Als alter Fan der 80er-Jahre-Actionfetzen wie z.B. "Road House" oder "Stirb langsam" kann ich mich der Anklage, sie wären reaktionär, naiv und stellenweise hohl natürlich nicht widersetzen - was ich auch gar nicht vorhabe: im Gegenteil! Genau das machte ja den Reiz dieser Filme aus. Ungerechtfertigte und übermäßige Gewalt!
Der schmächtige Hüne Seagal war zwar nie ein Schwarzenegger, Stallone oder Van Damme, hat aber seinen Ehrenplatz in der Loge der Actionstars durchaus verdient, wie ich finde. Seine minimalistische Mimik und das fehlende Schauspieltalent machte er durch seine Größe und die bis dato relativ unbekannte Kampfkunst Aikido wett. PS: Für mich eindeutig einer der Gründe, warum ihm der große Wurf versagt blieb. Aikido ist einfach keine Prügel-Kampfsportart...aber gehen wir nicht weiter darauf ein.
Mit diesem, seinem einzigen, A-Klasse-Actionfilm hat er eindeutig bewiesen, dass er durchaus das Zeug zum Hollywood-Blockbuster-Helden hat.
Zur Story:
Das Kriegsschiff Missourri soll außer Dienst gestellt werden und tritt dazu seine Abschiedsfahrt an, die schon bald unterbrochen werden soll. Die eingeflogene Band samt Caterer, die eigentlich den Geburtstag des Kapitäns feiern sollten, entpuppen sich als Söldner unter der Führung des durchgeknallten Ex-CIA-Agenten Strannix (Tommy Lee Jones), der mit dem schmierigen Ersten Offizier (Gary Busey) zusammenarbeitet.
Nach einer gut geplanten und ausgeführten Übernahme des Schiffes müssen die "Terroristen" allerdings feststellen, dass sie etwas übersehen haben: den Schiffskoch, der nach einem Disput mit dem Ersten Offizier, in einem Kühlraum eingeschlossen ist. Dieser stellt sich nämlich als Freund des Kapitäns (der ihm mit der Einstellung als Koch einen Gefallen getan hat) und Ex-Navy Seal heraus.
Und so kommt es wie es kommen muß...der ehemalige Supersoldat beginnt einen Ein-Mann-Feldzug gegen die Eindringlinge und beweist dabei seine Fähigkeiten.
Zugegeben, die Story selber ist ein Abklatsch von "Stirb langsam", aber bei weitem nicht so einfallslos wie "Passagier 57", den ich für total überschätzt halte. Einige vorhersehbare Twists gibt es bei solchen Filmen immer, dafür ist die Action hier allererste Sahne. Vom Feinsten, was Regisseur Andrew Davis hier vom Leder zieht - Respekt!
Explosionen, Schießereien und Schlägereien soweit das Auge reicht und mit dem entsprechenden Härtegrad versehen, dass es wirklich Spaß macht. Die 18er Freigabe ist vielleicht nicht unbedingt gerechtfertigt, aber gut. Wer versteht schon die FSK?
Zu den Darstellern:
Steven Seagal nutzt seine erwähnten nicht vorhandenen Schauspielkünste natürlich voll aus und mimt den coolen Superhelden. Stellenweise vielleicht ein wenig zu überheblich, dafür aber weit realistischer als seinerzeit Kollege Schwarzenegger (siehe "Commando").
Tommy Lee Jones gibt den Verrückten natürlich im Schlaf, Gary Busey spielt für seine Verhältnisse relativ gut und Erika Eleniak ist nur ein blondes Anhängsel, dass dumme Sprüche von sich geben darf. Insgesamt eigentlich ganz passend, wie ich finde.
Zum Soundtrack:
Sehr eingängliche Synthi-Sounds, das Haupt-Theme ist heute noch mein Ohrwurm. Sicher einer der Gründe, warum es in "Auf brennendem Eis" ähnlich weiterverwendet wurde. Nichts Besonderes, aber passend zum Film.
Fazit:
Relativ harter Ein-Mann-Armee-Reisser mit hervorragender Action, der über die ganze Lauflänge unterhalten kann. Seagal's filmischer Höhepunkt. Einziger Nachteil ist die Tatsache, dass sein Charakter auf wirklich JEDE Lage die passende Antwort hat und niemals die Fassung verliert - siehe Schauspieltalent.
Von mir gibt's 9/10 Punkten. Empfehlenswert!