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Der junge George W. Bush, gespielt von Josh Brolin, irrt orientierungslos durch die Welt, hat keinen Job und weiß nicht so recht, was er mit seinem Leben anfangen kann, was seinem Vater, einem einflussreichen Texaner, gespielt von James Cromwell, der später Präsident werden sollte, natürlich zur Weißglut treibt. Er beschließt schließlich in die Fußstapfen seines Vaters zu treten und in die Politik zu gehen, bis er schließlich zu einem der umstrittensten Präsidenten der amerikanischen Geschichte gewählt wird.

Oliver Stone war mal so etwas wie ein Rebell, der sich überaus kritisch mit der amerikanischen Geschichte und ihren herausragenden Persönlichkeiten auseinander setzte. Man denke nur mal an seine Vietnam-Trilogie "Platoon", "Geboren am 4. Juli" und "Zwischen Himmel und Hölle", an seine Hommage an die 60er "The Doors", oder an seine politisch relevanten Filme wie "JFK" oder "Nixon". Seit rund einem Jahrzehnt ist es jedoch recht ruhig um den mehrfachen Oscar-Preisträger geworden, der 2004 mit "Alexander" den größten Flop seiner Karriere hinnehmen musste. Mit "W." gibt es jetzt noch einmal ein kleines Lebenszeichen des Regisseurs, der den Film bereits veröffentlichte, während Bush noch im Amt war, aber nur kleines.

Stone verurteilt Bush, der mehr oder weniger grundlos den Irak-Krieg begann, keineswegs und wird dem Präsidenten so alles in allem gerecht. In der wilden College-Zeit stellt er Bush als sympathischen Taugenichts dar, der sein Leben im Schatten seines einflussreichen Vaters fristet, vielleicht auch deshalb nichts erreicht, weil er so gegen diesen rebelliert. Das Privatleben Bushs wird ebenfalls behandelt und auch hier bleibt Stone weitestgehend ohne Zynismus und Übertreibungen im Rahmen des Realistischen und verleiht seiner Figur so genug Profil, um sie dem Zuschauer näher zu bringen.

Bei der politischen Laufbahn Bushs, insbesondere bei seinen Entscheidungen zum Irakkrieg rechnet Stone aber durchaus mit dem Präsidenten ab. Er stellt Bush als schlechten Rhetoriker hin, der immer mal wieder begriffstuzig seine Berater zur Hilfe zieht, um die Fragen der Journalisten beantworten zu können, aber Kritik an seiner Person in dieser Hinsicht nicht akzeptiert. Darüber hinaus zeigt er einen Bush, der sich prinzipiell alles einfacher vorstellt, als es eigentlich ist und sich beinahe naiv verhält, wobei er sich stets auf seine Minister verlässt. Ob diese Darstellung Bushs tatsächlich exakt zutrifft sei mal dahingestellt, aber Stone gelingt es doch seine ambivalente Figur mit einigen verschiedenen Facetten darzustellen und weder ein Feind- noch ein Idealbild des Politikers abzuliefern.

Narrativ verpackt Stone das Leben Bushs jedoch eher schwach. Er erzählt nicht linear, erreicht so leider keinen dramaturgisch geschickten Aufbau, womit er weder Spannung noch Dramatik erzeugt. Interessant ist der Film zwar durchaus, aber der Unterhaltungswert ist allerhöchstens mittelmäßig, da Stone auch amüsante und ironische Momente überaus spärlich dosiert. Für einen Dokumentarfilm ist "W." damit leider zu unpräzise, teilweise zu fiktiv, für einen Spielfilm ist er nicht unterhaltsam genug und so kommt Stone trotz einiger guter Aspekte nicht über das Mittelmaß hinaus, wobei sich der Film fürs einmalige Ansehen durchaus eignet. Handwerklich gelingt der Film ansonsten ganz gut, die Filmmusik ist unauffällig aber stimmig, die Darsteller sind gut in Szene gesetzt, aber diese Routine war von Stone auch zu erwarten.

Josh Brolin, der in den letzten Jahren mit "No Country for Old Men", "Im Tal von Elah", "Milk" und "American Gangster" einen erheblichen Karriereschub verzeichnen konnte und dieses Jahr erstmals für den Oscar nominiert ist, spielt Bush hervorragend. Brolin spielt die Figur authentisch und realistisch, stellt sie in all ihren Facetten dar und überzeugt damit auf ganzer Linie und auch die Ähnlichkeit mit dem echten Bush ist durchaus vorhanden. Auch der restliche Cast ist gut besetzt, so macht sich James Cromwell als George Bush Senior hervorragend und mit Richard Dreyfuss, Ellen Burstyn, Scott Glenn und Jeffrey Wright gibt es einige weitere bekannte Gesichter zu sehen.

Fazit:
Oliver Stone stellt George Bush mit verschiedenen Facetten dar und wird diesem damit alles in allem gerecht, da er ihn weder verurteilt, noch glorifiziert und Josh Brolin bringt ihn darüber hinaus nahezu perfekt auf die Leinwand. Aufgrund der ungeschickten Erzählweise und des mangelnden Zynismus, den Stone früher noch hatte, unterhält das brave Portrait Bushs jedoch nur mittelmäßig und kommt nicht an die Werke aus Stones Glanzzeiten heran.

59%

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