Kennen Sie "Die Geburt einer Nation"? Die Geburt einer Nation ist unbestritten ein Meilenstein der Filmgeschichte, in seiner erzählstruktur, in seinem Schnitt, in seinem gesamten Aufbau, in der Art und Weise, wie der Film gedreht wurde, einfach in allem ist er für seine damalige Zeit einfach nur revolutionär und weit seiner Zeit voraus. Die Geburt einer Nation wird trotzdem keiner in die Gilde der besten Filme aller Zeiten wählen, und das obwohl er solche Meisterwerke wie beispielsweise Panzerkreuzer Potjemkin stark beeinflußt haben dürfte, oder sogar Citizen Kane. Nicht von der Story her - nein, Gott bewahre - sondern von der Produktion her, vom Schnitt her, vom visuellen her, vom erzählerischen her, einfach vom filmtechnischen her. Die Geburt einer Nation ist unumstritten ein wichtiger Film. Doch ist er auch gut?
Bevor diese Frage beantwortet werden kann, kommen wir endlich zu 24! 24 ist eine der wichtigsten und innovativsten Serienkonzepte der letzten Jahre: Jede Staffel hat 24 Folgen, jede Folge dauert genau eine Stunde, und jede Stunde baut auf den Ereignissen der vorangegangenen Stunden ab, wobei alles in Echtzeit (nahezu) abläuft. Damit es nun nicht für den Zuschauer allzu langweilig wird über 24 Stunden einer Handlung folgen zu müssen, wird im krassen Gegensatz zu James Joyce's Ulysses hier ein Riesengeflecht aus parralel verlaufenden Handlungen miteinander verwoben, ein terroristisches Komplott an das Nächste angeknüpft und ein Einzelkämpfer in Gestalt des CTU-Agenten jack Bauer an vorderster Front gegen die Schurken losgeschickt.
Hierbei wird nicht allzu zimperlich in der Gewaltdarstellung verfahren und es ist keiner der Darsteller wirklich bis zum Ende der Staffel gesetzt außer Jack Bauer. Das bedeutet Spannung, Spannung, Spannung.
Jede Staffel ist prinzipiell in sich geschlossen, Vorkenntnisse für vorherige Staffeln sind im Prinzip nicht wirklich nötig, auch wenn immer mal wieder Verweise auf vorherige Staffeln existieren.
Wie gesagt, 24 ist ein Meilenstein des Serien-Konzepts und von ungemein hoher Qualität in den Production Values, so hoch sogar, dass manche Kinofilme heutzutage gegen 24 abstinken.
Doch ist 24 wirklich eine gute Serie?
Dies wird jetzt im Folgenden staffelweise erörtert werden:
Staffel 1:
Staffel 1 hat noch viele Kindheitsfehler. So wird hier Jack Bauers Familie entführt, um Jack Bauer in die Knie zu zwingen, er rettet seine Familie, dann kommt es zur erneuten Entführung, und so weiter. Es wiederholt sich immer wieder so einiges.
Auch ist die Glaubwürdigkeit einiger Passagen extrem lückenhaft: Wir haben eine Agentin, die als Maulwurf enttarnt wird, dann kann sie sich rehabilitieren, kurz vor der letzten Folge ist sie plötzlich doch ein Maulwurf.
Wirkt einiges als TV-Serie (1 Folge pro Woche) sehr eindeutig, so zeigt sich das Manipulative daran umso deutlicher, wenn man sich die Staffel auf einmal hereinzieht: So wirkt Sherry Palmer in der wöchentlichen Ausstrahlung ungemein gemeiner und fieser als in der Konzeption der DVD-Box, wo sie sogar ein bißchen wie ein opfer wirkt, dadurch dass sie wegen den Ereignissen der letzten vier-fünf Folgen plötzlich ausgeschlossen wird. Hier wirkt Senator Palmer bei gründlichem Nachdenken sehr undankbar und arschig, egal wie sie reagiert haben mag.
