Review

Einmal abgesehen davon, dass der groß herausgestellte Stern in der Besetzung, My Young Auntie Kara Hui Ying-hung hier nicht die Hauptrolle innehat, sondern erst nach Ablauf von 2/3 der Laufzeit und selbst dann nur als sporadischer Nebenauftritt in das Licht der Szenerie tritt, geht auch in Bullet to Survive alles genau seinen vorgeschriebenen Gang. Ist die Beachtung einer für das Genre logischen Stringenz, in der mehr Wert auf die Aktivität und ansonsten nur die knappe Anzahl von Wortwechseln gelegt wird, auch hier die Rettung in das Genaue. Die Regie von Wilson Cheung ansonsten alles andere als einfalls- oder gar wendungsreich und vielmehr voll Ausdrucks- und Ästhetiksmüdigkeit gehalten, und das Drehbuch schlichtweg eine kopiertem, in erhöhter Abschreibekunst aber potenzierte Fassung von Walter Hills 48 Hours. Das Wesentliche am durchschnittlichen Fall gestaltet und durch Aggression profiliert:

Frisch aus dem Gefängnis entflohen, hat die wegen eines tödlichen Bankraubes eingesessene vietnamesische Gang um Johnny Chin [ Joh Chung-sing, plus u.a. Lee Fai ] nichts anderes zu tun, als sich schweres Geschütz zu beschaffen und an ihren im Hintergrund tätigen Auftraggeber Charlie Tak [ Shing Fui-on ] heranzupirschen, der sie um die ausgemachte Entlohnung betrogen hat. Als Pfand für die ausstehende Zahlung nehmen sie Taks Freundin Angie [ Liu Gin-ling ] als Geisel, was dieser trotz erbitterter Gegenwehr seiner Schergen [ u.a. Benny Lai und Danny Chow ] nicht zu verhindern wusste. Von seiner Vorgesetzten [ Meg Lam ] aus Urlaub mit Freundin Jenny [ Man Siu ] zurückgeholt, muss sich nun CID Detective Sergeant David Lin [ Siu Yuk-lung ] mit dem zunehmend bedrohlichen Schlamassel befassen, zu dessen Klärung er Chins ehemaligen Kompagnon Steven Yuen [ Gam Sap-yee ] als Informanten für die Frist von 72 Stunden aus dem Gefängnis holt. Die entscheidende Fährte führt zu Chins Bekannten Jilly [ Kara Hui ].

Auffällig oft in diesem optisch grässlichen Unbehagen und dem dramaturgischen Verlassensein in die Gewalttätigkeit werden dabei noch weitere Marketinganreize außer dem der für Herkunft und Budget durchaus zahlreich platzierten Shootouts und Kampfeinlagen in hässlichen Gegenden annonciert; ist doch das Augenmerk auf den Sex – nicht die Erotik – gerade in der ersten halben Stunde und damit der Anleitung für Kommendes nicht zu übersehen. Dabei wird man zwar häufig beim Geschlechtsverkehr gestört, sei es durch herumstreunende Kriminelle, Razzien der Polizei, einen unfreiwilligen Zuschauer im Schlafzimmer, stellt sich allerdings der Versöhnungssakt von David und Jenny als recht langes Einerlei im Bett heraus, der minutenlang über mehrere Stellungswechsel hinweg die Laufzeit erheblich streckt. Anheimelnd sind diese Bewegungen und die noch folgenden Paarungen nicht, attestieren dem gesamten Setting allerdings die zusätzlich gewisse Launig- oder auch Schäbigkeit. In dem eher finanzgünstigen Umfeld ist der Sinn für Schönheit nicht einmal mehr mit illegalen Nebeneinnahmen zu bezahlen und wird so als unnötiger Luxus verbannt. Eine Tatsache, die sich bei den Actionszenen selber und so dem weiteren direkten Zugriff der Betaview Productions Ltd. Produktion gleichfalls anschließt.

Stellvertretend manifestiert mag man der Choreographie oder eher dem Ausbleiben dessen auch keinerlei Auszeichnung oder wenigstens das Lob der Individualität verleihen; vielmehr liegt eine gleichzeitig martialische Herzensangelegenheit und Herzensgleichgültigkeit vor. Im klaren Bewusstsein für die geringe ökonomische Potenz und die gesamte künstlerische Barbarei wird sich lieber ruppig statt kreativ und im freien Haudrauf statt eleganter Ausschmückung durch die blassen Hinterhöfe und -zimmer geprügelt. Der Verzicht auf aus dem Lehrbuch auswendig gelernten Praktiken sorgt immerhin für die spezielle angenehme Unreife, eine Entfremdung in das Abseitige, die dieser eher dunklen Angelegenheit von Film so perfekt passt. Außerdem wird sich wie als Ersatz für die Qualität mit oft blanker Willkür in die Zwei- und Mehrkämpfe gestürzt und darf nahezu jeder der Beteiligten, eine Handvoll C-Mimen und anderer Kleindarsteller, dann auch wenigstens vollständig in die dutzendweise aufmarschierenden Duelle einspringen. Ein Geschehenlassen von Tritten und Schlägen, die nur als Mittel zum Zweck dienen, deren cineastische Wirkung selber aber auch eigentümlich missachtet wird; erst im 2-gegen-1 Showdown, in dem die Wohnungseinrichtung der Gangsterfreundin komplett und dekorativ zu Kleinholz verarbeitet wird, macht sich die allseits vorherrschende Uneleganz zuguterletzt doch wahrhaft positiv bemerkbar.

Abseits des Martial Arts Gemenges, in dem auch so manche groteske Unfähigkeiten, aber dafür sicherlich viel Einsatz der Anwesenden zu sichten sind, tritt auch die blanke Willkür der Schusswaffen auf, ähnlich syntaktisch einfältig, dort aber mit der verheerenden Kraft chaotischer Auflösung montiert. Ob nun mit gezückter Maschinenpistole in und quer durch ein Restaurant marschiert oder sich am Container-/Verladehafen mit einer blindlings heranstürmenden Spezialeinheit ein wildes Feuergefecht geliefert wird, das aggressive Verhalten allein entschädigend oft für die eher regressive Inszenierung.

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