Review

Mittlerweile gibt es ja einen ganzen Haufen von Filmen, die auf das pseudo-dokumentarische Material einer Handkamera zurückgreifen. In vielen Fällen funktioniert das, denn es vermittelt das Gefühl, beim Kameraträger hautnah dabei zu sein, wobei Gefahren nicht unmittelbar erfasst werden und durch ungewöhnliche Perspektiven beklemmende Bilder entstehen können.
Beim vorliegenden Streifen ist das jedoch anders, denn die Art und Weise wie die Handkamera hier zum Einsatz kommt, wirkt von vorne bis hinten völlig konstruiert und unglaubwürdig.

Die Geschichte beginnt mit einem recht alltäglichen Schicksal eines Menschen in den USA: Amelia hat finanzielle Probleme und eine kranke zweijährige Tochter. Bei einer Freundin lernt sie strippen und nimmt vertretungsweise einen lukrativen Job bei einem Reichen an, der sich jedoch als religiöser Fanatiker entpuppt und bereits mehrere Frauen durch ein Martyrium aus Folter und Gehirnwäsche schickte…

Die Exposition verdeutlicht mit einigen Textpassagen, dass es sich bei dem Material um einen Fund in einer Klinik in Liechtenstein handeln soll, in der anbei 14 Tote entdeckt wurden. Allerdings begleiten wir zunächst Amelia und ihren Freund Will im Alltag, wobei bereits auffällt, dass die Kamera Leute wie einen aufdringlichen Partygast aufzeichnet, die niemals mit dem Filmen in einer derartigen Situation einverstanden wären.
Später, als sich Amelia mit einigen Leidensgenossinnen in der dubiosen Klinik befindet, wechselt die Kamera wiederum recht willkürlich den Träger und ist überraschenderweise immer dort, wo etwas geschieht.

Nur leider passiert eben nicht allzu viel, denn bei angedeuteter Folter, fanatischem Geschwafel und zaghaften Befreiungsversuchen, bleibt die Spannung meistens auf der Strecke, zumal nicht gerade viel Bewegung im Spiel ist.
Immerhin gibt es für Gorehunde ein paar kleine passable Einlagen wie Kopfschüsse, aufgerissene Haut als Folge von Peitschenhieben und einige Elektroschockstöße.
In einer etwas ominösen Szene werden einer Frau die Schamlippen abgeschnitten, allerdings ist der Operierende mit der breiten Schulter vor der expliziten Stelle, so dass sich der Schmerz eher im Kopf des Betrachters abspielt. Auch die Amputation eines männlichen Geschlechts wird erst von der Kamera erfasst, als sich der Betreffende das Gedöns mit den letzten Sehnen und Hautresten vom Körper zieht, - nicht schön, jedoch ereignet sich demzufolge überhaupt mal etwas.

Denn trotz einiger Cameos und dem Einsatz namhafter Darsteller wie Michael Rooker, einem 30-Sekunden-Auftritt von Tony Todd, der recht charismatischen Performance von Graham McTavish als Bösewicht und der grundsolide agierenden Hauptdarstellerin Marieh Delfino als Amelia, bleiben sämtliche Figuren recht schwach charakterisiert, während die Motive und Beweggründe des Irren zu schwammig bleiben und nicht wirklich klar wird, was außer der Befreiung von Sünden und der Wiederherstellung moralischer Reinheit das Ziel der Mission sein soll.

So dümpelt die Handkamera recht ziellos durch das lahme Geschehen, welches lediglich durch einige wenige Splatterszenen aus der Lethargie gerissen wird. Jene sind auf technisch ordentlichem Niveau inszeniert und in Ansätzen vermag auch die trostlose Einrichtung der Klinik punkten. Doch die Unglaubwürdigkeiten in Sachen Handkamera rauben dem Streifen, gemeinsam mit dem kontraproduktiven Einsatz von musikalischer Untermalung jede Form von Glaubwürdigkeit. Im Gegenteil, passagenweise driftet er ins unfreiwillig Komische ab, - ein Begleitumstand, der aus dem undurchdachten Drehbuch resultiert und letztendlich nicht das einzige Ärgernis dieses kaum originellen Werkes darstellt.
3,5 von 10

Details
Ähnliche Filme