Review

"Gewinne für wenige. Verluste für alle."

Regisseur Erwin Wagenhofer, der mit "We Feed the World" eine erfolgreiche Dokumentation über die profitorientierte Nahrungsmittelbranche ablieferte, wendet sich mit "Let's Make Money" den Mechanismen der Finanzwelt, Immobilien und Banken zu. Dabei greift er zu den gleichen stilistischen Mitteln seines Vorgängerfilms: Einer neutralen Aufzählung von Fakten und dem damit verbundenen Risiko einer einschläfernden Erzählweise.

Die Mechanismen zu enthüllen und zu entwirren, die hinter den Finanzmärkten, Immobilienmachenschaften und überhaupt dem ganzen geldorientierten System stecken, ist keine leichte Aufgabe. Zu kompliziert und undurchsichtig sind die Machenschaften, die hinter diesen Mächten stecken. Aber genau das wird von den Verantwortlichen auch beabsichtigt. "Let’s Make Money" versucht etwas Licht ins Dunkle zu bringen. Doch leider gelingt dies dem Film nur zum Teil.

Teils langatmig, teils eindrucksvoll wird geschildert, dass der häufig genutzte Slogan der Banken "Lassen Sie ihr Geld arbeiten" eine Verblendung der schlimmsten Sorte ist. Geld kann nicht arbeiten, aber Tiere, Menschen und Maschinen schon.
Allzu viel Neues bietet Wagenhofer allerdings nicht. Dass der Kapitalismus ungerecht ist und sich der Westen auf Kosten der Entwicklungsländer bereichert ist ein ewiger Dauerbrenner. Ebenso bekannt ist der mittlerweile populäre Trend zur Privatisierung von Gewinnen, während Verluste auf die Allgemeinheit abgetreten werden. Erst Aufnahmen von menschenleeren Hotels und Wohnhäuser in Naturschutzgebieten, die für Investitionen der Banken dienen und durch zusätzlich errichtete Golfplätz in der Umgebung einer Wertsteigerung unterliegen, brennen sich in das Gedächtnis.

Aufgeteilt in Kapiteln bereist Wagenhofer verschiedene Länder, die von der Umsatzmaximierung betroffen sind. Der Tonfall ist sachlich und nüchtern, wenn "Let’s Make Money" seine Interviewpartner zu Wort kommen lässt. Überwiegend lässt der Dokumentarfilm aber lieber Bilder für sich sprechen. Dabei fällt recht häufig die unprofessionelle Kameraführung durch Sichtbehinderungen bei Überfliegen von Ortschaften und Tunnelfahrten mitten eines Interviews auf.

Während die erste Hälfte trotz aussagekräftiger Bilder größtenteils nichts Bedeutendes bietet, ist es eher die zweite Hälfte des Films, die zu überzeugen weiß. Allerdings ist die Steigerung der Erzählweise von hölzerner Starre zur Flut an Informationen unausgewogen und hinterlässt mangels neuen Erkenntnissen nur einen geringfügigen, bleibenden Eindruck. "We Feed the World" war der gleichen stilistischen Neutralität unterlegen, konnte aber mehr Emotionen vermitteln. "Let’s Make Money" schafft es nur zum Teil sein sperriges Thema aufzubrechen und zu informieren.

5 / 10

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