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"Doch könnte es dem menschlichen Geist nicht gelingen die Energie anderer Seelen in sich aufzunehmen und so ewiges Leben zu erlangen?"

"Das Grab der Ligeia" basiert auf einer der erfolgreichsten Geschichten von Edgar Allan Poe, die bereits schon einmal im Jahre 1964 verfilmt, nun aber in ein moderneres Gewand gesteckt wurde.

Der erfolgreiche Autor Jonathan Merrick (Wes Bentley) bemerkt die unwiderstehliche Studentin Ligeia (Sofya Skya), die bereits einige seiner Vorlesungen besuchte. Trotz glücklicher Beziehung zu seiner Verlobten Rowena (Kaitlin Doubleday) und guten Verhältnissen zu ihrem Vater George (Michael Madsen) verfällt er rasch der mysteriösen Schönen. Schließlich heiratet er Ligeia und reist mit ihr in ihre Heimat nach Russland, in ein isoliertes Anwesen. Jonathan weiß jedoch nichts von den geheimen Forschungen von Ligeia, die Menschen tötet, um an ihre Seelen zu gelangen und darin einen Ausweg ihres unvermeidlichen Todes zu finden.

Bereits das Grundgerüst der Handlung weicht von Poe's Erzählung und der Verfilmung von Roger Corman ab. "Das Grab der Ligeia" enthält weder den kulturellen Aspekt der Erzählung noch eine Reinkarnation durch eine Katze. Debütant Michael Staininger stellt das Thema der Geschichte stattdessen zeitlos dar, ohne die düstere Atmosphäre und den vorstellbaren gotischen Flair zu vernachlässigen.

Visuell ist der Mystery-Krimi durchaus gelungen. Gerade zu Beginn erzeugen weitsichtige Landschaftsaufnahmen einen professionellen Eindruck. Auch die späteren Aufnahmen des Anwesens von innen und außen. Gerade hier entfaltet sich eine stimmige Atmosphäre, unterlegt mit orchestralen Klängen, die mit ihren hervorgehobenen Orgel-, Klavier- und Streicher-Tönen an klassische Vampirfilme erinnert.
Negativ auffällig sind dagegen der unprofessionelle Schnitt sowie die Gesamtpräsentation des Films. Manche Szenen enden abrupt, in andere wurden allzu plötzlich Rückblenden eingebaut.

Das Erzähltempo ist durchgehend gemächlich. Nur gegen Ende versucht "Das Grab der Ligeia" mit ein paar Wendungen das Tempo zu steigern. Diese sind jedoch zu vorhersehbar um die bis dahin spannungsarme Laufzeit zu verbessern. Das Problem ist, dass die Handlung meist auf der Stelle tritt und nicht voran schreitet. Unzählige Bettszenen, in der nackte Tatsachen kaum sichtbar sind, fördern weder das Erzähltempo noch die schwach dargestellten Figuren. Über diese erfährt man einfach zu wenig um eine emotionale Bindung herzustellen.

Trotz der düsteren Bilder mag keine Gruselstimmung aufkommen. Es fehlen klaustrophobische Bilder oder einfach der Schrecken und die Angst vor etwas Bösartigem oder völligst Unerklärlichem. Der Ersatz durch einen ominösen Nebel, der die Seele eines Menschen abbildet verpufft hier viel zu schnell. Da "Das Grab der Ligeia" ebenso auf jegliche Art von Humor verzichtet ist der Unterhaltungsfaktor sehr gering.

Darstellerisch ist "Das Grab der Ligeia" nur mäßig besetzt. Während Sofya Skya und Kaitlin Doubleday ("Catch Me If You Can") relativ souverän ihre wandlungsfähigen Figuren vortragen, schwächelt Wes Bentley ("American Beauty", "Ghost Rider") durch immer gleiche Gesichtszüge. Eric Roberts ("The Dark Knight"), Cary-Hiroyuki Tagawa ("Pearl Harbor") sowie Michael Madsen ("Sin City", "Kill Bill") sind weitere bekannte Gesichter in Nebenrollen, die allerdings durch ihre Randfiguren kaum sichtbar sind.

Allein der gotische Stil von "Das Grab der Ligeia" ist bereits Geschmackssache, die gemächliche herangehensweise an die Thematik Tod und Wiedergeburt allemal. Der Mystery-Krimi lässt sich sehr viel Zeit und langweilt nebenbei noch mit knapper, klischeehafter Figurenzeichnung. Schade, denn die düstere Atmosphäre und der stimmungsvolle Soundtrack funktionieren, solange dieser Eindruck durch handwerkliche Schwächen nicht geschmälert wird.

3 / 10

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