Manipulativ ist auch das Schlüsselwort, welches die folgenden Worte durchsetzen wird.
In dieser Staffel steht aber vorerst noch die Spannung im Vordergrund, und trotz einiger Mängel ist die Serie extrem frisch und spannend, mit einem Helden, der nicht von ungefähr an John McClane aus Stirb Langsam zu erinnern scheint.
Und das beste an der Sache: Auch wenn die Staffel an sich abgeschlossen ist, so wagt sich die Serie doch daran, ein Happy End auszuschließen. Innovativ und mutig. Sehr gut.
8 Punkte erstmal.
Staffel 2:
Das Konzept der Zeit wird hier in dieser Staffel des öfteren ad absurdum geführt, welche Strecken wie schnell bewältigt werden können, sowie wer was zu welcher Uhrzeit macht, ist schon teilweise sehr weit hergeholt.
Folter wird in dieser Folge erstmals exzessiv fast schon zelebriert, natürlich nur zum Wohle der Nation, und Jack Bauer ist immer an vorderster Front dabei. Natürlich liegt er immer richtig, alle, die ihm nicht zustimmen, liegen daneben, und der Zweck heiligt die Mittel. Am besten wird dies schon mal in der Pilotfolge demonstriert, wo er einem pädophilen Wiederholungstäter, der zufälligerweise Kontakte zu rechten Terroristen hat, nur um in diese Gruppe sich einschleichen zu können, dem Päderasten erst Mal eine Kugel verpaßt, dann noch den Kopf abschneidet.
Aber der guet Jacj kommt damit natürlich durch, weil es ja ein pädophiler Wiederholungstäter war. Wieso ausgerechnet so ein Mann Kontakte zu rechten Terroristen haben soll, wird erst gar nicht hinterfragt, oder dass diese Hintergrundgeschichte des Mannes lediglich dazu dient, dass das Publikum sich nicht von Jack Bauer abwenden soll. Weil Jack tötet ja im Prinzip sowieso nur Abschaum, der es verdient. und wenn er doch mal keinen Abschaum tötet, dann tut es Jack so sehr leid, dass dem Zuschauer nicht Jacks Opfer leid tut, sondern Jack.
Wie gesagt: Manipulativ ohne Ende. Und in dieser Staffel beginnt dieses Manipulative, sich ungehemmt auszutoben.
Irgendwo ist das ja auch verständlich im Zuge des Post-2001 US-amerikanischen Traumatas, deshalb ist es zu diesem zeitpunkt ja auch noch einigermaßen verständlich, zumindest in Filmform.
Ansonsten hat man hier ernuet mehrere parralele Handlungsebenen laufen, wieder einmal eine total hanebüchene und lächerliche mit seiner Tochter, die zwar zuckersüß ausschaut, aber einen tierisch nervt.
Und erneut endet diese Staffel mit zwar einen positiven Auflösung, aber mit einem Epilog, der nach einem Pyrrhus-Sieg aussieht.
Auißerdem beginnt diese Staffel damit, prominenten Cast-Mitgliedern einen würdigen Abgang zu bescheren: Leute, die eigentlich arrogante Ärsche sind, weil sie immer uneins sind in ihren Meinungen mit dem guten Jack sterben quasi den Opfertod, um die USA zu retten. Ist geradezu lächerlich rührend.
6 Punkte
Staffel 3:
A Propos lächerlich, selten wurde Hispano-Englisch so lächerlich ins Deutsche übersetzt wie in dieser Staffel. In den ersten Folgen dieser Staffel hat man das Gefühl, in einer Satire Gast zu sein, alle Hispanos lispeln um die Wette und sind Karikaturen ihrer selbst. Man hat das Gefühl, gleich würde ein Julio Iglesias hinter dem nächsten Bananenbaum hergekokst kommen.
Was dieser Staffel einen erheblichen Pluspunkt beschert ist die Tatsache, dass Jack verletzlicher wirkt als je zuvor, weil er gegen eine Drogensucht ankämpfen muß, die er sich in einer monatelangen Undercover-Mission wohl aneignen mußte.
