Review

  O Palmenbaum (2000)


Die anstrengende Familie Treichl-Moor sucht zu diesem Weihnachtsfest das tropische Urlaubsparadies Mauritius heim. Allerdings nicht zum Feiern, sondern zum Heiraten. Wie im Vorgänger „Single Bells“ (1997) regiert der blanke Familienterror, inkl. Eifersucht, Lügen und Geheimnissen, bis es am Schluß zum rührselig-familienfreundlichen Happy-End kommt.


Vier Punkte, weil totales Mittelmaß. Ein weichgespülter Abklatsch von Gesellschaftssatiren à la Loriot (wer denkt bei „Weihnachten“ nicht an die Familie Hoppenstedt?) oder Robert Altman (auch er drehte „Eine Hochzeit“). Die Handlung plätschert gemächlich und jugendfrei dahin, um auch zur österreichisch-deutschen Hauptsendezeit für ganze Familien goutierbar zu sein, das Timing ist betulich, gern verharrt die geschmackvolle Kamera ausführlich, doch nichtssagend auf den Personen, die sich Mühe geben, jeden Gag und Satz gründlich auszuwalzen.


Ganz ausgiebig und knallbunt wird auch das Ambiente präsentiert: Zeitweise wirkt der „Spielfilm“ wie ein Werbevideo der Tourismusindustrie von Mauritius (oder wie eine Folge „Traumschiff“), wenn ausgiebig weißer Strand, blaues Meer, grüne Berge (vom Hubschrauber aus!), bunte Tücher und Büffets (mit viel knallrot totgekochten Meeresfrüchten – würg, igitt!) präsentiert werden.


Wobei „O Palmenbaum“ natürlich unter Hardcore-Touristen spielt, sodaß sich das Product-Placement touristischer Attraktionen, inklusive bereitwilliger, arbeitsamer, freundlicher, dunkelhäutiger Einheimischer gar nicht vermeiden läßt.


Reizvoll (daher der fünfte Punkt) war wenigstens die Inszenierung von Martina Gedeck als österreichische Venus in ansprechenden Outfits, Badeanzügen oder bei Yoga-Übungen: Wahrscheinlich war den Machern klar, daß die Zugpferde (d.h. Übergewichte) der Handlung, die zwei endlos nervenden Großmütter, einmal auch einen positiven, optischen Ausgleich brauchten.


Doch weiteres Potential verschenkte der Film leider: Die Mißlaunen verflogen viel zu schnell und grundlos und gipfelten gegen Ende in sentimentaler, allgemeiner Versöhnung unterm Tannen-, bzw. Palmenbaum; ähnlich ging es Haifischen, Rassismus, Vegetarismus des Sohnes, Discobesuchen der Tochter, Tauchkursen, kolonialer Vergangenheit, verlorengehenden Familienmitgliedern: Alles wurde kurz angedeutet oder angerissen, aber sofort wieder ad acta gelegt. Angesichts des lahmen Tempos ließ sich leider nicht mehr unterbringen.


Entsprechend verging der Film auch ohne jede Dramatik oder Handlung, ebenso langweilig wie der zweiwöchige Strandurlaub (den der Film schildert) oder wie drei lange Feiertage im Kreis der Familie (die das Prequel „Single Bells“ schilderte – doch da gab es wenigstens einen dramatischen Höhepunkt, als der sorgsam betreute Tannenbaum in Flammen aufging. Und im Vergleich zeigt sich auch, daß sich Familiensatiren wahrscheinlich am besten auf dem vertrauten, familiär-heimatlichen Boden ansiedeln lassen).



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