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Der unsichtbare Feind ist seit jeher ein beliebtes Thema amerikanischer Ideologie. Von dem physiologischen Kommunismus der Science Fiction Filme der 50er Jahre zu den Sicherheitsmaßnahmen vor imagnierten Terroristen; Standoff greift, wohl eher aus Budgetgründen, auf diesen Gemeinplatz zurück und macht daraus ein Kammerspiel mit wechselnden Rollen. Die Bundespolizei soll in dem Staat Texas ein kleines Nest religiöser Fanatiker ausheben, die Situation gerät jedoch sofort außer Kontrolle und ein paar Agenten können sich in ein kleines verfallenes Haus in der Nähe retten (die grobe Handlung ist mit großer Wahrscheinlichkeit an die Belagerung der Sekte "Branch Davidians" in Waco, Texas 1993 angelehnt).
Actionszenen leiten sich aus Kriegsfilmästhetik her; man hört das Sperrfeuer in der Ferne und sieht die einschlagenden Kugeln links und rechts von den Darstellern, die in eleganten Zeitlupenaufnahmen das morsche Holz aus der Hauswand splittern lassen. Im Gepäck ein angeschossener Deputy der Polizei, der, wie im Kriegsfilm, von seinen Kameraden über die Schulter geschleppt, eine zusätzliche Gefahrt darstellt. Im Haus dann teilen sich die Rollen, ein guter, moralischer Nachwuchsagent und ein älterer, souveräner Haudegen. Zwei weitere Agenten betreten das Refugium und es kommt zum Mexican Standoff, der durch die Parole gelöst wird, anhand der sich die Polizeikräfte untereinander identifizieren.
Von hier aus spinnt das Drehbuch eine relativ spannungsarme Figurenkonstellation, ein weißer Bulle der den schwarzen Bullen hasst, ein Angsthase, der mit dem höchsten Dienstgrad die Führung übernehmen soll usw. Zwei Frauen aus der Sekte werden auch bald gefunden, und je nach Charakterfärbung von den Agenten so oder so behandelt. In diesem Haus also müssen sie verharren, nach missglückten Fluchtversuchen und einem erschossenen Sanitäter, der kurz vor dem Haus schon Augenkontakt zu den Protagonisten herstellen kann bevor ihn eine Kugel in den Rücken trifft. Hier treffen zwei fundamentale Überzeugungen aufeinander, eine für Land und Regierung, eine für den Staat im Staat, die Sekte, die in kurzen Zwischenblenden als militärisches Gefängnis gezeigt wird, aber in all ihrer Ominösität farblos und uninteressant bleibt. Überhaupt fehlt, bei allem fermentativen Temperaturanstieg zwischen den Gefangenen, eine Figurenzeichnung, die sich über die Schablonencharakterisierung herausheben würde, so ist die Frage nach der Zeit der Konfrontation eher eine mechanisch-determinierte als eine psychologische. Wenn es dann am Ende zu den kleinen Standoffs kommt, die den hohlen Raum, das Vakuum der Anspannung, wie Schreckpistolenschüsse verpuffen lassen, löst die Kamera das Haus in kleine Räume auf, die den Zuschauer den Überblick verlieren lässt und die Frage, wer wen zuerst abknallen wird, zu einer der fehlenden Orientierung machen. So kann auch die mysteriöse Frau, die mindestens eine von drei Vermutungen über ihre Rolle annehmen muss, aus dem Nichts kommen und eine Standoff-Finger am Abzug Situation lösen, indem sie dem böseren der beiden Kontrahenten in den Rücken schießt, bevor sie dem letzten Überlebenden von ihrer religiösen Überzeigung, der Apokalypse im Jahr 2000, berichten kann und kurz darauf ihrerseits das Zeitliche segnet.
Selbst wenn man sich nicht auf das Spiel der Vorhersehbarkeit einlassen will, das diese dramatische Konstellation unweigerlich hervorruft, kann Standoff mit seinen falschen Figuren und der Absenz von actionreicher Action, einzig noch mit dem Schauplatz, dem verfallenen Landhaus, punkten. Dass dieser Streifen bis heute weder in den USA noch Europa auf DVD erschienen ist, sollte insofern auch nicht verwundern. Da hilft auch keine Yeats-Reziation und kein "I Believe in Miracles".

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