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Mit "Casino Royale" feierte Agentenlegende James Bond 2006 eine furiose Wiedergeburt. Nachdem den kommerziell zwar erfolgreichen Abenteuern Pierce Brosnans doch immer spürbarer die Puste ausgegangen war, brachte Neu-007 Daniel Craig mächtig frischen Wind in den letzthin etwas angestaubten
Geheimdienst ihrer Majestät. Hart, zynisch und dennoch gewohnt stilvoll präsentierte sich der blonde Australier, der nun in seinem zweiten, unmittelbar an die Ereignisse des furiosen Vorgängers anschließenden Einsatz "Ein Quantum Trost" vor der klassischen Herausforderung stand, dem selbst gesetzten hohen Standart weitere Substanz zu verleihen.

Kurz und bündig kann man konstatieren: An Craigs Leistung liegt es nicht, dass "Ein Quantum Trost" die Erwartungen nicht vollends zu erfüllen vermag. Drei wesentliche Punkte zeichnen sich hierfür verantwortlich: Zum einen wäre da das uninspirierte Drehbuch (in Tateinheit mit dem Inszenierungsstil) zu nennen, das zwar die offenen Handlungsstränge des Vorgängers weiterverfolgt, sich dabei jedoch leider in einer 0815-Actionshow verliert, die sich zudem mehr wie eine weitere "Jason Bourne"-Episode präsentiert denn als ein waschechtes 007-Abenteuer. Dies wird eigentlich schon an der für ein Bond-Abenteuer geradezu erschreckend kurzen Laufzeit deutlich, die kaum eine Atempause zulässt, in der sich der klassische Bond-Charakter entfalten könnte. Knackige, bodenständige Action an wie immer abwechlungsreichen, teils exotischen Schauplätzen bekommt der Zuschauer von Regisseur Marc Forster dafür in reichlicher Menge serviert - leider deutlich geprägt von modernem Wackelkamera-Stil und rasanten Schnitten im gefühlten Sekundentakt. Ob das zu einem James Bond-Abenteuer passt? Diese Frage muss wohl jeder mit sich selbst ausdiskutieren. Mein Fall ist Forsters "Bourne"-Stil jedenfalls bei aller technisch zweifellos vorhandenen Klasse nicht. Den schwarzen Peter muss man wahrscheinlich aber auch eher den Produzenten zuschieben und weniger dem Regisseur.

Mein zweiter zentraler Kritikpunkt betrifft jene Dinge, die die Figur James Bond unmittelbar chakaterisieren. Aus unerklärlichen Gründen darf 007 in seinem neusten Einsatz weder mit seinem Bondgirl ausgiebig turteln, noch darf er sich mit dem ihm eigenen "Mein Name ist Bond, James Bond" vorstellen. Selbst der Vodka-Martini wird ihm diesmal verwährt. Der Sinn hinter dieser Entscheidung bleibt im Verborgenen, wirkt doch so der ganze Film noch mehr wie ein "Quantum Bourne", wie ein lupenreiner Actionfilm, dem das "gewisse Etwas" mehr oder weniger abgeht. Darüber kann auch nicht der obligatorische Supergangster hinwegtäuschen, der es dieses Mal auf die Süßwasservorräte des Planeten abgesehen hat. Damit wären wir bei Stolperstein Nr. 3: Schurke Dominic Greene (Mathieu Amalric) erweist sich leider als wenig charismatischer Handlanger der geheimen Verbrecherorganisation "Quantum" und entsprechend austauschbar und letztlich unbedeutend wirkt sein Auftritt - der in der einfallslosen finalen Konfrontation schließlich sein explosives Äquivalent findet. Als hätten die Macher selbst irgendwann erkannt, dass sie hier nichts Halbes und nichts Ganzes erschaffen haben...
Bleibt zu hoffen, dass "Quantum" im nächsten Bond nicht nur mehr von sich preis gibt, sondern 007 auch einen "fieseren Fiesling" des Kalibers Klaus-Maria Brandauer auf die Fersen hetzt.
Nicht fehlen sollte natürlich auch künftig "M " alias Judi Dench, die mitterweile ohne Zweifel zu den wichtigsten Dreh- und Angelpunkten des James Bond-Universums zu zählen ist - erst recht wenn andere Merkmale wegrationalisiert werden. Es mögen sich die Spekulationen um einen Ausstieg als unwahr erweisen, es wäre ein kaum zu ersetzender Verlust!

Fazit: Knallhart und top in Form ist Neu-Bond Craig auch in seinem jüngsten effektreichen Abenteuer - und Olga Kurylenko last but not least immerhin hübsch anzuschauendes Beiwerk. Leider will sich das typische Bond-Feeling diesmal auch aufgrund einer viel zu kurz bemessenen Spielzeit nicht so recht einstellen. Es fehlt der Charme, das Außergewöhnliche und bisweilen auch die filmische Seele. "Back back to the roots" sollte das Motto nun lauten, ein Bond zwischen "Punisher" und "Bourne" kann es auf Dauer nicht sein! Knappe 7 Punkte.

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