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Tom Cruise spielt Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der im Verlauf des zweiten Weltkrieges zur Überzeugung kam, dass Hitler und sein Regime dem deutschen Reich schaden und ganz Europa in Schutt und Asche legen, wenn sie nicht aufgehalten werden. Deshalb schließt er sich einer Gruppe von Widerstandskämpfern aus Politik und Militär an, die einen Putsch starten und den zweiten Weltkrieg beenden wollen. Die Machtübernahme über den Plan Walküre kann jedoch nur gelingen, wenn Adolf Hitler stirbt. Stauffenberg erklärt sich bereit den Anschlag auf das Staatsoberhaupt des deutschen Reiches zu verüben.

Bereits vor der Premiere sorgte "Operation Walküre" für Schlagzeilen und die Erwartungen waren eher niedrig, da der Kinostart mehrfach verschoben wurde und der Beigeschmack nahe lag, dass Tom Cruise, der in "Tage des Donners", "Top Gun" und "Mission: Impossible" immer mal wieder den Helden spielen durfte in seinem Opportunismus den Helden Cruise und nicht den Helden Stauffenberg feiern würde. Aber diese Vorwürfe kann man dem Werk definitiv nicht machen.

Wer jedoch Fehler sucht, Gründe, warum der Film dann doch belanglos und überflüssig ist, der wird sie definitiv finden. So sind die Nebenfiguren im Prinzip überhaupt nicht konstruiert und selbst über Stauffenberg erfährt man lediglich, dass er ein Mann der Tat und ein Patriot war. Sein Lebenslauf fehlt ebenfalls, aber hier einmal der Hinweis: Der Film heißt nicht "Stauffenberg", der Titel ist "Operation Walküre" und diese wird weitestgehend historisch korrekt und spannend auf die Leinwand gebracht und wird sich wohl weltweit in den Kinos großer Beliebtheit erfreuen und das deutsche Image ein wenig aufpolieren. Und die, die krampfhaft weitere Hintergründe und eine ausführlichere Charakterkonstruktion suchen, werden sich wohl eingestehen müssen, dass "Operation Walküre" als Charakterstudie nicht unter drei bis vier Stunden abzuhandeln gewesen wäre, zwar möglicherweise den einen oder anderen Oscar gewonnen hätte, dafür jedoch nur die erreicht hätte, die sowieso schon vieles über das Attentat und seine Hintergründe wissen. Bryan Singer holt also mit seiner Machart das bestmögliche aus der Thematik heraus und meistert den Spagat zwischen historischer Korrektheit und einem hohen Unterhaltungswert.

Bryan Singer, der mit "Die üblichen Verdächtigen" bereits einen hervorragenden Thriller abliefern konnte, legt "Operation Walküre" als Thriller und nicht als Drama an, schafft es so jedoch über die volle Laufzeit zu fesseln, die Spannung konstant hoch zu halten und das alles, obwohl im vorhinein schon klar ist, dass das Attentat scheitert und die Beteiligten dieses mit dem Leben bezahlen müssen. Dies ist vor allem auf den gelungenen, historisch authentischen und dramaturgisch überaus geschickten Aufbau zurückzuführen, sowie auf die spannende Erzählweise und das schnelle Erzähltempo. Trotz dieses hohen Tempos hat man als Zuschauer dennoch zu keinem Zeitpunkt das Gefühl etwas zu verpassen, die Charakterkonstruktion mal ausgenommen, die Handlungsverläufe sind stimmig und auch dann verständlich, wenn man sich in der Thematik nicht allzu gut auskennt. Und all dies gelingt Singer ohne den Einsatz größerer Action-Szenen, ohne vollkommen übertriebenes Pathos, weitestgehend ohne den Einsatz künstlicher Dramaturgie, ja sogar ohne einen wirklich auffälligen, spannenden Score und ohne brutalere Szenen. Dennoch ist die Atmosphäre spürbar dicht, wobei hier der schmale Grat zur historischen Authentizität gemeistert wird. Handwerklich gibt es an Singers Arbeit auch ansonsten rein gar nichts zu bemängeln, wobei vor allem die authentische und opulente Ausstattung gänzlich überzeugt.