Ansonsten stirbt in dieser Staffel eine der inetressantesten und ambivalentesten Figuren der gesamten reihe, weil sie für mich nie in die Kategorie typischer Schurke fiel, sondern lediglich als Bauernopfer des selbstherrlichen Präsidenten wirkte. Erneut tötet Jack auch unschuldige, oder es sterben wegen ihm lauter Unschuldige, aber weil er die USA rettet oder weil er bei den Opfern dieser Unschuldigen so leidet, verzeiht ihm das manipulierte Publikum das alles natürlich.
Tony Almeida, sein Kollege, hingegen kommt hinter Gitter, weil er versucht, seine Frau, welche entführt wurde, auf eigene Faust zu retten. Die Begründung: Er hätte die Staatssicherheit gefährdet, tatsächliche Opfer dieses Hochverrats: Null! Jack Bauer hat genau dasselbe in Staffel eins ebenfalls schon mal gemacht, wobei er beinahe Senator Palmer in die Luft jagte. Und was geschah mit Jack? Nichts!!
Scheinheiligkeit und Doppelmoral sind spätestens mit dieser Staffel der gute Ton in dieser Serie.
Dennoch Production Values von ungeheuer hoher Qualität lassen all diese Minuspunkte fast vergessen.
5 Punkte
Staffel 4:
Von der Konsequenz und vom Aufbau ist dies die vielleicht formal beste Staffel, die 24 je hervorgebracht hat. Es gibt von Anfang an einen überlebensgroßen Gegenspieler, genial verkörpert von Arnold Voosloo, der immer im richtigen Moment entkommt, und bis zum spannenden Finale der Überbösewicht bleibt, auch am Ende nicht klein bei gibt.
Jack Bauer ist immer einen halben Schritt zu langsam und es gibt keine lächerlichen Nebenkriegsschauplätze wie zum Beispiel erpresste Senatoren, im Ehekrieg befindlichen Präsidenten, dämliche Familienangehörigen oder sonstwas. Formal ist dies 24 Stunden lang Jack gegen Marwan.
Und das ist gut.
Dies wird vor allem dadurch untermalt, dass der Präsident gefühlte 20 Stunden mit der Air Force One herumfliegt und immer nur kurz über Bildtelefonie zu sehen ist.
Was also prinzipiell die beste Staffel hätte werden können, wird aber ziemlich schnell zum Höhepunkt der Propagandamaschinerie dieser Serie, welche sehr akurat arbeitet. Denn in dieser Staffel wird der zweite Überpatriot der Serie eingeführt: William Devane als Verteidigungsminister Heller, der nicht einmal mit der Wimper zuckt, seinen eigenen Sohn foltern zu lassen, ohne auch nur einen wirklich eindeutigen Indiz, um an Informationen zum Wohle der Nation zu kommen. Dass er dabei natürlich im Recht ist, wird vor allem letztendlich dadurch deutlich gemacht, dass sein Sohn auch noch ein verkappter Homosexueller zu sein scheint.
Außerdem wird Amnesty International auch noch mal kurz durch den Kakao gezogen, weil das ja nur ein Haufen von Terroristenlakeien ist, der das Gesetz zu Ungunsten Amerikas auslegt. In Einzelfällen sollte Folter erlaubt sein, dies wird stillschweigend sogar von einem Amnesty Anwalt bestätigt, aber die Gesetze erlauben das ja leider nicht.
