Review

Wenn die Geschichte über einen Serienkiller schon nicht viel hergibt, muss man sie zumindest ansprechend verpacken und ein paar Rätsel einflechten, die dem Zuschauer einen kleinen Mindfuck bescheren.
Der Dank geht an Regisseur Reynolds nach Neuseeland, der inhaltlich zwar viel Konventionelles bietet, aber durch seine anstrengende Erzählweise so viele Rätsel aufkommen lässt, dass eine zweite Sichtung des Streifens notwendig ist.
Einige Fragen bleiben aber dennoch unbeantwortet.

Etwas surreal mutet das Ganze von vornherein an, wenn man zwei unsympathischen Typen dabei zusieht, wie sie einen Mann mit Sack über dem Kopf herumzerren und schlagen. Der Schauplatz wirkt heruntergekommen, die Typen in ihren Drecksoutfits wie zwei zugedröhnte Rocker auf Urlaub und siehe da: Es sind zwei Wärter der Anstalt, in der der Serienkiller Simon seit fünf Jahren einsitzt (Simon war der Kerl mit Sack über dem Kopf).

Kurz darauf erscheint Dr. Karen Schumacher, die ein erneutes, unabhängiges Gutachten über Simon erstellen soll.
Im Folgenden werden seine Taten und dessen Hintergründe in Flashbacks erzählt:
Mutter versagt in der Erziehung komplett, Mitschüler verprügeln ihn und die einzige Freundin Julie wird auch noch weggejagt.
Folglich ist Mutter Simons erstes Opfer, woraufhin er 4 Jahre in einer Klinik verbringt, doch das Morden geht jetzt erst richtig los. Und nach vielen Jahren und einigen Opfern sieht er Julie wieder…

Zwanghaftes Töten ohne Schema. Was aber ist Simons Motiv?
Schon bald kommen „Die Besucher“ zur Sprache, das sind die Geister seiner Opfer, die ihn zu weiteren Taten antreiben, denn die Toten mögen nun mal die Lebenden nicht.
Glaubwürdig ist das zunächst nicht und auch die Psychologin geht nicht unbedingt professionell vor, indem sie Fakten aus ihrem Privatleben preisgibt und Simon mit „Hafterleichterungen“ entgegen kommt.

Man muss verdammt konzentriert zusehen, denn der Aufbau der Flashbacks beinhaltet diverse Zeitsprünge, manche Szenen wiederholen sich und man hat zwischen Gedanken und Realität zu entscheiden, und wieder andere Szenen enden mit offenem Ausgang (wie eine, bei der Simon sich an seinen Arbeitskollegen abreagieren will und kurz vor einer Tat der Schnitt erfolgt).
Zudem gibt es eine sehr intensive Farbsymbolik: Das Blut der Opfer ist durchweg schwarz (wodurch die Morde per Kehlenschnitt auch vergleichsweise harmlos wirken) und auf der anderen Seite ist die Farbe Rot ein Schlüsselsymbol. Rote Kleidung, Gegenstände, Autos, - irgendwie kündigen sie immer Unheil an oder – wie ganz zum Schluss – eine Veränderung.

Visuell ist das durchaus bestechend, denn Reynolds beweist hier Fingerspitzengefühl und ein kreatives Händchen, was Kameraführung und Schnitte betrifft.
Auch soundtechnisch hat er sich Gedanken gemacht, wie eine Szene beweist, in der Simon eine Taubstumme jagt. Für den Zuschauer dröhnt im Hintergrund laute Musik, doch mit dem Umschwenken zur subjektiven Sicht des Opfers verfolgt man das Treiben ohne Ton.
Handwerklich kreativ und ohne Mängel.

Nur die Story…
Im Verlauf rätselt der Zuschauer immer mehr: Hat Simon sämtliche Morde nur erdacht und sitzt nach dem Tod seiner Mutter ununterbrochen ein?
Warum sieht Frau Doktor die Besucher plötzlich auch? Ist Simons Gesichtshälfte wirklich entstellt und warum sieht der Anstaltsleiter aus wie der cool handelnde Kopf einer Satanssekte?

Einige Fragen werden beantwortet, wenn auch die Auflösung recht individuelle Lösungsansätze hervorbringen wird, denn das Ende ist ziemlich enttäuschend ausgefallen.
Ich würde sogar soweit gehen, dass das Ende dem eigentlich ansprechenden Verlauf einen derben Knacks verleiht und den positiven Gesamteindruck merklich schmälert.

Die Darsteller spielen okay, wenn auch die Ausstrahlung des Killers etwas harmlos herüberkommt und der dubiose Anstaltsleiter fast in Coolness ertrinkt.
Aber man sitzt die meiste Zeit gebannt da und versucht, weitere Puzzlestückchen zu kombinieren, die die Figuren von sich geben.

Insgesamt bin ich nicht wirklich enttäuscht, der Serienkiller bietet ein nachvollziehbares Profil, spannende Szenen finden sich auch, nur die Auflösung verdirbt eine ganze Menge.
Zum Mitdenken und Ansehen handwerklich guter Arbeit passabel, zum Berieseln für Zwischendurch aber absolut ungeeignet.
6 von 10

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