Ebenfalls überaus erfreulich ist es, dass Adolf Hitler und sein Stab eher selten in Erscheinung treten und, dass Singer überhaupt nicht versucht, die Umstände im dritten Reich noch einmal aufzuzeigen, einmal, da dies den Film wohl ausgebremst hätte und, da man es hier in Deutschland mittlerweile wirklich nicht mehr sehen kann. Allerdings werden die totale Unterdrückung durch das faschistische System perfekt genutzt, um eine gespannte Atmosphäre zu erzeugen.

Auch wenn Singer im Endeffekt einen Thriller, wenn auch einen historisch authentischen und hochinteressanten, abliefert, muss er natürlich die Figur Stauffenberg konstruieren und dies gelingt ganz gut. Das Privatleben wird tangiert, aber ausreichend rekonstruiert, zumal ein ausführlicherer Blick auf das Privatleben des Widerstandskämpfers den Film ausgebremst hätte, die Figur des Stauffenbergs, dessen Leben vor dem Nationalsozialismus nicht einmal angeschnitten wird, ist sehr sympathisch gestrickt, aber ohne jegliches Pathos konstruiert. Für ein Kriegs-Drama wäre dies zu wenig gewesen, für diesen Thriller ist es auf jeden Fall ausreichend. Dass die Nebenfiguren sehr blass bleiben stört kaum, ihre Überzeugungen, Ziele und Handlungen sind stimmig und glaubwürdig gestrickt. Lediglich die Beweggründe von Friedrich Fromm bleiben unklar, aber auch dies spricht im Endeffekt für die Konsequenz der Macher, da seine Rolle bei der Operation Walküre bis heute nicht ganz klar ist, so hat er wohl gewusst, dass sich Stauffenberg und Friedrich Olbricht gegen Hitler verschworen haben, war aber wohl auch kein aktives Mitglied.

Tom Cruise hatte in mehreren Interviews gesagt, dieser Film wäre für ihn sehr wichtig gewesen, da Stauffenberg eines seiner größten Vorbilder sei und das merkt man ihm definitiv auch an. Cruise, den man eigentlich eher aus lockeren Rollen kennt, der aber zuletzt mit "Collateral" und "Von Löwen und Lämmern" mit zwei ernsten Darstellungen positiv in Erscheinung getreten war, spielt den Grafen überaus gelungen und vor allem realistisch und steigert die historische Authentizität des Films noch weiter. Sehr respektvoll spielt er die Rolle ohne jegliche Fehler und kompensiert so größtenteils, dass er, der eigentlich immer den coolen Helden gespielt hat, nicht so recht in die Rolle passt. Der übrige Cast ist ebenfalls hervorragend besetzt, Kenneth Branagh zeigt seine beste Leistung seit Langem, Bill Nighy, Thomas Kretschmann und Christian Berkel tun es ihm gleich und Tom Wilkinson bringt die vielleicht sogar beste Leistung des Films in der Rolle des undurchsichtigen Ersatzheerleiter Friedrich Fromm.

Fazit:
"Operation Walküre" ist als Thriller angelegt, konstruiert seine Charaktere nicht so tief, wie man es sich von einem Kriegs-Drama erwartet hätte und konzentriert sich nur auf den Ablauf des Stauffenberg-Putschs. Was Bryan Singer aus diesem Thriller macht ist jedoch überaus beachtlich; ohne überdramatisiert zu wirken oder überzogenes Pathos zu verwenden, fesselt der Thriller durch Singers virtuose narrative Arbeit von Anfang an, baut permanent Spannung auf und das allein durch den dramaturgisch geschickten Ablauf, die authentische Wiedergabe historischer Fakten und den hervorragendem Cast und das obwohl von Anfang an klar ist, wie der Film enden wird. Damit ist "Operation Walküre" einer der besten und spannendsten Thriller seit Langem und für wirklich jeden zu empfehlen, egal, ob er mit den Ereignissen des 20. Juli vertraut ist, oder nicht.

87%

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