Review

Der Film beginnt mit zwei ca. 3-minütigen Kamerafahrten ohne Schnitt, bei denen sämtliche Hauptdarsteller vorgestellt werden. Das ist zwar weitaus nicht so eindrucksvoll wie zuvor bei „Spiel auf Zeit“, wo die Eröffnungsszene auf dieselbe Weise gestaltet wurde und sagenhafte zwölfeinhalb Minuten dauert, aber Kenner von De Palmas Filmen fühlen sich auch hier sofort heimisch. Mir als Fan dieses Regisseurs stellte sich nur folgende Frage: kann der auch im Science-Fiction-Bereich auftrumpfen?

Die Antwortet lautet JEIN oder „Ja, aber mit diversen Einschränkungen“. So ist zum Beispiel die erste halbe Stunde ziemlich nichtssagend. Man sieht nur einen CGI-Tornado auf dem Mars, der durch seine Erscheinungsform nichts Gutes verheißt. Das ist typisch für De Palma: er präsentiert eine äußerliche Bedrohung, und lässt den Zuschauer zunächst im Unklaren über den weiteren Vorgang. Ich persönlich fand, dass die Mimik von Gary Sinise (besonders seine Augen und das „kranke“ Lächeln) seit Beginn des Films und spätestens im Weltall das pure Grauen darstellen. Parallelen zu „Event Horizon“ und speziell die Rolle von Sam Neill drangen in mein Bewusstsein, und da der gute Brian früher (Ende 70er / Anfang 80er) auch Thriller-/Horroranteile in seinen Filmen darbot (Sisters, Dressed To Kill), erwartete ich irgendetwas in dieser Richtung.

Weit gefehlt: zunächst entpuppt sich die Rettungsmission für die Opfer des angesprochenen Tornados als hochspannende Angelegenheit. Was ursprünglich als Simulation geplant war, wird schnell blutiger Ernst. Hier (im Mittelteil des Films) entfalten sich die typischen und einzigartigen Trademarks von De Palma: Gefahr + Suspense + nervenaufreibende Musik + unvorhergesehene Ereignisse. Gegen Ende driftet der Film deutlich in Richtung „2001“ ab, was bis zum Showdown, der verdammt „cheesy“ geraten ist, einigermaßen überzeugen kann.

Fazit: Ich mag De Palma und sehe diesen Film im Kontext seines Gesamtwerks. Er ist thematisch anders gelagert (Science Fiction) als z.B. „Carrie“, „Scarface“ oder der bereits erwähnte „Spiel auf Zeit“, aber stilistisch mit diesen Werken und anderen seiner Werke durchaus vergleichbar. Mag sein dass Nichtfans ihn mit anderen Augen betrachten, aber selbst dann bekommt man immer noch ein unterhaltsames und teilweise wirklich spannendes Drama mit Happy End auf der Meta-Ebene geboten. Ich rechne einen Sympathiepunkt für diesen Meisterregisseur dazu und freue mich wirklich über die Erkenntnis, zumindest „2001 für Dummys“ (siehe Wikipedia zu MTM) verstanden zu haben, da mich Kubricks Adaption von 1968 aussagetechnisch bisher im Unklaren ließ.

Spoiler!

Ich persönlich hätte mir gewünscht, dass Luke und Terry es nicht rechtzeitig zum Abflug schaffen. Dann wäre Phil als Nichtzeuge der außerirdischen Existenz zur Erde zurückgekehrt, während Jim auf Nimmerwiedersehen in ferne Galaxien verschwindet. Auf diese Weise hätte es eine Erkenntnis gegeben, welche die Spezies Mensch theoretisch voranbringen würde, ohne dass diese letztendlich in den Genuss dieser Weiterbildung kam, sozusagen ein „happy“ und „unhappy end“ in einem. Aber man kann nicht alles haben, und ich gebe trotzdem knappe 7 von 10 Punkten.

Details
Ähnliche Filme