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Pilotfilm #11: Der Anschlag (2010)

Pilotfilm #11: Der Anschlag (2010)


Mysteriöse Andeutungen eines Informanten, Details erst später, nichts genaues weiß man nicht. Konspirative Treffen auf einem Parkhausdach, ganz früh am Morgen, die meisten Leute schlafen noch. "Die Jagd kann beginnen" heißt es beizeiten, die Verbrecher sind schon wach, der erste Tote noch bei Tagesanbruch, die Informationen bleiben wage, das folgende Gemetzel umso intensiver. Die Kugeln fliegen fleißig, die Autos noch viel weiter. Draufhalten und dranbleiben ist die Devise, nicht zurückhalten, führerlose Luxuslimousinen werden als Bremsklotz angesetzt und durch Baustellen geschleudert, Hubschrauber durch Dutzende explodierende Ölfässer vom Himmel geholt und eine ganze Kolonne Polizeiwagen in das Jenseits des Schrottplatzes katapultiert. Das Genre hier ist Action, plus Thriller, aber erst später, dazwischen kommt die Komödie, der Klamauk, die Unterhaltung zur Primetime. An- und eingeschnitten wird der Pocher, ein Gaststar von früher, die Art des Humors kann man sich denken, wie die Action eher laut und eher drüber. Auch unabhängig davon ist der Ton nicht so düster wie später in den Jahren, läuft hier die Entertainmentmaschine auf vollen Touren, mit durchgedrehten Gaspedal und knalliger Ansage. 'Chaos' und 'Zerstörung' sind die Spitznamen der beiden Cops hier, große Klappe und nichts dahinter, auch fort folgend wird den Kriminellen eher nachgeheizt und auch hinterhergeschaut, den Anweisungen der Vorgesetzten misstraut und weiter durch Köln und Umgebung den Pfad der krachledernen Destruktion beschreitet.

50.000 Volt. Besser du redest. Sonst leuchten deine Eier gleich im Dunkeln.“ - “Geil. Welche Farbe?
Das Buddy Picture steht hier weit oben, plus dem zum Leben erweckten Comic Strip, Tote und Verletzte werden im happy-go-lucky Modus ignoriert; die (in 20 Drehtagen gestemmte) Erzählung (eine Art Variation und Fortsetzung zu Das Ende der Welt) funktioniert auch unabhängig von der umrandenden Serie, die Rollen sind fest umrissen und die Funktionen mehr als deutlich begleitet. Es gibt einen Bösewicht, es gibt ein Geheimprojekt, des gibt die guten Cops und zu beschützende Zivilisten, darunter der nächste Gaststar, die nächste Prominenz durch Wolke Hegenbarth, eine herbe Schönheit, die hier eingangs (und später auch) aber als 'Fräulein Oberschlau' und damit wenig sympathisch wirkt und auch das Männerbündnis störend. Bald wird wieder geschossen und die Verbrecher können wieder entkommen, es geht viel zu Bruch, diesmal in einem Bürokomplex, aber die Trefferwirkung und auch der dramaturgische Effekt sind insgesamt verhalten.

Später wird aus den einzelnen und sich stets selbst wiederholenden Einzelheiten dann ein Plot draus, ein dünner zwar und einer, der schon zu Beginn durch die Andeutungen erkenntlich war und nicht wirklich zugenommen hat über die erste Hälfte der Laufzeit, aber der mit einer großangelegten Entführung auf der B8 und einer darauffolgenden Erpressung etwas zu Potte kommt und buchstäblich zur verdichteten Materie wird. Es geht in ein Energieforschungsinstitut und in ein Bergwerk, es geht auch in die Tiefen der Trivialität und dort auch eine wenig in die fremd schämende Peinlichkeit, es geht in den Wissenschaftshokuspokus und final wird noch eine Superwaffe, ein wahrhaft explosiver Angriff der “Vier Reiter der Apokalypse“, Der Anschlag halt aus alledem gewebt.

5.5/10

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