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Pilotfilm #13: Engel des Todes (2012)

Pilotfilm #13: Engel des Todes (2012)


In New York startet das Unheil, das Chaos, die Zerstörung, in New York auch die Geschichte vom Engel des Todes, gespielt von Manfred Lehmann, der für seine Mission eine Reihe furchterregender Gestalten, “tapfere Männer, Männer ohne Furcht, und ohne Mitleid“ plus Bruderherz Ralf Moeller noch anheuert und dann auf die große weite Welt, also Köln und Umgebung los und dort herumpoltern lässt. Kriege geführt und Schlachten geschlagen werden in den folgenden 90min, man ist bereit, das Schwert zu sein und man ist darauf eingestellt, den RTL Feierabend aufzumöbeln. Entsprechend gibt es gleich die Schießerei auf der A59 Richtung Monheim, schwarze, schwer bepackte SUV mit ebensolchen Maschinengewehren. Bald werden Kühlerhauben aufgerissen, Bomben und ein Öltransporter gezündelt und segelt die Verstärkung in den blauweißen Einsatzfahrzeugen einmal von schief nach schräg über die Autobahn, folgend noch die Durchsperrung zur Gegenfahrbahn durchbrochen und Geisterfahrer und Rammbock zugleich mit einem Lkw gespielt.

Gerkhan ist da nicht dabei, Gerkhan sitzt im LKA, kümmert sich um das Rückgrat der Polizeiarbeit, also Aktenarbeit, wälzt den Papierkram, die Stapel größer als der 'kleine Türke'. Gerkhan sorgt hier für den Gegensatz in der Action, eingangs zumindest, im parallel eingespielten Geschehen auch, dass die Handlung mit gleich mehreren Zutaten anleiert und auch den Pocher schon in seiner wiederkehrenden Gastrolle als Art Ein-Mann-Verschwörungsaufklärung und narratives Alibi einspielt. Folglich kann man sich auf einen Plot einstellen und verlassen, der ähnlich wie bspw. Der Anschlag oder auch Das Ende der Welt abläuft und mit den Zutaten von Komödie bis Klamotte angereichert und die Achterbahnfahrt zur Primetime-Unterhaltung ist. Leichte Kost mit viel Destruktionswut und unsichtbaren Toten, außer dem ersten Opfer auf der A59 und noch einem folgend später, was man zum Anleiern der Prämisse benötigt und für die dramaturgische Schwere. Die Stunts (wie den Beschuss eines vor dem Dom kreisenden Hubschrauber mit in die Luft gejagten Pkw) zahlreich und spektakulär, der Rest erst simpel, mit zunehmender Spieldauer leider auch etwas dämlich.

Wir werden diesem Land zeigen, was Vergeltung heißt...Erst, wenn es vorbei ist, werden sie erkennen, was für Narren sie doch waren.
Gedreht 2012 befindet sich die Serie hier etwas in der Schwebe, die Bilder sind schon teils düster und auf jeden Fall edler, aber der Ton noch nicht so bleiern wie die Jahre später zuweilen und noch nicht als vollumfänglicher Bedrohungs- und Actionthriller. Ein Abschied, noch kein Neuanfang, bald detonieren Autos vor dem Polizeirevier und wird das halbe Gebäude dabei verschlissen. Staatsschutz und Gefahrenabwehr lautet anschließend das Motto und die Devise, es gibt die Störung eines serbischen Waffendeals im Verladehafen, es gibt mitten in der Innenstadt ein Attentat, es gibt Ermittlungen und dabei auch nackte Einsichten in eine Tabledance-Bar, es gibt einen (nervigen) hitchockianischen Unschuldsstrang mit Minderjährigen, und (tief dekolletierte und kurz berockte) Schülerinnen heißen heutzutage 'Florida'. Die Inszenierung hat hier zu viel Michael Bay gesehen und inhaliert und ausprobiert, manches ist überaus aufwändig und gleichzeitig albern, da stellt man sich selbst ein Bein und es nimmt bei mancherlei Szenen und deren hanebüchenen Unstimmigkeiten (der Showdown geht in einer Szene vom Deutschen Eck Koblenz über Köln bis Düsseldorf, gut 150 km also) bis haarsträubenden Unsinnigkeiten (der Teeniequatsch) auch kein Wunder, dass die Serie gemeinhin einen schlechten Ruf geriert.

6/10

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