Hätte man Filmfreunde vor einigen Jahren nach „Dust – Christmas-Trip zur Hölle“ nach weiteren Streifen des Regisseurs Adam Mason gefragt, hätten wahrscheinlich die meisten abgewinkt, denn der Film ist in jeder Hinsicht eine Gurke. Doch mit „Broken – Keiner kann dich retten“ fand Mason bereits positiveren Anklang, was sich mit diesem Streifen weiter fortsetzen dürfte: So bringt man mit einfachsten Mitteln eine interessante Geschichte auf die Leinwand.
Dabei besteht diese im Kern aus nur drei Personen. Das Paar Clark und Summer ist unterwegs auf dem Highway durch die Wüste, als ein Reifen platzt und sich der nächste Ort als Geisterstadt entpuppt. Da gesellt sich Joseph zu ihnen, dessen anfängliche Freundlichkeit nicht nur für die schwangere Summer immer mehr Rätsel aufgibt, - je länger man versucht, aus der Einsamkeit zu entkommen und Hilfe zu holen, umso deutlicher wird Josephs Absicht…
In einer Mischung aus „Hitcher – Der Highway Killer“ und „Long Weekend“ wirkt das Sujet zunächst sehr vertraut. Ein Paar und ein Fremder in der Abgeschiedenheit der Wüste. Eine Autopanne und – der Zuschauer weiß von Beginn an mehr als das Paar – in einem abgelegenen Motel war Joseph zu gleicher Zeit wie sie und brachte augenscheinlich die Bedienung um. Zumindest nahe liegend, denn in jener Szene liegt die Frau blutüberströmt in der Wanne, während Joseph seelenruhig daneben sitzt und religiöse Floskeln von sich gibt.
Die Rollenverteilung zwischen Gut und Böse scheint also von vornherein abgesteckt, jedoch streut der geschickt aufgebaute Verlauf auch ab und an Zweifel und sicher kann man sich bis zum Showdown nicht sein.
Viel erfahren wir über Summer und Clark zunächst nicht. Zwischen den beiden herrscht Harmonie, man mag vielleicht nicht der gleichen Meinung über den eingestellten Radiosender sein (es ist etwa 1969; Kleidung und Sprache lassen nicht sogleich darauf schließen, jedoch das Auto mit dem entsprechenden Radio) und man freut sich gemeinsam über den erwarteten Nachwuchs.
Erst im Gespräch mit Joseph kommen Einzelheiten über das Paar ans Tageslicht.
Und da auch Joseph zu Fuß unterwegs ist und der nächste Ort weit über 50 Meilen entfernt liegt, bleiben Gespräche nicht aus.
Dabei ist Joseph definitiv die Schlüsselfigur und zugleich der interessanteste Part der Geschichte. Sein Erscheinungsbild gleicht dem eines alten Cowboys, der seine kleine Whiskyflasche unter dem dicken Mantel trägt, dazu Cowboyhut und ständig eine Zigarette im Mund. Seine stahlblauen Augen vermitteln einerseits etwas Geheimnisvolles, gleichermaßen ist sein Blick stechend, das Lächeln fast schon zu selbstsicher, um dem Mann überhaupt vertrauen zu können, was Summer von vornherein eher tut als Clark, dem das sonderbare Verhalten des Fremden ein Dorn im Auge ist. Entsprechend geraten die beiden Männer phasenweise aneinander, wobei Joseph grundlegend ruhig bleibt und mit Philosophien kontert, die teilweise sogar Wahrheiten beinhalten.
Mehr lässt sich auf inhaltlicher Ebene nicht beschreiben, außer dass es im letzten Drittel zu einigen überraschenden Wendungen kommt und der Showdown ein paar recht dramatische Szenen aufweisen kann, die, wenn man den eher harmlosen Einstieg bedenkt, schon aufgrund ihrer darstellerischen Leistungen positiv hervorstechen.
Überhaupt ist die Besetzung ausgezeichnet, - Andrew Howard (Joseph) empfiehlt sich mit seiner facettenreichen Darstellung für tiefgehende Charakterrollen, Tess Panzer (Summer) und Ian Duncan (Clark) liegen darstellerisch zwar deutlich dahinter, liefern aber ebenfalls glaubwürdige Bilder ihrer Figuren ab.
Insgesamt bietet „Blood River“ einen hoch unterhaltsamen Streifen auf Basis eines Thrillers mit minimalen Horror-Anteilen und der Atmosphäre zwischen Western und Road-Movie, welche gegen Ende in eine recht beklemmende Stimmung übergeht.
Gut gespielt, sauber gefilmt und vom Plot her einige Male recht überraschend, - ein klarer Tipp für Leute, die währenddessen gerne rätseln, worin die Geschichte gipfeln könnte.
7,5 von 10