Was auch besonders schön ist, ist die Tatsache, dass Jack den Ehemann (!!!) seiner Freundin erst für einen Terroristen hält, ihn vor den Augen seiner Freundin foltert, dieser sich als unschuldig erweist, Jack sogar verzeiht (weil Jack ja für die Nation so gehandelt hat - "wahrscheinlich vögelt er ja auch zum Wohle der Nation meine Frau?") bei der Lösung des Falles hilft, schließlich sogar für Jack eine Kugel einfängt. Und was tut der gute Jack als Dank für soviel Doofheit seitens des guten Noch-Ehemanns? Er tötet ihn im Prinzip vor den Augen der Frau - natürlich wieder einmal zum Wohle der Nation, und natürlich leidet er auch wieder tierisch darunter, und natürlich verzeiht ihm seine Freundin das sogar innerhalb von fünf Serienstunden wieder. Sehr großes Kino.
Der ganzen Sache wird dann letztendlich die Krone aufgesetzt, indem man in die chinesische Botschaft eindringt, also einen kriegerischen Akt begeht, und dabei auch noch im Recht gezeigt wird.
So viel Rechthaberei und Politpropaganda sind irgendwann zu viel des Schlechten.
Also trotz der grandiosen Prämisse letztendlich ganz miese Fanatikerkost. Und da verzeiht man auch kein 2001-Post-Traumata mehr.
3 Punkte, gerade weil es alles so gut ist, dass es als propaganda durchgeht.
Staffel 5:
Was ist der Unterschied zwischen einem guten Patrioten und einem Fanatiker, der sich für einen Patrioten hält? Eine interessante Frage, dessen Antwort schwer zu beantworten ist? Nicht bei 24!
In dieser Staffel wird genau diese Frage beantwortet: Ein guter Patriot darf alles zum Wohle der Nation machen, nur nicht erwischt werden. Ein Fanatiker ist, wer nicht nach Jack Bauers strengem Moralkodex handelt.
Wir erinnern uns: Ehebrecher, Folterer, Mörder, Drogenabhängiger, Vertrauensmißbraucher. Aber niemals ein Verräter!!
In dieser Staffel bricht er auch noch sein Wort gegenüber einem deutschen Agenten, natürlich wieder einmal zum Wohle seiner ach so großen Nation.
Oberflächlich scheint diese Staffel sogar mit den verqueren Wertvorstellungen seiner Vorstaffeln aufzuräumen, weil der etwas zu ehrgeizige US-Präsident gestürzt wird, da er nur wegen Öl-Reserven osteuropäische Terroristen unterstützt hatte. Aber zwischen den Zeilen wird das geduldet, solange Amerikanern nichts passiert wäre. Im Prinzip mag man ja meinen, dass das geradzu entwaffnend ehrlich ist. Aber das kann man nicht wirklich dulden, da hier heuchlerisch gesagt wird, dass man sowas gar nicht dulden dürfte.
Auch von der Handlung her ist diese Staffel letztendlich ein Rückschritt, weil es so viele Nebenschauplätze gibt, vor allem im Privatleben des Präsidenten Logan, dass einem fast schon schlecht wird wegen der Seifenoper-Qualität. Auch ist anzumerken, dass spätestens mit dieser Staffel der Star-Trek-Effekt eintritt: Jeder, der mit Jack unterwegs ist, hat zwar eine kurze Sprech-Rolle, segnet aber in derselben Folge das Zeitliche.
Ach ja, kommen wir doch mal zu Senator Heller.
Der wird als aufrechter Amerikaner dargestellt, der für sein land bereit ist, den Opfertod einzugehen. Soll wohl von seiner Fehlentwicklung in der vierten Staffel ablenken.
Ich persönlich bin der Meinung, dass diese Staffel ihre Propganda mehr oder weniger perfektioniert, da hier immer subtiler vom ehrlichen Amerikaner gesprochen wird, und auch immer häufiger als Gegenpole die fehlgeleiteten Amerikaner dargestellt werden. Wird die Handlungsebene dadurch besser? Oder irgendwie gefährlicher, da nicht mehr so deutlich ausmachbar? Schwer zu sagen.
Ach ja, eines der wichtigen Punkte noch: Tony Almeida verliert seine Frau bei einem Terroranschlag und allem Anschein nach etwas später sogar sein eigenes Leben.
