Das wohl beste filmische Erzeugnis des Kampfsport – Gurus Steven Seagal ist „Alarmstufe: Rot“. Man darf ihn getrost auch als eines der Genre – Highlights der frühen 1990er Jahre ansehen, obwohl er zweifellos recht unverhohlen „Stirb langsam“ kopiert (und im übrigen damit eine „Stirb langsam“ – Fortsetzung, die auf einem Ozeanriesen spielen sollte vereitelte).
Doch es ist die Variation die zählt und im Gegensatz zu Seagals anderen Filmen, scheint hier (fast) alles zu stimmen. Dies beginnt mit der passenden Namensgebung für die von Seagal gespielte Hauptfigur und der Rollengestaltung an sich, so dass der Charakter perfekt auf ihn zugeschnitten ist und er keine großen Probleme hat ihn auch auszufüllen. Denn den geborenen Kämpfer zu spielen, der als Chef der Kombüse reichlich deplaziert wirkt, das kann Steven Seagal auch ohne schauspielerisches Talent perfekt bewerkstelligen. Der Anblick von Steven Seagal mit Kochmütze ist einfach köstlich, wobei wir beim nächsten großen Pluspunkt für „Under Siege“ wären, dem Hang zur Selbstironie. Dieser macht sich den gesamten Film über bemerkbar, mal mehr, mal weniger. Neben dem erwähnten Kochmützen – Anblick machen auch andere Szenen Laune, z. B. die lässige Unterredung Rybacks mit dem Pentagon inmitten eines Feuergefechts.
Auch die Bösewichte sind voller ironischer Spielfreude und teuflischem Charme. Tommy Lee Jones wirkt mit seiner Rocker - Montur und seinen Cartoon-Zitaten ständig high und scheint selbst einem Comic entsprungen. Dagegen kann Gary Busey eigentlich nur verlieren, doch auch er bleibt einem, vor allem dank seiner ausgeflippten Travestie – Show, im Gedächtnis.
Das Eye – Candy für die männlichen Zuschauer ist hier Baywatch – Nixe Erika Eleniak, die für diesen Film extra die Rettungsboje beiseite legte. Das Ex – Playmate präsentiert hier auch einmal kurz eindrucksvoll ihre Vorzüge und macht für den Rest des Films auch eine gute Figur. Ihre Filmkarriere sackte hier nach jedoch in den C – Film – Bereich ab.
Das ganze ist vom Action – Routinier Andrew Davis auch ausgesprochen gelungen umgesetzt worden. Die Inszenierung wirkt rasant und auch elegant. Dadurch das tatsächlich auf einem Kriegsschiff gedreht werden konnte, gewinnt der Film natürlich deutlich an Authentizität, unabhängig davon wie überzogen die Schurken manchmal wirken. Hierbei nutzt Davis äußerst effektvoll die labyrinthartigen Gänge des Schiffs für die Action - Sequenzen, die natürlich Seagal – typisch meist recht brutal ausfallen.
Negativ fallen an dem Film lediglich einige kleinere Durchhänger in der ersten Hälfte auf. Insgesamt gilt jedoch: „Alarmstufe: Rot“ ist kurzweilig, elegant und mit augenzwinkernder Ironie inszeniert, mit einem coolen Helden und ausgeflippten, einprägsamen Schurken. Ein Fest für Action – Fans.
8 / 10