch spürbar die heimische Bandpräsenz, die Teil Eins so besonders machte. 

Nach der Premiere hatte ich noch das Glück dem Regisseur einige Fragen stellen zu können, wobei vor allem die genialen Blutsequenzen (knapp 35 Liter Kunstblut), die wenigen aber gelungenen Specialeffekts Szenen (Autounfall und diverse Schnee- und Slasher-Einstellungen) und budgetäre Veränderungen im Mittelpunkt standen. Mit einem Budget von knapp 3 Millionen Euro und somit nur einer Million mehr als bei Teil Eins ist ein Kinofilm entstanden der teureren Hollywoodproduktionen (im B-Movie-Bereich) in nichts nachsteht. Laut Prochaska ist jene Zusatzmillion des Weiteren hauptsächlich für den teureren Drehort Tirol und Annehmlichkeiten, die es beim Dreh von Teil Eins nicht gegeben hat (wie unter-16-Stundendrehtage) aufgewendet worden.  

Fazit
„In drei Tagen bist du tot 2“ ist somit ein überaus gelungener Horrorfilm. Eine tadellose, den Vorgängerstreifen mit einbindende und in nahezu allen relevanten Punkten sogar übertreffende Fortsetzung. Eine der gewagtesten, weil eigenwilligsten und brutalsten österreichischen Produktionen der letzten Jahre. Und hoffentlich ein Publikumsrenner, der einen dritten Teil unumgänglich macht. 

Eine Kinoempfehlung meinerseits an all jene Personen, die nicht unbedingt 10 Leichen pro Minute benötigen um sich in einem Horrorfilm wohl zu fühlen, auf tollen Spannungsaufbau und eine geniale Atmosphäre Wert legen, dem Genre generell offen gegenüber stehen und dem österreichischen Charme etwas abgewinnen können.

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