Die Serie selbst entwickelt sich trotz ihrer wirklich sehr hohen Qualitäten immer mehr zu einem Ärgerniss.
2 Punkte
Staffel 6:
Fangen wir mal mit den wichtigsten Aussagen an, wenn du ein guter Amerikaner bist, und dein erster Gedanke über deine moslemischen Nachbarn der ist, dass sie möglicherweise Terroristen sein könnten, dann sind sie es eventuell sogar auch!
Wenn du ein guter Amerikaner moslemischen Glaubens bist, der völlig unschuldig in ein Internierungslager verschleppt wurde, dann ist es deine Berufung, für das Land, das dir ihr Vertrauen geschenkt hast und dich da rein gestopft hat, die anderen Gefangenen auszuspionieren. Das bist du deinem Land schuldig. Und nur, wer als moslemischer Amerikaner den Republikanern beitritt, kann es im Us Geheimdienst zu etwas bringen.
Gewisse Opfer muß man bereit sein, zum Wohle seiner großen Nation hinzunehmen.
Bürgerrechte? Hahaha!
Menschenrechte? Hahaha!
Freunde und Familie als wichtige Instanz? Hahaha!
Erschreckend ist noch harmlos ausgedrückt, was uns mit dieser Staffel aufgetischt wird: Politpropaganda der übelsten Sorte.
Jack tötet eine guten Freund, obwohl es auch gereicht hätte ihn nur zu verwunden, kommt davon. Er foltert ohne triftigen Grund seinen Bruder, kommt davon. Er hatte eine Affäre mit der Frau seines Bruders, kommt davon. Er rächt sich für alles mögliche, kommt davon. Ehrlich gesagt, schmerzt mir mittlerweile fast der Kopf bei dem Gedanken daran, was für ein Monster als Überheld verkauft wird. Na egal.
Das interessanteste an dieser Staffel ist der zwiespältige Stabschef, der einen gewissen Charme versprüht, weil er ja genau das ist, wofür die Serie steht: Ein aufrechter Amerikaner, der alles zum Wohle seiner Nation tut, notfalls gegen den Willen der Nation.
Kinds- und Vatermord sind absolut tolerierbar zum Wohle aller.
3 Punkte
TV-Film Redemption und Staffel 7:
Dieses Paket gehört zusammen, da der Tv-Film alle Ereignisse in Stafel 7 in Gang setzt. Hier ist absolut deutlich, dass in der neuen Obama-Regierung das konservative Denken und Handeln früherer Staffeln nicht mehr weiterverfolgt werden soll. Jack Bauer wird Anfangs für seine Taten vor Gericht gestellt, im Laufe der Staffel jedoch wird er natürlich begnadigt werden, da es um die nationale Sicherheit geht, und nur er mit der Situation klarkommt. Man hat eine neue, diesmal wirklich extrem aufrechte Präsidentin, die jegliche Folter ablehnt.
Und man hat einen Antagonisten, der endlich wieder die ganze Staffel in Erscheinung tritt, wie üblich im 24-Universum, immer mal abwechselnd als Gefährte oder Feind.
Tony Almeida ist auch zurück, und man sieht einmal mehr, dass er mittlerweile zum Jack Bauer-Spiegelbild gemacht wird, den man mal immer opfern kann. Alles was er sagt oder tut, hat Jack bauer auch schon getan, oder wird es noch tun, nur potentiert schlimmer und rücksichtsloser, dennoch wird Tony Almeida dafür immer prompt bestraft, und unser guter alter Jack Bauer darf damit davonkommen.
Außerdem wird eine neue Kollegin zur Seite gestellt, die eigentlich völlig ohne Grund, sich zur dunklen Seite hingezogen fühlt und mehr noch als Jack den bad Cop raushaut.
