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Irgendetwas hatte den an sich ruhigen Kopenhagener Polizisten Robert Hansen (Jakob Cedergren) so außer Fassung gebracht, daß diesem eine Suspendierung gedroht hatte - doch weil man als Gesetzeshüter immer eine zweite Chance bekommt, wird er in ein gottverlassenes Kaff in Süd-Jütland versetzt, wo er als alleiniger Vertreter des Gesetzes seinen Dienst versieht, bis Gras über die Sache gewachsen ist.
Doch so ruhig sich die Beschreibung des neuen Postens auch anhört, so wenig entspannt wird es für Hansen in den nächsten Tagen und Wochen abgehen, denn unter der Oberfläche der kleinen Dorfgemeinschaft brodelt es gewaltig, und einen Fremden aus der Hauptstadt kann man hier, wo die Wahrheit oft in Tümpeln und Schlamm versinkt oder ggf. auch entsorgt wird, schon gar nicht gebrauchen.

Während Hansen sich langsam an die Gepflogenheiten vor Ort herantastet und dabei die Bekanntschaft der nach außen harmlos und friedlich wirkenden Dorfbewohner macht, muß er selbst bei den kleinsten dienstlichen Angelegenheiten feststellen, daß hier ganz eigene Regeln gelten: so werden jugendliche Ladediebe nicht etwa angezeigt, sondern werden eingesperrt, erhalten eine Ohrfeige und eine Ermahnung, ein verschwundener Fahrradhändler, der niemandem abgeht, wird gar nicht erst per Vermisstenanzeige gesucht und der Dorfarzt versorgt sich auch selbst reichlich mit Medikamenten. Wirklich problematisch wird es allerdings erst, als die lasziv auftretende Ingerlise (Lene Maria Christensen) auf der Wachstube erscheint, dem verdutzten Hansen Avancen macht und behauptet, ihr Mann würde sie schlagen. Doch anzeigen möchte sie Jørgen Buhl (Kim Bodnia), der "im Dorf schon diverse Arme und Nasen gebrochen hat", wie der Doktor berichtet, seltsamerweise dann doch nicht. In der einzigen Kneipe, dem Bodega, sitzen immer dieselben alten Männer und machen vielsagende Andeutungen, aus denen Hansen jedoch nur heraushört, daß jegliche Einmischung von außen hier unerwünscht ist.
Während er mit all diesen Ungereimtheiten einigermaßen umgehen kann, beschäftigt den schnauzbärtigen Hauptstädter jedoch zunehmend die immer wieder auftauchende Ingerlise, deren widersprüchliches Verhalten er nicht recht einordnen kann...

Das Grauen innerhalb einer ländlich-beschaulichen Dorfgemeinschaft mit ihren für Außenstehende undurchsichtigen Regeln ist das Thema von Regisseur Henrik Ruben Genz Produktion Terribly Happy - doch das Lachen bleibt einem angesichts der verschlagenen und ihr eigenes Spiel spielenden Protagonisten oft genug im Hals stecken, denn lustig ist hier im Endeffekt gar nichts. Stattdessen muß ein durchschnittlicher Großstadtpolizist, der mit seinen gewohnten Ermittlungsmethoden überhaupt nicht durchkommt, erleben, wie er immer mehr in dieses unheimliche Treiben hineingezogen wird. Zunächst versucht er, die für ihn nur temporäre neue Stelle mit einigen Kompromissen den Dorfbewohnern gegenüber überbrücken zu können, doch bald steht er selbst mittendrin im Geschehen, zumal sich dann auch ein Mord ereignet...

Der durchweg sehenswerte, mit seiner streckenweise zutage tretenden Skurrilität an die Coen-Brüder erinnernde dänische Neo-Noir Terribly Happy steigert sich immer weiter, bezieht seine stete Spannung aus nach und nach ans Licht kommenden Geheimnissen und hat zum Schluß hin erwartungsgemäß auch kein Happy End parat. Eine kleine filmische Perle, derzeit auf Netflix zu sehen, die sich Genre-Freunde nicht entgehen lassen sollten: 8 Punkte.

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