„Wer Böses tut, wird Pumpkinhead ernten...“
Stan Winstons Regiedebüt „Pumpkinhead“ zählt seit Jahren zu den wohl heiß begehrtesten Horrorstreifen der 80er Jahre und hat in Laufe der Zeit eine große Fangemeinde gewonnen. Nüchtern betrachtet wird der Film aber viel zu überbewertet und hat seinen Kultstatus nur bedingt verdient. Doch bevor ich jetzt die ersten Morddrohungen bekomme, sei es mir erlaubt den Grund meiner blasphemischen Meinung darzulegen.
Stan Winston ist ein wirklich großartiger Effektzauberer, was man schon bei “Terminator“ und “Aliens – Die Rückkehr“ sehen konnte. In “Pumpkinhead“ wird zwar Atmosphäre groß geschrieben und die Sets-Designer haben hervorragende Arbeit geleistet und offenbaren uns eine typische, obgleich klischeebehaftete schmutzige Hinterwäldler-Landschaft in der mal wieder nur die Stadtbewohner Wasser und Seife zu kennen scheinen. Dieses übliche Klischee ist nicht weiter schlimm, schließlich sorgt es so für eine düstere Grundstimmung, in der man das Gefühl hat, man könnte in den heißen Sommertagen den Schweiß auf der Haut der Darsteller förmlich riechen. Die spärlich ausgefallenen Effekte können jedoch nur bedingt überzeugen. Wer Winstons Arbeit kennt, weiß eigentlich, dass eine Schnittwunde nicht so offensichtlich nach einem Effekt aussehen sollte und das Blut nicht hinter dem Messer aus einem Schlauch herausläuft. In diesem Punkt, der mir persönlich erst jetzt störend aufgefallen ist, kann Winstons mit seiner angeblichen Liebe fürs Detail nicht sonderlich begeistern. Auch kommt es mir oft so vor, als wäre “Pumpkinhead“ für ihn nur eine einfache Auftragsarbeit gewesen, so würde die Geschichte um den Rachedämon soviel her geben, dass man daraus eine Endlosserie machen könnte, jedoch verpatzt man hier schon die recht guten Ansätze durch zügellose Einfallslosigkeit. Viel zu lange dauert es, bis der Rachedämon überhaupt in Erscheinung tritt nur um dann die paar Jugendlichen schnell und uninspiriert zu dezimieren. Blut fließt hier kaum, was auch nicht gerade tragisch ist, aber es fehlt bei den Angriffen des Monsters einfach an der nötigen Spannung und den Ideen. Winston schafft es nicht seine wirklich beeindruckende Kreatur so in Szene zu setzten, dass man ihre Erhabenheit und Macht zu spüren bekommt. Viel mehr scheint es nur darauf angelegt zu sein, den Film so schnell wie möglich zu beenden und da für das Monster sowieso nur knapp 20 Minuten übrig bleiben und man es im Film insgesamt höchstens 6 Minuten richtig sieht, ist das Fazit doch etwas enttäuschend.
Dabei werden uns so viele wirklich schöne Ansätze geboten, die aber nie bis zum Ende hin wirklich durchdacht sind. Das Auftreten des „Pumpkinheads" in einer zerfallenen Kirche z.B. gehört optisch zu den Highlights des Films. Mit ein wenig Wind und Kunstlicht wird der Dämon unheimlich mächtig und imposant in Szene gesetzt. Wie der Dämon auf einem Baum sitzt und ein Mädchen runterwirft oder er auftritt in der Baumhütte, sind klasse Momente, gleichzeitig will jedoch bei der Verfolgung der Protagonisten nie so richtig Spannung aufkommen. Man schafft es einfach nicht die dürftige Rachestory auf 90 Minuten zu strecken ohne dabei auf belanglose Dialoge zurückzugreifen. Auch der eigentliche Ausgangspunkt für das Beschwören des Dämon ist nur bedingt nachvollziehbar und wenn der kleine Junge mit seinen kleinen Füßen durch das Feld läuft, sieht es schon etwas unbeholfen aus, dass niemand der Älteren den Jungen aufhalten kann. Nun, dies sollte ja auch nicht so sein, denn wir brauchen ein Opfer.
