Generell bin ich ja etwas harsch mit den lieben B-Filmen aus jüngster Produktion, weil die meistens so sehr auf Kostenersparnis fokussieren, daß man das schimmelige 2-Sterne-Setting in Rumäniens Hinterland auch gleich als Brechmittel mitverwenden kann - "Infestation" ist aber eine bunte Tüte besser, wenn jetzt auch nicht rasend originell.
Aber nachdem miese Animationen von Monstrositäten und Mutationen uns schon fast jeden Zahn gezogen haben, erwarten wir von einer Riesenkäferstory natürlich keine Wunderdinge mehr, auch nicht bzw. schon gar nicht bei einer DVD-Premiere.
Doch, oh Schreck, die Programmierer hatten einen guten Tage und die Creature-Konstrukteure machten dabei gleich mit und so sieht "Infestation" ein gehöriges Stück besser aus, als durchschnittliche Monsterheuler der Lidl-Kategorie.
Die Story, naja, die ist jetzt wirklich nicht Bombe, generell ist dies die insektoide Variante von "Skyline" mit einen Seitenknuff in Richtung von Emmerichs "Independance Day", aber zumindest geht sie gleich richtig in die Vollen.
Kaum haben wir also in den Büroalltag einer Servicefirma geschnuppert, geht auch schon das große Kreischen los und eine Überblendung später sind alle Bewohner einer Großstadt (die ausnahmsweise mal gar nicht wie Bulgarien, sondern tatsächlich wie Amerika aussieht) in weiße Kokons eingewickelt. Das Geflecht hat wohl nur Konservierungsfunktion, weswegen man die Eingewickelten auch prima aufwecken kann, auch wenn sie anschließend einem der Reihe nach auf die Füße kotzen.
Womit wir bei unserem "Helden" wären: ein alberner, unsicherer, erfolgloser Loser, für den "Shaun" vermutlich Pate gestanden hat und der zugleich sein eigener "comic relief" sein soll. Eigentlich ist er vom Start weg ein typisches Ärgernis, aber zum Glück dürfen sich in der eher banalen Rahmenstory alle noch ein bißchen steigern, insofern muß man einfach nur die ersten flachen Jokes überleben. Warum unser Held nun aufwacht (genauer gesagt wird er von einem Käfer aufgeweckt), wird nie geklärt, das ist eins der typischen B-Movie-Löcher hier (genauso wie der zweite ausgepackte Kollege danach komplett aus dem Film verschwindet!), die man wohl zwangsläufig in Kauf nehmen muß.
Was dann folgt, kann sich der Monsterfilmfreund an einer Hand abzählen. Natürlich sucht man den nächstbesten Fluchtpunkt (wobei man ganz leise sein muß, denn die Viecher sind zwar blind, aber gut mit den "Ohren"(?)), natürlich gibts Konflikte, natürlich gibts das patente Mädel (Love Interest!), natürlich die blonde Bitch (Nacktszene!) und da sind auch die harten Kerle, die in der augenzwinkernden Wendung, daß man eben nicht Auto fahren darf (weil laut!) gleich als Erste draufgehen.
Das ist kein sehr origineller Stoff, aber das gewisse Ausgeliefertsein, die Isolation, die Verfolgung, der Druck, das transportiert der Film sehr geschickt und bleibt in Bewegung, ohne jetzt besonders schlau oder besonders doof sein zu wollen. Daß man schlußendlich in die Höhle (lies: Nest) des Löwen eindringen muß, ist genauso abzusehen, wie die Idee, daß ein fast Tauber eine gewisse Rolle spielen wird, wenn es gegen eine akustisch motivierte Bedrohung geht (wie der gute Junge zu Anfang dann überhaupt eingesponnen wurde, ist auch eine von diesen Fragen, die... ach, lassen wir das...).
Die kandierte Kirsche zum Eis ist in der zweiten Hälfte Lieblingsgaststar Ray Wise (Twin Peaks, Reaper), der den Militärdaddy mit Hundetick mimt, der die Bedrohung mit einer Mischung aus ironisierten Klischees und Deadpan-Humor angeht und sich nebenbei mit seinem sonst so unfähigen Sohn zofft.
So ist "Infestation" neben traditionellem und gut getricksten Monster-Survival-Horror auch gleichzeitig noch Komödie, ohne daß die Albernheiten die Überhand gewinnen, vielmehr verläßt man sich aufs Augenzwinkern und Unterlaufen von typischen Monsterklischees, was aber an einem DVD-Abend eigentlich für soliden Spaß sorgen sollte.
Dazu gereicht wird munteres Gematsche nach Art des Hauses, da spritzt auch schon mal Blut, platzen Körper "Thing"-like auf und entwickeln Käferbeine oder man suhlt sich in dem weißen Schmodder, der durch die Gegend fliegt, wenn man "Bugs" crusht. Wie überhaupt Kyle Rankin als Fan von Altmeister Carpenter aufgewachsen sein muß, denn eine Sequenz mit einer quasimilitärischen Vigilantengruppe ist deutlich beim Vorbild abgekupfert.
Da es so gut wie keine Erklärungen gibt, was die Käfer wollen und auch die Herkunft nur richtungstechnisch bestimmt werden kann, sollte man nicht auf zuviel Aufklärung spekulieren, aber manchmal ist es einfach auch nur ganz angenehm, wenn es mal nicht so kreuzdoof wie möglich wird. Kleine Löcher oder dramaturgische Senken muß man in Kauf nehmen und nichts hieran ist wirklich neu, aber als Ideenkompilation im Eigenbau ist "Infestation" ein Genuß ohne große Reue. Und der Schlußgag - der ist diesmal so offen gelassen, daß die Produzent wirklich erst nach Cash-In über eine Fortsetzung entscheiden können. Beetlejuice!!! (6,5/10)