Qualitativ muß man wirklich sagen, dass die Serie an diesem Punkt sich selbst überlebt zu haben scheint, gepflegt Langeweile setzt öfter mal ein, viele namhafte Schauspieler wie Jon Voight spielen nur Karikaturen und letztlich bleibt nicht viel haften: Tony hat recht, büßt aber dafür, die Präsidentin ist aufrecht und spielt gut, und Jack Bauer durchlebt eine Sinneswandlung, dass nicht alle Moslems schlecht sind, ja er freundet sich sogar mit einem Iman an – wie gesagt, die Macher der Serie richten sich nach den neuen Gezeiten.
Mittlerweile ist die Propaganda früherer Staffeln ziemlich aufgeweicht und es wird versucht, Folter ab und zu legitimieren, aber grundsätzlich ist man im Konsens mit der echten neuen demokratischen Regierung.
Wenn die Serie ihren Zenit nicht schon längst überschritten hätte und ihr Held nicht schon längst ein nicht mehr erlösbares Monster geworden wäre, könnte man fast meinen, dass dies frischer Wind für die Serie wäre.
6 Punkte
Staffel 8:
Zu meinem eigenen Erstaunen muß ich festhalten, dass diese letzte Staffel von 24 die vielleicht beste Staffel der Serie überhaupt war.
Nicht nur gab es einen durchgängigen Handlungsbogen, nicht nur wurde die Propaganda zu Gunsten einer stringenten Erzählung fast auf den Nullpunkt zurück gestutzt, nicht nur hat man einen Jack Bauer, der das alles tatsächlich hinter sich lassen möchte, nicht nur hat man Anzeichen dafür, dass die „Helden“ der vorangegangenen Staffeln (die Folterknechte) alle selbst emotional verkrüppelt sind.
Es gibt nebenbei auch noch einen kleinen feinen Anschauungsunterricht in Sachen amerikanischer Außenpolitik im Bezug auf den nahen Osten, sowie eine altbekannte Erkenntnis, dass Macht korrumpiert und absolute Macht dies eben absolut tut: Die ach so aufrechte Präsidentin der vorangegangenen Staffel begibt sich im Laufe der vorliegenden Staffel immer weiter aufs Glatteis, weil sie auf Teufel komm raus (und das wird auch in Person eines ehemaligen Präsidenten später in dieser Staffel tatsächlich passieren) einen weltweiten Friedensvertrag über die Bühne bringen will: Zuerst erlaubt sie einem islamischen Staatschef während der Friedensverhandlungen in seinem Land Säuberungsaktionen durchzuführen, ohne die Verhandlungen abzubrechen. Dann ist sie bereit, zehntausende Amerikaner für diesen Zweck zu opfern. Schließlich ist sie nicht nur bereit, die Wahrheit zu vertuschen, sondern auch dafür über Leichen zu gehen. Ganz nebenbei wird mal dargestellt, wie es die Supermächte (in vorliegender Staffel: USA und Russland) liebt, Marionetten-Regierungen zu installieren in den schwächeren Ländern, um ihre Sicht der Dinge durchzusetzen.
Vergleiche zu Pakistan, Iran, Irak, Afghanistan oder den arabischen Ländern sind definitiv nicht von der Hand zu weisen. Und diese kleine politische Lehrstunde hat irgendwann fast das Niveau eines Syriana für Arme (dies soll als Kompliment dienen).
Auch ist sehr schön zu sehen, dass die Autoren, den Charakter Jack Bauer, der seit Staffel 2 eigentlich stagniert, endlich über die Klippe schubsen und dem Tony Almeida-Verlauf aussetzen. Hier ist Jack Bauer plötzlich am Ende nicht der einzig Gute, der die Situation richtig einschätzt, sondern ein irrsiniger Berserker, der Amok läuft und unbedingt aufgehalten werden muß. Es ist absolut glaubhaft umgesetzt und man fühlt sich an der Schakal (Das Original aus den 1970’ern) erinnert, mit welcher eiskalten Präzision er hier vorgeht. Und es ist absolut nachvollziehbar, warum diese Staffel erst ab 18 freigegeben ist, spätestens wenn Jack Bauer in seiner Wut einen russischen Agenten ausweidet. DAS ist definitiv nichts für Zartbesaitete. Und glücklicherweise wird dies in keinster Weise auch nur glorifiziert, es ist spätestens an diesem Punkt klar, dass Jack nun der Schurke ist, den es aufzuhalten geht.
