"Lauf bis zum Ende des Zuges! Nackt!"
Die jungen, amerikanischen Ringer Alex (Thora Birch), Willy (Gideon Emery), Sheldon (Kavan Reece), Todd (Derek Magyar) und Claire (Gloria Votsis) sind mit Trainer Harris (Todd Jensen) auf Turnieren in Osteuropa unterwegs. Nach einer durchzechten Nacht verpassen sie den Anschlusszug nach Odessa und durch Verständigungsprobleme ist die dringend benötigte nächste Fahrt dorthin an den Bahnhofsschaltern nicht heraus zu finden. Zu Hilfe kommt ihnen Dr. Velislava (Koyna Ruseva), die ihnen eine Mitfahrgelegenheit in einem Zug abseits der Fahrpläne anbietet. Erleichtert begeben sich die sportlichen Talente in ihre Zugabteile und finden sich im Anschluss daran, bei ausgelassener Stimmung, im Speisewagon ein. Am Morgen danach sind allerdings weder Todd noch Trainer Harris aufzufinden. Auf der Suche nach den beiden stößt der Rest der Sportler auf ein verschlossenes Abteil, dass angeblich den Maschinenraum beherbergt.
"Train" kopiert ganz offensichtlich ganze Brocken aus Eli Roth's packender Extremerfahrung "Hostel". Wiedermal muss das finstere Osteuropa als menschenfeindliche Umwelt für friedliche Amerikaner herhalten. Wieder einmal wird die dortige Bevölkerung auf eine Masse von böswilligen und brutalen Monstern reduziert. Doch wo "Hostel“ noch von der relativen Originalität der Idee lebt, bricht "Train“ durch mangelndes Tempo sowie eine konstruierte und unglaubwürdige Handlung ernsthaft zusammen.
Fans des Splatterfilms haben sich gewiss schon an die, auch in diesem Film vorhandenen, blassen Figuren gewöhnt. Besonders viel Mühe gibt sich das Drehbuch nicht ihnen einen Hintergrund und Ambitionen zu verleihen. Nicht weiter schlimm, wären da nicht diverse schwer nachvollziehbare Handlungen der einzelnen Protagonisten. Neben der haarsträubenden Ausgangssituation ist dies der schwerwiegendste Punkt, wodurch die Glaubwürdigkeit leidet.
"Train" will primär schockieren, baut aber kaum eine Intensität auf. Größtenteils plätschert das Geschehen so vor sich hin, ohne das Interesse des Zuschauers zu wecken. Trotz der düsteren Bilder und verschmutzt arrangierten Kulissen bleibt die Atmosphäre auf der Strecke.
In seiner unzensierten Version präsentiert der Horrorfilm zumindest schonungslose Bilder, die in ihrer Härte mit zunehmender Laufzeit immer mehr abnehmen. Allein die Eröffnungsszene ist durchaus erwähnenswert, weckt sie mit einer detaillierten Häutung doch durchaus ein unangenehmes Gefühl. Leider entpuppen sich die weiteren Höhepunkte als zu erwartende Folter und Quälereien, die zu einem weiten Teil das Niveau von "Train" niederringen. Darunter fallen angedeutete Vergewaltigungen sowie das Abschneiden von Genitalien.
Vorwiegend mit unverbrauchten Gesichtern arbeitet der Film, wobei die ein und andere bullige Erscheinung der Gegenspieler "Train" gut tut. Thora Birch ("The Hole", "American Beauty") verleiht ihrem Charakter mehr Kontur, als alle anderen. Kein Wunder, konnten doch Gloria Votsis, Gideon Emery sowie einige weitere Darsteller bislang nur Erfahrung in Serien sammeln.
Für den etwas anspruchsvolleren Genre-Fan wird "Train" höchstens mäßigen Unterhaltungswert parat halten. Kompromisslos und hart ist er, allerdings auch schleppend und wenig glaubhaft inszeniert. Gerade im Vergleich zu Genreprimus "Hostel" präsentiert sich "Train" erstaunlich schwach. Profillose Charaktere enthalten beide, jedoch ist die Intensität bei "Hostel" eine ganz andere. Da helfen auch die technisch einwandfreien Ekelszenen nicht weiter.
5 / 10