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Oliver Stone ist bekanntermaßen ein Star unter den politischen Regisseuren. Und so darf man nun – nach J.F.K und Nixon – hinter die Fassade von George W. Bush blicken. Gleich zu Beginn muss gesagt werden: Der Film ist klasse! Die Schauspieler sind hervorragend, das Skript intelligent aufgebaut, keine Textzeile ist erstunken und erlogen, alles beruht auf der Wahrheit. Und was noch angenehm auffällt: Man wird als Zuschauer ernst genommen. Wo Michael Moore in seinen Dokumentationen uns seine Meinung auf plakative (dafür auch höchst unterhaltsame) Art aufdrücken möchte, läßt Oliver Stone W.´s „missverstandenes Leben“ für sich sprechen. Der Film ist keine Satire, aber auch kein beschönigendes Statement. Wenn ein Reporter W. am Ende des Films fragt, was er als Präsident erreicht hat und W. keine gescheite Antwort dazu einfällt, ist das Realsatire pur und muss nicht zusätzlich aufgebauscht werden. Der Zuschauer bildet sich am Ende eine eigene Meinung darüber, ob Bush ein religionsfanatischer Missionar, ein infantiler Proll aus Texas oder ein an Minderwertigkeitskomplexen dem Vater gegenüber leidender Staatsmann – oder natürlich ein toller amerikanischer Präsident gewesen war. O.K.! – gut kommt er nicht weg. Aber Stone muss nichts erfinden, um Bush uns madig zu machen. Was er aber erreicht: Am Ende verstehen wir ihn irgendwie besser, auch wenn wir ihn hassen.

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