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Deutsche Genreproduktionen scheinen momentan auf der Stelle zu treten, während spanische und französische Newcomer aus dem Horrorbereich bereits meilenweit ans und vorbeigezogen sind. An seinem Backwood-Slasher beißt sich Debütant Matthias Olof Eich förmlich die Zähne aus, was den vermeintlichen Opferfiguren wesentlich besser gestanden hätte.

Die vier Freundinnen um Sarah wollen am Glaciers Rock in den Wäldern Kanadas campen. Doch am nächsten Morgen finden sie Überreste einer Leiche. Bevor sie fliehen können trifft der erste Pfeil eine der jungen Frauen…

Bei einer Amateurproduktion von rund 250.000 Euro Budget darf man durchaus einen ordentlichen B-Standard erwarten und das trifft bei dem Regiedebüt zumindest aufs Handwerkliche zu. Besonders in den ersten vierzig Minuten fängt die Kamera die Naturlandschaften recht gelungen ein, dazu erklingt ein ordentlich ausgearbeiteter Score mit vielen Variationen und auch der Schnitt ist in Ordnung. Nur leider ist es um den Rest mehr schlecht als recht bestellt.

Denn die Figurenzeichnungen fallen sehr dürftig aus, eine Sympathieträgerin ist nicht wirklich auszumachen und auch die Bösewichte, welche recht früh ins Spiel kommen, strahlen kaum Unberechenbarkeit oder gar Furcht einflössende Eigenschaften aus. Eher liefern sie schablonenhaften Klischees ab, indem der Koloss vor lauter Kraft kaum gehen kann und lediglich grunzt, während der Schmierlapp eher ans Dönern denkt und ansonsten recht gerne und mehrfach hintereinander flucht.

So werden billige Scherze gemacht, eine ist nur am Fotografieren, es kommt zum obligatorischen Baden im See, es geht um einen Glücksbringer und die Aufarbeitung eines Beziehungstraumas, - jedoch insgesamt um nichts, was eine der Figuren interessant erscheinen lässt.

Etwas besser gerät das Treiben im letzten Drittel, als die Konfrontationen offen ausgetragen werden und auf beiden Seiten Blutvergießen angesagt ist. Dabei kommt es zu einigen herrlich trashigen Szenen, etwa, als eine Verletzte mit zwei Grashalmen getarnt wird, wodurch eine super Tarnung gewährleistet ist oder der Rüpel zwar angeschossen, danach jedoch unvermittelt zurückgelassen wird und mit ihm das Gewehr zwei Meter neben ihm.
Eine finale Autoverfolgung ist allerdings mit passablem Drive und abermals guter Kamera inszeniert, nur das Ende schließt sich dem einfallslosen Grundprinzip erneut an.

Auch wenn unter den Darstellern kein Totalausfall zu vermelden ist und die meisten Mimen in prekären Situationen überzeugen können, die Bluteffekte wie Kehlenschnitt, tiefe Messerstiche, Schaufel im Schädel und eine Fleischwunde sauber in Szene gesetzt sind und das Tempo im dritten Akt brauchbar ausfällt, so wird der Streifen dennoch am nächsten Tag vergessen sein, da er wenig Markantes bietet, keinerlei Überraschungen oder gar Twists einbindet und im Gesamtbild zu uneigenständig rüberkommt, um ein breites Genrepublikum zu überzeugen. Kaum spannend, kaum empfehlenswert.
4 von 10

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