Review

Bis Ende der 90er war er die große Koryphäe des italienischen Erotikfilms: Tinto Brass. Doch dann begann sich der Stern des Maestros zu senken, da er die Klasse seiner Filme nicht mehr halten konnte. Ein Grund mehr, noch einmal seine früheren Werke Revue passieren zu lassen. Leider jedoch stellt „Miranda" kein Highlight im Schaffen des Mannes dar, der mit „Caligula" seinerzeit einen saftigen Skandal provozierte.

Die Story: Italien zu Zeiten des 2. Weltkriegs: Miranda (Serena Grandi) ist die Wirtin eines Wirtshauses in der Po-Ebene und wechselt ihre Liebhaber ebenso wie ihre Unterwäsche. Ob ein alternder Konsul oder ein Amerikaner: viele ihrer Gäste werden ihre Liebhaber. Doch irgendwann holt sie die Vergangenheit ein, als sie Nachricht über ihren Mann Gino, welcher an der Front kämpft, erhält...

Wie von Brass gewohnt, ist auch „Miranda" in edle Bilder getaucht und um Stilsicherheit bemüht. Die Optik und das elegant in Szene gesetzte historische Ambiente sind die großen Pluspunkte des Films. Doch leider wurde darüber hinaus vergessen, eine stringente Story zu erzählen. Die Geschichte - wenn man das überhaupt so nennen kann - wirkt dabei ebenso diskontinuierlich und beliebig wie Mirandas Sexleben. Auch eine gewisse Langatmigkeit und Geschwätzigkeit kann man angesichts dieses phasenweise lethargischen Machwerks nicht verleugnen. Die Darstellerleistungen gehen soweit in Ordnung, die sich in den Themen wiederholende Musikuntermalung hingegen ist eher gewöhnungsbedürftig. Die Erotik-Szenen, welche Brass eigentlich wie kein Anderer in Italien buchstäblich ins rechte Licht zu rücken weiß, fallen diesmal auch eher harmlos aus. Immer wieder laufen zwar äußerst sinnlich ein paar nackte, behaarte Frauen durchs Bild, doch echte Hardcore-Szenen wie in „Caligula" sucht man hier vergebens, weswegen die Indizierung dieses Soft-Erotikstreifens umso mehr verwundert.

Fazit: „Miranda" ist ein belangloses Werk im Schaffen von Tinto Brass; seine späteren Filme sind besser. Obwohl durchaus erotisch und optisch ansprechend inszeniert, vermag der Großteil des Films leider nicht zu unterhalten. Unterdurchschnittlich, aber nicht richtig schlecht.

4,4 von 10 Punkten

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