Auch ist äußerst positiv festzuhalten, dass obwohl es ein in mehrerer Hinsicht offenes Ende gibt, um die Hintertür für eine Kinoauswertung offen zu lassen, die Auflösung der Friedensverhandlungen äußerst diskussionswürdig ausfällt, ein jeder darf sich hier sein eigenes Urteil fällen.
Einzige Abzugspunkte muß man dann auch in der letzten halben Stunde suchen, welches versucht, ein sentimentales Ende zu verwirklichen, was aber bei dieser Serie meines Erachtens nicht nur fehl am Platz ist sondern auch geheuchelt. Ansonsten ganz großes Kino, und ich hoffe immer noch, dass sie Jack Bauer in der Kinofilmauswertung irgendwann endlich töten können, denn was dieser Mann in seiner Serienkarriere alles angerichtet hat und womit er alles durchgekommen ist, passt auf keine Walfischkuhhaut…
8,5 Punkte.
Und nun zurück zu Die Geburt einer Nation: Obwohl technisch innovativ und überragend, und auch storytechnisch fesselnd und spannend, so ist die Handlung doch recht propagandastisch: Es geht hier um die Rechtfertigung der Gründung des Ku-Klux-Clans, welcher als letzte Schutzinstanz des Staates vor dem bösen schwarzen Mann dargestellt und gerechtfertigt wird. Der Regisseur mußte sich Zeit seines Lebens für die Handlung des Filmes entschuldigen und sich rechtfertigen.
Die Parrallelen zu 24 sind diejenigen, dass wir eine extrem innovative Serie mit einer spannenden Handlung als Politpropaganda für die erzkonservative reaktionäre Führungselite (möglicherweise auch noch von der Waffenlobby gesponsert) haben, die jede Rechtfertigungsmöglichkeit dazu benutzt, die Kritiker als Waschlappen ohne Rückgrat darzustellen, da Jack Bauer im nächsten Moment immer wieder gezwungen ist, zu rabiaten Methoden zu greifen, und das ist laut Drehbuch nicht nur dringend nötig und erwünscht, sondern auch gut so.
Zwar ändert sich diese Herangehensweise mit der siebten Staffel, vor allem auch wegen dem tatsächlichen Regierungswechsel und der Aubruchsstimmung bezüglich „Yes, We Can“, doch bleibt Jack Bauers Charakter eigentlich auf diese eine Karikatur des guten Einzelkämpferamerikaners beschränkt. Lediglich die letzten 5 Folgen weichen von diesem Profil ab, aber da sind schon über 180 Folgen ins Land gezogen und Jack Bauer in der öffentlichen Wahrnehmung sozusagen verbrannte Erde. Hier ist Hopfen und Malz verloren. Nicht unähnlich dem Nachfolgefilm des Regisseurs von Geburt einer Nation, welcher sehr auf Toleranz zugeschnitten war und auch sehr episch daherkam, genannt Intoleranz, hier war der Schaden schon angerichtet, und D.W. Griffith wird ewig gebranntmarkt bleiben. So auch 24 – und das völlig zu Recht, das muß man festhalten.
Ohne diese Propaganda-Mechanismen hätte aus dieser wirklich potentiell großartigen Serie tatsächlich eine herausragende werden können anstatt nur einer enorm spannenden, aber ärgerlichen.
Spannungsfaktor: 10 Punkte (25%)
Propagandafaktor: 0 Punkte (20%)
Production Values und Optik/Split Screen etc,: 10 Punkte (5%)
Storyfaktor: 5,2 Punkte (durchschnitt obiger Staffeln) (50 %)
Gesamtpunktestand: 6 Punkte aufgerundet