Action? Klasse
Daniel Craig? Super!
Härtegrad? Angenehm hoch!
Also alles Super? Nein!
Bonds Weg zum charmanten Ladykiller, männlichen Superganten mit Stil setzt sich ungehindert fort. Nach wie vor ist Craigs Bond ein rabiater Meuchler ohne offensichtliche Skrupel, der aber insgeheim und für den Zuschauer sichtbar, auf Rache aus ist. Rache für den Tod seiner geliebten Vesper Lind.
Und dabei nimmt er keine Rücksicht auf Verluste, und erstmals widersetzt er sich direkten Befehlen von oben, weil er glaubt, es besser zu wissen.
Und im Gegensatz zu Casino Royale liegt Bond hier wieder einmal in fast allen Punkten richtig und die anderen falsch. Also der erste Punkt der altbekannten Bondfilmmotive kann abgehakt werden.
Zweites Motiv: Lächerlicher Ort für den finalen Showdown: Eine Superhotelanlage mitten im Nirgendwo, sowie letztendlich Explosionen und so weiter. Also auch Häkchen.
Drittes Motiv: sterbendes Bond-Girl, weil sie sich mit ihm einließ. Natürlich auch vorhanden, und um ganz klar zu machen, worum es hier geht, sogar als Hommage an eines der berühmtesten - wenn nicht gar der berühmtesten - Bond-Girl-Leiche.
Viertes wiederkehrendes Motiv: Bond ist urplötzlich immer spitzenmäßig gekleidet. Wirkte er in Casino Royale noch halbwegs menschlich, so wird er mit zunehmendem Film-Verlauf immer gelackter.
Fünftes wiederkehrendes Motiv: Die Over-the-Top Action. Höherer Härtegrad wird sehr häufig seitens einiger Kritiker mit realistischer gleich gesetzt. Dem ist nicht so. Hier gibt es beispielsweise eine Szene mit einem Fallschirm für zwei Personen. War das Bond Girl eine Connery Hommage, so ist der Fallschirm eine Moore - Hommage.
Nun wird so mancher fragen. ist dies also ein typischer Bond Film? Nein, mit diesem Film wird die Entwicklung weitergeführt, die im ersten Craig Bond begann: Bond wird zu Bond.
So auch hier.
Es gibt nach wie vor Bond-untypische Merkmale, die manche Leute dazu inspirierten, diesen Film mit Bourne zu vergleichen: Das allgemeine Mißtrauen gegenüber dem Staatsapparat und die harte Action.
Doch das allein reicht nicht wirklich.
Während Bourne jemand ist, der seine Vergangenheit selbst nicht kennt und die Action aus seiner Flucht heraus resultiert, ist Bond einer, dessen Vergangenheit wir nicht kennen, und die Action aus seiner Jagd heraus resultiert. Während Bourne ein schweigsamer Mann ist, weil er nichts zu sagen hat, schweigt Bond, weil er auf teufel komm raus Cool sein will.
Auch die Orte der Handlung sind total konträr.
Man kann die beiden nur bedingt vergleichen.
Jemand anderer als Matt Damon kann Bourne mittlerweile kaum mehr spielen, und Bond? Egal, Hauptsache sieht gut in teuren Klamotten aus.
Daniel Craig ist im Grunde genommen überqualifiziert für diesen Bond-Firlefanz, weil er in der Lage ist, wirklich facettenreich zu spielen.
Und dies ist nur zwei- bis dreimal in diesem Film gefragt. Diesen Bond könnte sogar Jackie Chan mimen.
Ist dieser Bond Film tatsächlich so schlecht?
Nein, er ist sogar richtig gut, denn wie gesagt, dies spiegelt nur Bonds Entwicklungsprozeß zum Bond wie wir ihn kennen wieder, dabei werden ein paar gute Momente genutzt um auch manches subtiler kritisch zu hinterfragen:
Subtile Punkte, die man nicht sofort als die wichtigen Punkte ausmachen würde, aber die für Bonds Entwicklung wichtig sind:
1. Bei einer Verfolgungsjagd in einer Menschenmasse sterben unschuldige Passanten, dies wird sehr deutlich gemacht! Gab es bisher so nicht in Bond-Filmen
2. Ein befreundeter Agent stirbt, dessen wahren Namen er nie kannte, es auch nicht wissen möchte. Den entsorgt er in der nächsten Mülltonne. Könnte ein bißchen dahin gehend deuten, dass James Bond auch nur ein Deckname ist? Insofern wäre dieser Bond auch ein tatsächlich anderer? Läßt einiges an Spielraum zu?
3. Als das eine Bond-Girl stirbt, verliert Bond kurz die Fassung
4. Er kommt im Laufe des Films über Vesper hinweg. Und scheint am Ende endlich zum Bond geworden zu sein, den wir alle kennen. Hierauf deutet auch hin, dass der berühmte Vorspann erst am Ende auftaucht.
5. Quantum spielt in den folgenden Bond-Filmen mit Sicherheit eine große Rolle und wird auch Bonds Entwicklung weiter voran treiben. So ähnlich wie Spectre in den Connery Filmen?
Als Fazit ist zumindest meinerseits festzuhalten, dass ich einen überraschend Bondhaften Bond-Film gesehen habe, der aber mehr den klassischen Connery-Filmen entsprach als den späteren Franchise Movies. Doch auch denen wurde mehr als genug Tribut gezollt und Bond wurde im Verlauf unnötigerweise immer mehr zum Dressmann.
Nun noch zu Craigs Qualitäten als Bond:
War er in Casino Royale noch absolut überlegen und cool als Bond, so läuft er jetzt schon Gefahr, in den nächsten Bond Filmen nicht unähnlich Brosnan unnötig verheizt zu werden. Denn wir waren jetzt schon verdächtig nahe an den sinnlosen Handlungen der Brosnan-Ära dran. da hilft auch keine noch so ausgeklügelte Action-Orgie nichts.
Im gegensatz zu Brosnan verläßt sich Craig nicht nur auf sein schnörkelloses Äußeres sondern protzt nach wie vor mit seiner wuchtigen Ausstrahlung, aber ein bißchen mehr Charakterliche Entwicklung, die man auch greifen kann anstatt des deutlichen Interpretirenlassens wäre schon besser.
Guter Actioner in der Bond-Reihe, der sich relativ weit oben festsetzt, aber nur dank Craigs Charisma. Und selbst der hält sicher nicht ewig.
Alleine für sich betrachtet 4-5 Punkte, als direkte Fortsetzung von Casino Royale sicherlich besser: 6 Punkte