Review

Die Kritik beruht auf der ungeschnittenen Originalversion!

"*Die Party macht Navy-Geschichte!"* (Originalzitat)

"*Alarmstufe: Rot*" von Andrew Davis schrieb zwar keine Filmgeschichte, sorgte aber nach "*Zum Töten freigegeben*" und "*Nico*" (ebenfalls unter der Regie von Davis) für Steven Seagals endgültigen Durchbruch zum neuen Actionstar der 90er Jahre, der - solange er noch die Hälfte seines heutigen Körpergewichts wog - mit ausgefeilten Kampfeinlagen und stets eindimensionaler Schauspielkunst überzeugte, fernab jeglicher mimischer Vielfalt oder Ausdrucksstärke.

"*Alarmstufe: Rot*" und dessen Fortsetzung zählen dann auch zu Seagals erfolgreichsten Leinwand-Auftritten. Spätere Werke wie seine Selbstinzenierung als mysthischer Öko-Held in "Auf brennendem Eis" oder auf den Spuren klassischer Buddie-Movies in "*Glimmer Man*" waren weit weniger erfolgreich.
"*Fire Down Below*" wurde hierzulande nur noch auf Video und DVD veröffentlicht, während mit steigender Gewichtszunahme die Qualität seiner Werke rapide abnahm. So schnell wie der kommerzielle Erfolg gekommen war, so schnell kam der Abstieg als Kampf-Klopps in qualitativ minderwertigen B-Movies, preisgünstig in den Ostblock-Staaten gedreht und *Direct-To-DVD* in hiesige Videotheken-Ketten importiert.
Mit "*Exit Wounds*" von Erfolgs-Produzent Jon Silver hätte Seagal das Comeback gelingen können, doch er blieb seinem Gewicht und seiner schlechten Rollen-Auswahl sklavisch treu ergeben.
In Robert Rodriguez´"*Machete*" war er seit fast zehn Jahren erstmals wieder in einer großen Studio-Produktion zu sehen und überzeugte im Finale mit einer Sterbeszene von beachtlichem Schauspieltalent.

Warum allerdings "*Alarmstufe: Rot*" in Fankreisen als Seagals bester Film gehandelt wird, entzieht sich meiner Kenntnis, denn selbst storytechnisch ist der Film nichts weiter als ein müder Abklatsch und zusammenfassend lässt sich das Werk als * "*Stirb langsam*" auf hoher See mit Anleihen bei "*Sprengkommando Atlantik*" * bezeichnen.

Während "*Stirb langsam*" mit Bruce Willis über einen charismatischen Darsteller verfügt, wirkt Seagals Spiel in jeder seiner Szenen bemüht und sehr krampfhaft. Seine schauspielerische Talentlosigkeit wird nur noch vom maßlosen Overacting eines Gary Busey übertroffen, der in seinem peinlichen Auftritt im Tuntenfummel besser in der Neuverfilmung von "*Ein Käfig voller Narren*" aufgehoben gewesen wäre.
Diese infantile Verkleidungsposse gibt genauso wenig einen Sinn wie die Teilnahme von Ex-Baywatch-Strandhase Erika Eleniak, die als *Miss Juli 92-Playmate* Jordan Tate zwar einen der wenigen optischen Schauwerte bietet, der aber auf den Verlauf der gesamten Handlung keinerlei Einfluss hat: sie springt mit großkalibrigem Geschütz aus einer Torte und lässt bei männlichen Zuschauern den Blutdruck gefährlich ansteigen. Ihre Frisur ist haarsträubend - aber ihr Vorbau sieht zum Anbeißen aus.
Tommy Lee Jones, der profilierteste Darsteller an Deck des Kriegsschiffes *Missouri*, wirkt neben Seagal derart unterfordert, dass seine Performance eines ganz besonders irren Irren das schauspielerische Gleichgewicht dann wieder herstellt - doch so richtig mag man ihm den Schurken auch nicht abnehmen.

In der ersten Hälfte wechseln sich schwachsinnige Dialogperlen wie "*Jetzt weiss ich, warum Sie Koch sind. Weil Sie so ranzig riechen!*" oder "*Ich weiss nicht, mit wem Sie reden, denn es ist niemand hier, der Ihnen zuhört!*" mit witzlosen Kalauern ab, während das eine oder andere Feuergefecht den gelangweilten Zuschauer vor dem Tiefschlaf bewahrt.
"*Alarmstufe: Rot*" ist teilweise sehr geschwätzig und einfallslos, die klaustrophobische Atmosphäre innerhalb des engen Kriegsschiffes wird nicht effizient ausgenutzt, so dass der mickrige Action-Anteil der ersten Hälfte schnell zur unspektakulären Nummernrevue verkommt, bei der sich mäßige Fights und Schießereien abwechseln.
Die zweite Hälfte des Actionspektakels erscheint dann auch wesentlich action- und temporeicher, so dass dem Unterhaltungswert ein leichter Aufschwung widerfährt.

Insgesamt gesehen ist aber "*Alarmstufe: Rot*" nur ein durchschnittlicher Actionfilm, der teilweise so steif wirkt wie die Gesichtsmuskulatur seines mimisch überforderten Hauptdarstellers.

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