Review

Was sollte „Mission to Mars“ bloß werden, bevor es fertig war – das ist interessanter zu erkunden, als der fertige Film selbst. Es kann ja wohl bloß eine Auftragsarbeit für Brian de Palma gewesen sein, den erklärten Meister der Thriller-Suspense, dass er sich auf so einen blassen, vorhersehbaren Popcorn-Space-Opera-Flopbuster eingelassen hat.

Ein famoser Cast holpert sich da durch einen Film, der eine interessante erste Begegnung mit dem nächstliegenden Planeten neben der Erde hätte werden können, aber wohl auf Befehl sf-esoterisches Terrain betreten mußte.
Funktionieren tut allerdings keines der Elemente, die verbraten wurden.

Es beginnt gemütlich mit der Abschiedsparty vor dem Start, wo seltsamerweise alle abzureisenden Astronauten privat einen losmachen dürfen, samt Bier und Barbequeue, wobei sich alle natürlich herzlich lieb haben. Der Commander der Startcrew hat natürlich eine dolle Family und Gary Sinise hat seine Frau verloren und ist deswegen wieder aus der Mission gestrichen. Nachtigall, ick hör dir trapsen.

Das erste Betreten des Mars ist dann auch überhaupt kein Thema, wie überhaupt die Entdeckung eines neuen Planeten für alle so aufregend scheint, wie eine Tüte Mondgestein.
Aus einem Hügel steigt auch alsbald ein Sandstrudel auf, macht die Expedition platt, läßt den Familiencommander übrig und legt ein Alienface frei. Yuppie, noch Fragen?

Alles weitere kommt vom Reißbrett und gerät doch doof wie Toast. Da ist Sinise sofort als Fliegeras sofort mit von der Partie, Armin Mueller-Stahl als Mission Control darf anscheinend allein über Startbewilligungen entscheiden und die Rettungsmission wird so fix losgeschickt wie ein simpler Flugzeugstart. Zwischendurch öden den Zuschauer harmonische Szenen in Schwerelosigkeit an, die schon seit Kubrick keinen mehr begeistern können, wo wir doch alle wissen, daß dank des Zusatzes „and“ in den Vortiteln Tim Robbins den Film nicht überleben wird. Vor Ort zerlegt es das Raumschiff flugs in Einzelteile und eine Rettungsumsteigeaktion wird zum Human Drama.

Unten pfeift der Marswind durchs Zelt, in dem der Commander (Don Cheadle als Quotenschwarzer) seit Monaten an Topfpflanzen knabbernd ausharrt, die ihn mit Sauerstoff versorgen. Obwohl das Teil wie Ayers Rock in der Landschaft liegt, hat das Alien Face niemand von oben gesehen oder geortet, obwohl sie sogar die drei Gräber auskundschaften konnten. Mein Lieblingssatz läßt einen Astronauten fragen, warum es denn nur drei wären. Ja, zu viert hätten sie sich wohl selbst eingraben müssen!
Unten wird erst mal die US-Flagge aufgestellt (eine selten sinnlose Aktion, denn das dürften die anderen schon gemacht haben), dann nach Überlebenden gesucht.

Der Rest vom Fest (und das ist nicht mehr viel) ist das Eindringen in den Alienkomplex, wo der Film binnen fünf Minuten die Idee hinter Akte X (das Leben auf Erden kam aus dem Weltraum) mal eben walt-disney-like feucht aufwischt und nebenbei ein Alienhologramm präsentiert, dass Onkel Walt und Konsorten nicht niedlich-sympathischer aus dem Ärmel hätten schütteln können. Ach ja, und wer schon keine Frau mehr hat, kann auch gleich als Menschenbotschafter zu den Sternen reisen.

Es ist schon verblüffend, wie wenig überraschend das Endprodukt ausfällt, zusammengebastelt aus allen möglichen SF-Filmen, angefangen bei „Apollo 13“ über „2001“ bis zur knuddeligen Alien-Variante. Wenn wir wollen, können wir das unaufdringlich, relativ gewaltfrei und dramatisch aufbereitet nennen, es erscheint aber bloß platt, forciert und einschläfernd. Die Tricks sind zwar zeitweise passabel, hauen aber kein Marsmännchen mehr vom Tresen. Müller-Stahl hielt sich aus Credits sinnigerweise raus und spielte ein uncredited Cameo – wenigstens ein schlauer Zug an einem blöden Film (3/10)

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