Lance Henriksen gehört in “Pumpkinhead“ zu den einzigen wirklich bekannten Gesichtern im Film und spielt die Rolle des allein erziehenden Familienvaters, der seinen Sohn durch ein paar Juppies verliert, sehr überzeugend, obgleich man den Charakteren etwas mehr Leben hätte einhauchen können. Genug Zeit hatte man hier durchaus. So geht es doch nach einer Stunde erst so richtig los. Gerade die etwas oberflächliche Abhandlung der Darsteller (niemand der anderen Personen ist wirklich erwähnenswert) tut dem Endresultat unbedingt gut. So gibt der Vater den Stadtjuppies die Schuld am Tod seines Sohnes, dabei ist er ganz alleine Schuld, so lässt man sein Kind auch nicht alleine zurück. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Tiefe gewünscht, aber dafür ist die Idee, dass der Beschwörer des Rachedämons mit der Kreatur eine Art Seelenverwandtschaft eingeht wirklich klasse und durchaus ausbaufähig.
Ich will mich jetzt auch nicht an Logiklöcher festklammern, die findet man schließlich in jeder zweiten Genre-Produktion zur Genüge. In erster Linie soll ein Film ja auch Spaß machen und unterhalten. Beides funktioniert bei “Pumpkinhead“ aber nur bedingt. Hier wäre mehr auch deutlich besser gewesen. Die gelungene und düstere Atmosphäre und die interessante Ausgangsstory in Verbindung mit mehr Monstern, mehr Opfern und mehr Effekten und Stan Winstons Debüt hätte den Kultstatus mehr als nur verdient. Schließlich ist der „Pumpkinhead“ eine wirklich furchteinflösende und beindruckende Figur im Horror-Genre, welche leider nie die Ehre erteilt wurde, die sie verdient hätte. Das liegt aber weniger an Winstons zwar routinierter, jedoch etwas zurückhaltende Inszenierung als vielmehr der etwas fehlgeschlagenen Titelgebung. In Deutschland ist der Film unter dem beknackten Titel “Das Halloween-Monster“ in den Videotheken total untergegangen und in den USA wurde der Titel “Pumpkinhead“ von einigen Kritiker stark kritisiert, da der ursprüngliche Titel Vengeance: The Demon lauten sollte und grundlegend besser zum Film passen würde. Doch zumindest die Fans in Deutschland haben den Originaltitel “Pumpkinhead“ lieb gewonnen und irgendwie kann man sich auch nichts anderes mehr vorstellen und so wie die Geschichte eine etwas bessere Umsetzung verdient hätte, so hat die Hauptfigur im Film mehr Aufmerksamkeit verdient.
Trotz gewisser Schwächen zeigt man uns, dass Hollywood auch in der Lage sein kann, mit einem Budget von läppischen 3,5 Millionen Dollar und recht unbekannten Darstellern einen atmosphärischen Horrorfilm zu schaffen dem man ein gewisses Flair nicht absprechen kann. Winstons Schöpfung hätte genügend Potential um eventuell auch in einer größeren Produktion und unter anderer Regie zu brillieren, jedoch begrub Jeff Burr 1993 den „Pumpkinhead“ dank einer katastrophalen Fortsetzung frühzeitig, die weder Atmosphäre noch Spannung bot, sondern nur mehr Gewalttaten, die man als Fan des erstens Teils nicht unbedingt brauchte. Schade, denn hier wurde ein Monster erschaffen, was endlich mal wieder für richtig Grusel hätte sorgen können.
Fazit:
“Pumpkinhead“ ist ein klassischer Monster-Horror vom Effects-Guru Stan Winston und überzeugt durch eine düstere Atmosphäre und eines der beeindruckendsten Monster-Kreationen der Filmgeschichte. Leider schafft man es nicht die dünne Story durchweg spannend umzusetzen. Dennoch ist “Pumpkinhead“ eine kleine Perle im Vergleich zu den ganzen 80er Jahre-Video-Massenproduktionen.