Wenn es einen Actionfilm gibt, auf den sich selbst Seagalkritiker einigen können, dann ist es „Alarmstufe Rot“. Entstanden im Jahre 1992, also im Jahr vier nach „Stirb Langsam“, schwamm der Film auf der Erfolgswelle des genannten Hochhausthrillers, der die Actionszene eindeutig und nachhaltig umgekrempelt hatte. Dabei ist „Alarmstufe Rot“ nur die Variation des gleichen Themas, die allerdings packend und gut gemacht war. Statt eines Hochhauses wurde hier ein Kriegsschiff von Terroristen gekapert. Die ganze Crew wurde gefangen genommen. Die ganze Crew? Nein, ein einsamer Kämpfer für das Gute und Gerechte setzt sich mit allen Mitteln gegen die scheinbare Übermacht zur Wehr...
Steven Seagal trat damals in die Fußstapfen dieses Kämpfers. Wie Bruce Willis in „Stirb Langsam“ mischt er als Schiffskoch (aber natürlich ehemaliger Elitesoldat) die Terroristen nach und nach auf. Was Seagal Willis in in Sachen Schauspielkunst nachstand, machte er durch den Einsatz von fernöstlichen Kampfsportarten wieder wett. So fällt es in dem Film kaum negativ auf, dass Seagal sich wirklich mit nur einem Gesichtsausdruck (gerunzelte Stirn) durch die Gegnerhorden kämpft. Regisseur Andrew Davis inszenierte den Actioner so packend, dass weder die abgekupferte Story noch Seagals eintöniges Spiel negativ auffielen. Im Gegenteil: Tommy Lee Jones als fieser Altrocker (sic!) und Gary Busey als durchgeknallter Offizier geben sehr gute Bösewichte ab, die durch die massive Charakterüberzeichnung schon fast an Comicschurken erinnern. Vermengt wurde das ganze mit dem ehemaligen Playmate Erika Eleniak (die auch in einer Szene blank zieht und offene Münder des damaligen Zielpublikums erzielte) und einigen brutalen und harten Einlagen (Schulter in Kreissäge, Finger in Auge, Gurgel in Faust) und fertig war das erfolgreiche Mainstreamactionkino der frühen 90’er Jahre. Weder vorher noch nach dem Film ging diese Rechnung für Seagal so gut auf. Genaugenommen zehrt er bis heute von dem Erfolg von „Alarmstufe Rot“, denn er bewahrt Seagal davor in völlig unterklassigen Produktionen mitspielen zu müssen, wie es sein Bruder im Geiste Michael Dudikoff machen muß... Seinen Status als A-Actionstar verspielte sich Seagal später durch ein massives Ököbewußtsein (z.B. „Auf brennendem Eis“ oder „Der Patriot“), konnte in „Exit Wounds“ nochmal punkten und dreht zur Zeit mal bessere und mal schlechtere B-Actioner. Die Fortsetzung „Alarmstufe Rot 2“ variierte das „Stirb Langsam“-Thema nur unwesentlich, indem es auf einen Zug verlegt wurde. Dabei kam die Fortsetzung zu keinem Zeitpunkt an den ersten Teil heran.
„Alarmstufe Rot“ ist sehenswertes, aber dennoch typisches Actionkino der 90’er. Von den zahlreichen „Stirb Langsam“-Kopien und Rip Offs nimmt es eine der vorderen Platzierungen ein. Na immerhin... Innerhalb von Seagals Filmografie sowieso! „Alarmstufe Rot“ ist ein guter Tipp für ne gepflegte Videoparty mit Chips, Bier und Kumpels. Der Satz „Ich bin hier nur der Koch“ wird für gepflegtes Gejohle und ein Glitzern in den Augen der Anwesenden sorgen!
Fazit:
8/10