Review

Autsch!
Da zieht man so seine Runden im World Wide Web und entdeckt völlig unverhofft, dass die Reihe um den exzentrischen Ace Ventura alias Jim Carrey mit einem dritten Teil gesegnet wurde. Jegliche Hoffnung, dass Carrey der PR-Maschine entkommen und in ruhiger Atmosphäre unbemerkt diesen dritten Teil drehe konnte, wird aber bereits beim lesen des Titels im Keim erstickt: Ace Ventura Jr.
Ja, ein Kinderdarsteller. Nein, kein Carrey. Aber man soll nun nicht Filme im Vorfeld in der Luft zerreißen, auch wenn die Erwartungen natürlich irgendwo im Keller hocken.
Vielleicht ist es ja kein dämlicher Kinderquatsch, der Schmerzen verursacht.
Naja, es ist doch ein dämlicher Kinderquatsch, der Schmerzen verursacht.

Bereits "Die Maske" und "Dumm und Dümmer" wurden ohne Carrey fortgesetzt und die dazugehörigen Sequels waren schlichtweg gewaltige Schüsse in die Buxe. Da hat es ein "Ace Ventura 3" natürlich alles andere als einfach, vor allem, wenn man all seine Hoffnung auf ein offenbar dickes Kind setzt, dass in die großen Schuhe Carreys steigen muss. Die Rede ist von Josh Flitter, und es ist eine gänzliche Überraschung, dass gerade der neue, 12-jährige Hauptdarsteller das geringste Übel an diesem Schund ist. Tatsächlich steckt in Flitter durchaus Potenzial, der Bengel hat Timing und die Arbeit scheint ihm sichtlich Freude zu bereiten. Doch leider maßt das Drehbuch dem Jungen an, typische Carrey-Gags abzuleiern. Der Knabe müht sich redlich ab, seinem Vorbild gerecht zu werden. Immerhin.

Der Mythos Ventura wird ins lächerliche gezogen. Charles Darwin hieß unter anderem Ventura, jedem jungen Familienmitglied wächst im Zuge der Pubertät die unverkennbare Haartolle, der unerklärbare Drang keimt auf, Tiere zu suchen und zu retten. Das ist eine äußerst schwache Erklärung, genau wie der Verbleib des echten Venturas, der bei der Rettung von Wildgänsen im Bermuda-Dreieck verschwunden sein soll. Als ob das nicht schon genug wär taucht dann auch noch Großvater Ventura auf, mitsamt Schildkröte und vermeintlich toten Hund an der Leine. Er erklärt seinem Enkel das Schicksal der Familie, worauf der kleine Ace sich entgültig bereit erklärt, das Rätsel um den Verbleib eines Pandas aufzuklären, der im Zoo verschwunden ist. Zufällig der Zoo, wo seine Mutter arbeitet und sofort verhaftet wurde, als man im Gehege des Pandas ihre Fußabdrücke gefunden hat.

Mit ein paar besseren Gags hätte dieser Aufguss vielleicht ein bisschen funktioniert, aber der Film beschränkt sich viel zu sehr auf infantilen Jugendhumor. Da wird ein Skunk zwecks Mitnahme mit Fürzen betäubt, generell furzt Ace Jr. ständig und ohne Pause (er selbst erklärt es als Analsausen... Ja, Analsausen), da gibt es auch wieder die scheinbar unerschöpfliche Liste an Gags, die man mit einem zahmen Hund abspielen kann, von situationsbedingten, eingespielten Jaulern bis hin zur Mitnahme eines leckeren Dinosaurier-Knochens. Klischeebedingt gibt es dann auch den superintelligenten Nerd, das begehrenswerte Mädchen und den reichen Schnösel; zählt man dann Ace Jr. als furzenden Dicken noch mit, hätten wir da auch wieder die stereotype Riege der typischen Kinderfilm-Charaktere.

Also fassen wir mal zusammen. Josh Flitter kann obgleich seiner erfrischenden Darbietung nichts aus dem zusammengeklebten Drehbuch rausholen; der Fall und die Auflösung sind nicht die Bohne interessant und schlussendlich auch nicht überraschend; die ausgequetschte "Legende" um die Ventura-Familie macht die beiden Vorgänger fast kaputt, nimmt man sich diesen Kinderfilm hier denn zu Herzen; tatsächlich befindet sich bis vielleicht auf den jungen Flitter kein einziger annehmbarer Schauspieler in der Besetzung, oder vielleicht waren auch alle angesichts des runtergekurbelten Drehbuchs einfach unterfordert.
Für Kinder sicher interessant, aber für Freunde und Fans der beiden ersten Teile rund um Tierdetektiv Ace Ventura ein kleiner Schlag ins Gesicht. Hoffen wir, dass Josh Flitter vielleicht noch in einem guten Film mitspielen darf, das Potenzial hat er. Sonst ein heißer Anwärter für das unnötigste Sequel der Filmgeschichte.
2/10

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